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Uniper – Erfolgreich in konventioneller Energieerzeugung

Für Uniper spricht die Fokussierung auf Diversifizierung, Profitabilität und Kostenreduzierung sowie die attraktive Ausschüttungspolitik. Ungemach mit dem Großaktionär Fortum dürfte bald vorbei sein, denn das Führungsduo Schäfer/Delbrück, das autonom agierte, scheidet bald aus. Die Möglichkeiten künftiger Zusammenarbeit werden nun von Arbeitsgruppen hinreichend geprüft. Operativ hängt Uniper vor allem von politischen Entscheidungen (»Kohle-Exit«) und der Entwicklung der Strom- und Energiepreise ab.

Uniper, erst 2016 entstanden
Uniper entstand 2016 als Ausgliederung aus dem ehemaligen Mutterkonzern E.ON, wurde vom damaligen Vorstandsvorsitzenden Klaus Schäfer erfolgreich an die Börse gebracht und zählte aus dem Stand heraus zu den bedeutendsten Akteuren im Bereich der konventionellen Energieerzeugung und des Energiehandels (Strom, Gas, Kohle und verflüssigtes Erdgas/LNG). Geschäftliche Schwerpunkte sind der Heimatmarkt Deutschland sowie Europa und Russland. Weitere wichtige Aktivitäten des Unternehmens sind der Betrieb von Gasspeichern und das Halten von Gasinfrastrukturbeteiligungen.

Das Fortum-Übernahmeangebot
Die Finnen sind bereits 2017 bei Uniper eingestiegen: Bis Anfang 2018 konnten Uniper-Aktionäre ihre Aktien zu einem Übernahmepreis von 22,00 Euro je Aktie verkaufen. Dies wurde jedoch nur in geringem Umfang angenommen. Die Annahmequote lag letztendlich bei 47,12 Prozent und damit hat Fortum fast ausschließlich die von E.ON angedienten Aktien (46,65 Prozent) übernehmen können.

Investoren haben sich positioniert, Fortum nun bei 49,99 Prozent
Elliot Capital Management hat seine Beteiligung mehrfach deutlich erhöht und hält inzwischen 17,84 Prozent (per Ultimo 2018). Und mit Knight Vinke ist ein weiterer aktivistischer Investor bei Uniper mit rund 5 Prozent eingestiegen, der auf eine höhere Unternehmensbewertung spekuliert.

Die Finnen haben Anfang Februar 2019 eine Beteiligungsquote von 49,99 Prozent bekannt gegeben. Da Uniper in Russland eine als strategisch wichtig eingestufte Trinkwasseraufbereitungsanlage betreibt, wurde Fortum von der russischen Kartellbehörde eine Mehrheitsbeteiligung an Uniper bislang untersagt. Die Abgabe des russischen Wassergeschäfts (zu einem späteren Zeitpunkt) dürfte Fortum dem Ziel einer kompletten Übernahme dann näher bringen.

Grafik 1: Wertentwicklung der Uniper-Aktie (seit Börsengang am 12. September 2016)
Grafik 1: Wertentwicklung der Uniper-Aktie (seit Börsengang am 12. September 2016)
Stand: 18. Februar 2019; Quelle: Reuters
Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung

Strategische Zusammenarbeit zwischen Uniper und Fortum auf dem Prüfstand
Überraschenderweise teilte der Aufsichtsrat von Uniper am 6. Februar 2019 mit, dass der erkrankte und derzeit pausierende Klaus Schäfer (Vorstandsvorsitzender) und Christopher Delbrück (Finanzvorstand) Ende August 2019 das Unternehmen verlassen werden. Beide Führungskräfte haben bislang gegen eine Übernahme durch den finnischen Konkurrenten gekämpft. Fortum-Chef Pekka Lundmark kritisierte jüngst die Annäherung der beiden Konzerne als unzureichend. Dies dürfte sich nun ändern: Wege für eine strategische Partnerschaft sollen ausgelotet werden. Dazu werden Arbeitsgruppen eingerichtet.

Mit raschen Ergebnissen – möglicherweise bis zur Uniper-Hauptversammlung Ende Mai 2019 – ist jedoch nicht zu rechnen. Und Zwischenstände werden auch nicht vermeldet, wie der Aufsichtsratsvorsitzende Reutersberg verlauten ließ. Zudem soll die Nachfolgesuche für die beiden scheidenden Vorstände schnell beginnen. Ob Uniper, als Betreiber von Gas- und Kohlekraftwerken sowie im Gashandel mit weltweit rund 12.000 Mitarbeitern tätig, letztendlich bei den Finnen eingegliedert wird oder auch ganz verschwindet, ist offen.

Streit um Nord Stream 2: Uniper hält an Engagement fest
Ungeachtet der politischen Turbulenzen mit der US-Regierung, die gerne amerikanisches Gas nach Europa transportieren möchte und eine steigende Abhängigkeit Europas von russischem Gas befürchtet, hält Uniper an der geplanten Ostseepipeline Nord Stream 2 fest. Mit diesem 10-Milliarden-Euro-Projekt soll die jährliche Transportkapazität von Erdgas aus Russland über Deutschland in die gesamte EU etwa verdoppelt werden. Vor dem Hintergrund rückläufiger Erdgasproduktion in Europa ist auch Uniper – als einer der wichtigsten Investoren – von der energiepolitischen Sinnhaftigkeit für Deutschland überzeugt und steht auch weiterhin zu seinen vertraglichen Verpflichtungen. Nord Stream 2 wird vom russischen Staatskonzern Gazprom gebaut und von fünf westlichen Unternehmen mit jeweils knapp 1 Milliarde Euro finanziert. Dazu zählt auch Uniper neben Wintershall, der französischen ENGIE, der britisch-niederländischen Royal Dutch Shell und dem österreichischem Energiekonzern OMV. Von Uniper ist bereits ein Finanzierungsbeitrag von 500 Millionen Euro geflossen und nach Angaben der Österreicher sind bereits etwa 600 Kilometer der insgesamt 1.200 Kilometer langen Pipeline fertiggestellt. Nach dem Auslaufen unter anderem der niederländischen Gasförderung soll die Pipeline eine Energieversorgung mit stabilen Preisen in ganz Europa sicherstellen. Die US-Regierung will Strafmaßnahmen gegen Personen und Unternehmen ergreifen, wenn diese sich in als kritisch definierten Geschäften mit Russland engagieren. Vom Risiko einer möglichen Sanktionierung zeigen sich die Investoren wie auch Uniper bislang wenig beeindruckt.

Anspruchsvolle Bedingungen
Mit der gewählten Ausrichtung will Uniper seine nach eigenen Angaben führende Rolle in der konventionellen Energieerzeugung und im europäischen Gasgeschäft festigen. Einem weiterhin sehr anspruchsvollen und schwierigen Marktumfeld setzt das Unternehmen nun vor allem ein breit diversifiziertes Portfolio an Strom bzw. Wärme produzierenden Kraftwerken entgegen. Neben fossiler Erzeugung (Kohle, Gas, Öl und kombinierte Gas-/Dampfkrafterzeugung) setzt Uniper auch auf Energie, die zum Beispiel mittels Wasserkraft und Biomasse generiert werden kann. In Schweden wird zusätzlich (und auch weiterhin) Atomstrom produziert. Uniper will erreichen, mit diversifizierten Einkommensquellen und verlässlichen Kapitalflüssen eine mittel- und langfristig gute und sich stetig verbessernde Ertragssituation zu schaffen. Das Unternehmen agiert zudem befreit von den Lasten des deutschen Atomausstiegs und den damit verbundenen Kosten.

Beteiligungsverkäufe stehen oben auf der Agenda
Uniper treibt die zum Schuldenabbau notwendigen Beteiligungsverkäufe voran. Der Großteil des zur Disposition stehenden Geschäfts ist reguliert und verspricht stabile und kalkulierbare Renditen. Daher dürfte weiterhin entsprechende Nachfrage auf dem Markt bestehen, da als Investoren auch Private-Equity- und Kapitalanlagegesellschaften infrage kommen.

Kapazitätsmärkte bleiben eine Option
Immer wieder gibt es aufkeimende Phantasie hinsichtlich einer möglichen Einführung eines Kapazitätsmarkts in Deutschland, um die künftige Energieversorgung bei möglichen Engpässen sicherzustellen. Dies gilt vor allem für die Regionen, die zeitweise von mangelnder Einspeisung der erneuerbaren Energien betroffen sind. Noch ist unklar, wie die eingerichtete »Kohlekommission« und im Anschluss die Bundesregierung mit dem Thema der bundesweiten Grundsicherung umgehen wird.

Kohlekommission befürwortet Kohleausstieg bis spätestens 2038
Auf Veranlassung der Bundesregierung haben Mitte 2018 28 Mitglieder aus Politik, Wirtschaft, Industrie, Gewerkschaften und Wissenschaft der sogenannten Kohlekommission (Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung) ihre Tätigkeit aufgenommen. Ende Januar 2019 wurde der Abschlussbericht vorgelegt, der dann im Frühjahr 2019 als Gesetzesgrundlage dienen soll.

Ein Konsens ist geglückt: Die Kohlekommission hat in ihrem Abschlussbericht vorgeschlagen, spätestens 2038 den letzten Kohlemeiler vom Netz zu nehmen. Hierüber soll 2032 beschlossen werden. Der Ausstieg soll phasenweise stattfinden und die erreichten Ziele immer wieder überprüft werden. Innerhalb der nächsten vier Jahre müssen ca. 12,5 Gigawatt – von derzeit 43 Gigawatt – abgeschaltet werden. Dies entspricht etwa 24 größeren Kohleblöcken. Ein signifikanter Stellenabbau dürfte damit einhergehen.

Die Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen spielt in Deutschland unvermindert eine wesentliche Rolle, und rund die Hälfte aller Emissionen erzeugt die Energiewirtschaft, allen voran die Kohle. Im Jahr 2018 wurden immer noch rund 22 Prozent des Stroms mit Braunkohle und ca. 14 Prozent mit Steinkohle produziert. Auch ist das Ende der Kernenergie in greifbare Nähe gerückt. Um keine Versorgungslücke entstehen zu lassen, ist der Ausbau der Stromgewinnung aus erneuerbaren Energien massiv zu forcieren. Auch die im Vergleich zur Kohleverstromung umweltfreundlichere Erdgasversorgung (Erzeugungsanteil: rund 13 Prozent) muss ebenfalls hochgefahren werden.

Offen lässt die Kommission, welche Kraftwerke zu welchem Zeitpunkt abzuschalten sind. Diese Verhandlungen muss die Bundesregierung mit den Kraftwerksbetreibern führen. Uniper fordert insbesondere rasche Klarheit über die Zukunft seines vor der Fertigstellung stehenden Steinkohlekraftwerks Datteln 4 mit Baukosten von rund 1,5 Milliarden Euro. Die Kommission sieht für den vorzeitigen Kohleausstieg Entschädigungsleistungen für die betroffenen Energieversorger vor. Deren Höhe soll bis 30. Juni 2020 festgelegt werden. Auch wenn noch nicht alle Fragen geklärt sind, so wurde doch ein breiter Konsens erzielt und somit für Uniper mehr Planungssicherheit gewonnen.

Auch für den Großaktionär Fortum dürfte die finale Ausgestaltung etwaiger Stilllegungen und Entschädigungsleistungen der Uniper-Kohlekraftwerke von großem Interesse sein. Möglicherweise wird erst nach Vorliegen konkreter Fakten der letzte Schritt in Richtung einer weitreichenden Kooperation oder aber auch eine Komplettübernahme mit nachfolgender Integration von Uniper gegangen.

Bau eines Gaskraftwerks für Stromengpässe
Uniper hat den Zuschlag für Errichtung und Betrieb eines Gaskraftwerks (300 Megawatt) in Süddeutschland (Nähe Ingolstadt) erhalten. Denn diese Region ist vom Atomausstieg, der Ende 2022 abgeschlossen sein soll, besonders betroffen. Allerdings soll das Gaskraftwerk, dessen Inbetriebnahme für Oktober 2022 vorgesehen ist, nicht dem Markt zur Verfügung stehen, sondern als Sicherheitspuffer bei Engpässen in der Stromversorgung (bei wenig Wind und Sonne) fungieren. Für die Bereitstellung erhält Uniper eine in der Höhe nicht genannte Vergütung, wodurch mit stabilen Ergebnisbeiträgen gerechnet werden kann.

Unspektakuläre Neunmonatszahlen
Uniper musste im Jahresvergleich einen deutlichen Rückgang des betrieblichen Ergebnisses hinnehmen und nach nicht zahlungswirksamen Derivate-Bewertungseffekten sogar einen Verlust ausweisen. Das Unternehmen konnte trotzdem die Erwartungen weitgehend erfüllen. Allerdings wurde der Ausblick für das Gesamtjahr 2018 nur noch annähernd bestätigt, das operative Ergebnis (EBIT) soll sich eher am unteren Ende der Spanne von 800 Millionen Euro bis 1,1 Milliarden Euro bewegen. Gewinnrevisionen folgten umgehend. Wichtiger war allerdings die Bestätigung der angekündigten attraktiven Ausschüttungspolitik.

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Discount-Zertifikate

WKN

Basiswert

Cap

Discount

Max. Rendite p.a.

Bewertungstag

Geld-/Briefkurs

CU0 VNJ

Uniper

22,00 EUR

17,68 %

3,04 %

20.12.2019

21,43/21,44 EUR

CU0 VNL

Uniper

24,00 EUR

12,34 %

6,03 %

20.12.2019

22,81/22,82 EUR

CU0 VNN

Uniper

26,00 EUR

8,35 %

10,45 %

20.12.2019

23,85/23,86 EUR

CU0 VNQ

Uniper

28,00 EUR

5,69 %

16,33 %

20.12.2019

24,55/24,56 EUR

BEST Turbo-Zertifikate

WKN

Basiswert

Typ

Basispreis/Knock-Out-Barriere

Hebel

Laufzeit

Geld-/Briefkurs

CJ6 88P

Uniper

Call

15,18 EUR

2,4

Unbegrenzt

10,90/10,93 EUR

CJ9 GR8

Uniper

Call

21,65 EUR

5,8

Unbegrenzt

0,44/0,45 EUR

CJ9 GR6

Uniper

Call

22,65 EUR

7,4

Unbegrenzt

0,34/0,35 EUR

CJ9 GRR

Uniper

Put

35,96 EUR

2,6

Unbegrenzt

0,99/1,00 EUR

CJ9 GRV

Uniper

Put

29,96 EUR

6,4

Unbegrenzt

0,40/0,41 EUR

CJ9 GRW

Uniper

Put

28,97 EUR

7,8

Unbegrenzt

0,32/0,33 EUR

Stand: 21. Februar 2019; Quelle: Commerzbank AG

Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.de zur Verfügung.