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Merck KGaA – Wende in der Pharmasparte

Die Merck-Aktie litt zwischenzeitlich unter einer Margenerosion aufgrund zunehmender Konkurrenz aus China beim Geschäft mit Flüssigkristallen, der Blick der Investoren richtet sich aber mittlerweile wieder auf die Stärken des Konzerns. Vor allem in der Pharmasparte mehren sich die positiven Nachrichten. Optimistisch sind wir insbesondere für Bavencio (neuartiges Mittel zur Immuntherapie gegen Krebs). Der Wirkmechanismus könnte möglicherweise bei einer Vielzahl von Krebsarten funktionieren.

Die Pharmasparte ist eine Restrukturierungsstory
Die Pharmasparte ist die größte Baustelle im Unternehmen, bietet daher aber auch das größte Überraschungspotenzial. Das Krebsmittel Erbitux, der zweitwichtigste Umsatzträger der Pharmasparte, muss mit den Folgen des abgelaufenen Patentschutzes kämpfen. Auch das Merck-Medikament Rebif (Multiple Sklerose) bekommt immer mehr Konkurrenz, was allerdings in den Schätzungen enthalten ist. Eine sehr starke Nachfrage nach Fruchtbarkeitsmedikamenten und ein hohes Wachstum in China können die Umsatzrückgänge der beiden genannten Medikamente zudem derzeit überkompensieren.

Krebsimmuntherapie Bavencio
Die Immuntherapie mit dem Handelsnamen Bavencio (chemischer Name Avelumab) von Merck (in Partnerschaft mit Pfizer) wurde bereits zur Behandlung des sogenannten Merkelzellkarzinoms (einer seltenen Hautkrebsart) zugelassen. Die Therapie war die erste, die die FDA für diese bösartige Hautkrebsart genehmigt hat und die erste Medikamenten-Neuzulassung von Merck in den USA seit Jahren! Auch wenn der Wirkstoff in den nächsten zwei Jahren nicht signifikant zu den Gewinnschätzungen von Merck beiträgt, so ist die Zulassung dennoch positiv für den Konzern zu werten.

Zwar stellt die genannte Indikation einen Nischenbereich dar, dennoch ist Merck einer der wenigen Pharmakonzerne überhaupt, der für eine sogenannte Krebsimmuntherapie (eine Art »Hilfe zur Selbsthilfe« für das körpereigene Immunsystem im Kampf gegen die Krebszellen) bisher eine Zulassung erhalten hat. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die gefundene Lösung auch bei anderen Krebsarten funktioniert, die Darmstädter also über eine Art Schlüsseltechnologie verfügen.

Nun gilt es, das Verfahren in weiteren Projekten (getestet wird derzeit an zahlreichen anderen Tumorarten, darunter auch häufige Krebsarten wie beispielsweise Nierenkrebs) zum Erfolg zu führen. Dieser sogenannte monoklonale Antikörper markiert unseres Erachtens damit den Wendepunkt für die jahrelang schwache Pharmasparte, die eine Durststrecke von zwei Jahrzehnten ohne nennenswerte Erfolge in der Forschung aufwies.

Grafik 1: Wertentwicklung der Merck KGaA-Aktie
Grafik 1: Wertentwicklung der Merck KGaA-Aktie
Stand: 19. Februar 2019; Quelle: Reuters
Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung

Sehr gute Studiendaten für zwei Krebsmittel (Tepotinib, M7824)
Merck hat zwei Studien vorgestellt, die sehr ermutigend ausgefallen sind. Das Mittel Tepotinib gegen Lungenkrebs wies laut den Darmstädtern »vielversprechende erste Ergebnisse« in einer Phase-II-Studie auf. Die Krebsimmuntherapie M7824 (unter anderem zur Behandlung von Magenkrebs) zeigte zudem eine außerordentlich hohe Ansprechrate bei den Patienten. Auch wenn damit noch keine Zulassung garantiert ist und sich beide Produkte in einer sehr frühen Entwicklungsphase befinden, so ist die Wahrscheinlichkeit der Markteinführung aufgrund der überzeugenden Studiendaten signifikant gestiegen.

Darüber hinaus halten wir eine Zulassung der Multiple-Sklerose-Tablette Cladribin in den USA für recht wahrscheinlich. Die FDA dürfte noch im ersten Halbjahr des laufenden Jahres hierzu Feedback geben. Unter dem Namen Mavenclad ist es bereits erfolgreich in Europa gestartet, die Vermarktung wird in weiteren Ländern hochgefahren.

Weltmarktführer im Bereich Flüssigkristalle
In der Sparte Performance Materials (Flüssigkristalle) ist Merck mit Abstand Weltmarktführer. Allerdings kamen neue Kapazitäten asiatischer Wettbewerber an den Markt. Der damit verbundene Preisdruck konnte nicht durch gestiegene Absatzvolumina kompensiert werden. Des Weiteren muss Merck auch bei neuen technologischen Trends (zum Beispiel OLED) die Führungsrolle behalten, um seine Marktanteile dauerhaft zu verteidigen.

Wichtige Innovation im Bereich der Kunststoff-Flüssigkristall-Displays
Merck dürfte immerhin jüngst ein großer Schritt zur Beibehaltung seiner Position als Weltmarktführer bei Flüssigkristallmaterialien gelungen sein. Seine Forscher haben ein vollkommen glasfreies Kunststoff-Flüssigkristall-Display entwickelt. Es bietet zahlreiche Vorteile: Die Bildschirme können künftig deutlich dünner, leichter und preiswerter als herkömmliche glasbasierte Displays hergestellt werden. Gebogene Oberflächen sind dann kein Problem mehr, dabei sind die Bildschirme gleichzeitig robuster. Somit sollte diese Technologie zahlreiche neue Anwendungen finden. Mögliche Wettbewerber sind derzeit nicht in Sicht.

Dennoch verzeichnet die Sparte in der Summe seit einiger Zeit aufgrund des gestiegenen Wettbewerbs vor allem durch chinesische Anbieter eine Margenerosion, die das Sentiment für die Aktie belastet hat. Die Marge sollte sich aber bald wieder stabilisieren (unter anderem aufgrund von eingeleiteten Kostensenkungsmaßnahmen).

Merck hat sich jüngst neue Mittelfristziele für seinen schwächelnden Spezialchemiebereich gesetzt. Demnach soll die Sparte Performance Materials nach 2019 wieder ein Gewinnwachstum verzeichnen. Langfristig werde eine operative Umsatzrendite von rund 30 Prozent angestrebt. Die Sparte bleibt damit im Branchenvergleich überdurchschnittlich profitabel.

Größter Zukauf in der fast 350-jährigen Unternehmensgeschichte
Merck hat Ende 2015 den amerikanischen Laborzulieferer Sigma-Aldrich für 17 Milliarden US-Dollar (ca. 13,1 Milliarden Euro) vollständig übernommen. Das US-Unternehmen ist einer der führenden Hersteller von bio/chemischen und pharmazeutischen Forschungsmaterialien und passt strategisch sehr gut zur Sparte Merck Millipore.

Merck und Sigma haben ein komplementäres Produktangebot, der geografische Mix wurde dadurch ausgewogener (Sigma ist in Nordamerika stark, dafür Merck in Europa und Asien), Sigma verfügt über die führende E-Commerce-Plattform in der Branche, was Kosteneinsparungen im Vertrieb ermöglicht. Die Amerikaner weisen zudem eine ansehnliche operative Marge aus und sind im besonders stark wachsenden Biotechnologiebereich bestens positioniert.

Durch den Kauf stieg die Verschuldung zwar von nahezu null auf etwa 13 Milliarden Euro, dank des guten Cashflows und der günstigen Finanzierungsbedingungen kommt die Entschuldung jedoch schnell voran.

Der Übernahmepreis bewegte sich im Rahmen der branchenüblichen Bewertungen, die Akquisition wurde mit einer Mischung aus Barmitteln, Bankkrediten und Anleihen finanziert, eine Kapitalerhöhung war nicht nötig. Wir erachten die Übernahme auch aus finanziellen Gesichtspunkten als attraktiv.

Crispr-Methode
Durch den Kauf von Sigma-Aldrich hat sich für Merck zudem ein weiteres interessantes Geschäftsfeld erschlossen. Beispielsweise durch das hinzugewonnene Know-how im Bereich Crispr (Clustered Regularly Interspaced Short Palindromic Repeats – vereinfacht formuliert: Abschnitte sich wiederholender DNA): Dies ist eine biochemische Methode zur Erzeugung von gentechnisch veränderten Organismen.

Hierbei lassen sich Gene durch eine sogenannte Genschere exakt modifizieren, wodurch manche Krankheiten künftig effektiv bekämpft werden könnten, auch wenn die Veränderung der DNA (beispielsweise beim Menschen) durchaus Risiken birgt. Die Entwicklung steht zwar erst am Anfang, insgesamt werden der Methode jedoch enorme Zukunftschancen eingeräumt.

Perspektiven und Bewertung
Merck hat sich von einem eher mittelständisch organisierten Unternehmen in nur wenigen Jahren zu einem globalen Wissenschafts- und Technologiekonzern gewandelt. Der Konzern bedient vor allem zwei globale Megatrends: Gesundheit und Kommunikation. In vielen Bereichen hat der Konzern dabei eine führende Stellung inne und generiert hohe Margen, was sich unserer Meinung nach nicht angemessen in der Kursentwicklung der Merck-Aktie widerspiegelt. Das organische Wachstum kann sich definitiv sehen lassen.

Spannend dürfte auch die Zusammenarbeit mit Palantir, einem Spezialisten für Datenanalyse, werden. Die Partnerschaft sollte Merck langfristig dabei helfen, bei den Themen »personalisierte Medizin« und unter anderem bei der Krebsforschung Fortschritte zu erzielen. Die Kombination zwischen Medizin und »Big Data« verspricht große Chancen.

Die Verschuldung ist zwar durch die zahlreichen Übernahmen gestiegen, gleichzeitig hat das Management in der Vergangenheit gezeigt, dass es diese auch vergleichsweise schnell wieder abbauen kann. Zudem stehen dem Konzern zahlreiche Optionen zur Verfügung, Geschäftsfelder zu verkaufen. Zunächst ist der Spielraum für größere Akquisitionen jedoch nun kleiner. Das Management fokussiert sich daher auf die Schuldenreduzierung. Das nimmt zwar kurzfristig etwas Phantasie aus der Aktie, ist aber strategisch richtig.

Allerdings ist auch der sogenannte Goodwill (rund 15 Milliarden Euro) sehr hoch. Im Gegensatz zu vielen Wettbewerbern hat Merck in der Vergangenheit jedoch bewiesen, dass Zukäufe schnell integriert werden konnten und umgehend einen ordentlichen Ergebnisbeitrag liefern, wodurch Abschreibungen nicht nötig wurden.

Trotz dieser Risiken sehen wir ein sehr positives Chancen-Risiken-Verhältnis bei der Aktie angesichts der Perspektiven von Merck. Insbesondere im Bereich der Krebsimmuntherapie könnte das Unternehmen vor einem großen Durchbruch stehen, der eine Neubewertung der Aktie zur Folge haben müsste.

Anlageidee: Optionsscheine und Zertifikate auf Merck KGaA

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Capped Bonus-Zertifikate

WKN

Basiswert

Bonuslevel/Cap

Barriere

Bonusrendite p.a.

Abstand zur Barriere

Bewertungstag

Geld-/Briefkurs

CU0 BN6

Merck KGaA

96,00 EUR

64,00 EUR

2,83 %

33,80 %

20.03.2020

93,05/93,10 EUR

CJ7 R2L

Merck KGaA

105,00 EUR

72,00 EUR

6,06 %

25,61 %

20.03.2020

98,38/98,46 EUR

CU0 BN8

Merck KGaA

106,00 EUR

80,00 EUR

9,52 %

17,39 %

20.03.2020

95,89/95,96 EUR

Discount-Zertifikate

WKN

Basiswert

Cap

Discount

Max. Rendite p.a.

Bewertungstag

Geld-/Briefkurs

CJ7 YBH

Merck KGaA

109,00 EUR

4,15 %

15,89 %

20.03.2020

92,79/92,83 EUR

CJ6 AQL

Merck KGaA

106,00 EUR

4,93 %

13,81 %

20.03.2020

92,02/92,06 EUR

CJ4 6V4

Merck KGaA

103,00 EUR

5,85 %

11,93 %

20.03.2020

91,05/91,09 EUR

BEST Turbo-Optionsscheine

WKN

Basiswert

Typ

Basispreis/Knock-Out-Barriere

Hebel

Laufzeit

Geld-/Briefkurs

CJ9 GS1

Merck KGaA

Call

66,72 EUR

3,2

Unbegrenzt

3,03/3,04 EUR

CJ9 GS0

Merck KGaA

Call

80,23 EUR

5,7

Unbegrenzt

1,68/1,69 EUR

CJ9 GSZ

Merck KGaA

Call

84,22 EUR

7,5

Unbegrenzt

1,28/1,29 EUR

CJ9 GSW

Merck KGaA

Put

128,27 EUR

3,1

Unbegrenzt

3,16/3,17 EUR

CJ9 GSX

Merck KGaA

Put

110,30 EUR

7,1

Unbegrenzt

1,36/1,37 EUR

CJ9 GSY

Merck KGaA

Put

106,30 EUR

10,0

Unbegrenzt

0,96/0,97 EUR

Stand: 21. Februar 2019; Quelle: Commerzbank AG

Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.de zur Verfügung.