Wissen

Wissen

Was bedeutet eigentlich »Quanto«?

In der Zertifikatewelt werden mit dem Begriff »Quanto« währungsgesicherte Produkte bezeichnet. Was heißt das? Kauft ein Investor ein Anlagezertifikat, dessen Basiswert in Fremdwährung notiert (zum Beispiel ein Unlimited Index-Zertifikat auf den Dow Jones IA), ist er, neben dem Emittentenrisiko, zweierlei Risiken ausgesetzt. Erstens hängt die Zertifikateperformance von der Indexentwicklung ab. Zweitens kommt der Fremdwährungseinfluss (Euro/US-Dollar) hinzu. Quanto-Zertifikate schließen diese zweite Risikokomponente aus. Eine Einheit der Fremdwährung entspricht in  diesem Fall einem Euro. Der Anleger sollte den Kauf eines solchen Quanto-Produkts in Erwägung ziehen, wenn er von der Performance des in Fremdwährung notierenden Basiswerts überzeugt, allerdings unsicher bezüglich der Währungsentwicklung ist.

Wie eine solche Währungsabsicherung wirkt, zeigt das folgende Beispiel: Die Commerzbank bietet auf den amerikanischen Leitindex Dow Jones IA sowohl ein Unlimited Index-Zertifikat mit Währungsabsicherung (WKN: CB2 3ZC) als auch eines ohne an (Non-Quanto, WKN: 628 018). Beide Zertifikate haben ein Bezugsverhältnis von 0,01. Der Wert eines Unlimited Index-Zertifikats ermittelt sich wie folgt: Der Indexstand wird mit dem Bezugsverhältnis multipliziert und dann durch den Wechselkurs dividiert. Bei Quanto-Zertifikaten wird von einem fixen Wechselkurs von 1:1 ausgegangen. Das Quanto-Zertifikat notierte am Anfang des Jahres 2017 bei ca. 199 Euro, am Ende des Jahres 2017 notierte es bei ca. 248 Euro, was einer Performance von 24,8 Prozent entspricht, analog zum Index selbst, der in dieser Zeit ebenfalls knapp 25 Prozent stieg.

Das Non-Quanto-Zertifikat dagegen nimmt im gleichen Zeitraum mit einem Anstieg von ca. 190 Euro auf 211 Euro nur ca. 11 Prozent an Wert zu. Der Unterschied liegt in der Aufwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar im Jahr 2017 begründet. Der Euro stieg in diesem Jahr von ca. 1,05 US-Dollar auf 1,20 US-Dollar, also ca. 14 Prozent. Der Anleger erhielt Ende des Jahres 2017 demnach weniger Euro für einen investierten Dollar als am Anfang des gleichen Jahres. In diesem Fall hat das Zertifikat ohne Währungsabsicherung deutlich schlechter abgeschnitten als das Zertifikat mit Wähungsabsicherung. Das ist nicht immer der Fall. Hätte der Euro im betrachteteten Zeitraum gegenüber dem US-Dollar abgewertet, hätte das nicht währungsgesicherte Produkt besser abgeschnitten als das Quanto-Zertifikat.

Mit Quanto-Produkten ist der Anleger vor negativen Währungseinflüssen geschützt, allerdings verzichtet er auch auf die Chance positiver Wechselkursentwicklungen. Nicht nur bei einem Investment in ausländischen Indizes kann eine Währungsabsicherung erwogen werden, auch Rohstoffe und Edelmetalle notieren in US-Dollar. Kein Wunder, wird doch die Mehrzahl der Rohstoffe bzw. Edelmetalle an amerikanischen Börsen gehandelt. Aber auch bei den meisten in London notierten Werten bleibt die US-Währung das offizielle Maß.

Der Begriff Quanto stammt aus der Optionspreistheorie. Eine Quanto-Option ist eine Option, deren Basiswert in einer Währung notiert, während die Auszahlung der Option in anderer Währung erfolgt. Dabei ist der Wechselkurs, im Unterschied zu üblichen Optionen, im Voraus fixiert. Für die Preisberechnung der Quanto-Option müssen die Volatilität, die Zinssätze in beiden Ländern und die Korrelation zwischen dem Basiswert und dem Wechselkurs berücksichtigt werden. Die gleichen Faktoren beeinflussen somit auch den Preis eines Quanto-Zertifikats.

Aus Sicht eines Investors im Euroraum gilt in der Regel das Folgende: Je geringer der Zinssatz im Ausland (im Vergleich zum Eurozins), umso günstiger ist der sogenannte Quanto-Forward (der erwartete Kurs des Basiswerts) und somit die Währungsabsicherung. Gleichzeitig gilt auch: Je höher die Korrelation zwischen dem Basiswert und dem Währungskurs, umso teurer der Quanto-Forward bzw. die Absicherung. Eine Währungsabsicherung kann sowohl Kosten als auch Erträge produzieren. Deswegen partizipiert der Käufer eines Quanto-Produkts nicht immer eins zu eins von der Entwicklung des zugrunde liegenden Basiswerts. Die Absicherungskosten können die Performance mindern, die Erträge können sie erhöhen. Die extrem niedrigen Zinsen in Japan machten beispielsweise die Quanto-Anlage-Zertifikate auf japanische Indizes viele Jahre besonders attraktiv.

Wie schlagen sich die Quanto-Kosten bzw. -Erträge nieder? Bei Anlageprodukten mit beschränkter Laufzeit wie Bonus- oder Discount-Zertifikaten werden diese direkt im Preis berücksichtigt, das heißt, das Zertifikat besitzt ein Auf- bzw. Abgeld. Bei Unlimited Index-, Rohstoff- oder Edelmetall-Zertifikaten werden die Kosten (bzw. Erträge) über die Zeit, in der Regel monatlich, angerechnet. Dies geschieht entweder über die Änderung des Bezugsverhältnisses oder über die Anpassung des Basispreises (technisch analog zu einem Unlimited Turbo-Call-Optionsschein), der sich im Laufe der Zeit ändert.

Fazit
Eine Absicherung gegen die Währungsschwankung kann durchaus sinnvoll sein. Dennoch sollten die möglichen Kosten nicht außer Acht gelassen werden.