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Gold: Aus Gegenwind wird Rückenwind

Nach einem durchwachsenen Jahr 2018 dürfte der Goldpreis 2019 steigen. Wichtigster Grund hierfür ist ein schwächerer US-Dollar, da der Fed-Zinserhöhungszyklus endet. Weitere Impulse für die Nachfrage könnten durch ETF-Käufe kommen. Diese hängen aber stark von der Entwicklung der Aktienmärkte ab. Angesichts der trüberen Aussichten für die Weltwirtschaft und zahlreicher Risikofaktoren dürften diese auch 2019 volatil bleiben, was Gold als sicheren Hafen attraktiv macht. Solange das Ende der Fed-Zinserhöhungen offen ist, dürfte der Goldpreis zwischenzeitlich aber immer wieder Rückschläge erleiden.

Für den Goldpreis war 2018 ein durchwachsenes Jahr. Einem Anstieg auf das Jahreshoch Ende Januar folgte im zweiten Quartal der Absturz. Er dauerte bis Mitte August, ehe im Herbst eine Preiserholung folgte (siehe Grafik 1). Zu der Preisschwäche trug insbesondere der feste US-Dollar bei, der von der kontinuierlichen Straffung der Geldpolitik in den USA und dem sich deshalb ausweitenden Zinsvorteil profitierte. Eine wesentliche Rolle spielten auch die steigenden US-Aktienmärkte, die bis Ende September von Rekord zu Rekord eilten und Gold als alternative Anlage weniger attraktiv erscheinen ließen. In der Folge verzeichneten die Gold-ETFs kräftige Abflüsse. Die Währungsschwäche wichtiger Nachfrageländer wie Indien, China und der Türkei führte dazu, dass die Goldpreise in lokaler Währung im Sommer und Herbst hoch blieben oder im Falle der Türkei sogar ein Rekordniveau erreichten, was die Goldnachfrage in diesen Ländern bremste. Dadurch begünstigt kam es zu einer beispiellosen Verkaufswelle seitens der spekulativen Finanzanleger. Anfang Juli setzten diese erstmals seit dem Jahreswechsel 2015/2016 stärker auf fallende als auf steigende Preise (siehe Grafik 2). Die Netto-Short-Positionen erreichten Anfang Oktober ein Rekordniveau. Diesem Verkaufsdruck hatte Gold nicht viel entgegenzusetzen. Erst als es an den Aktienmärkten im Oktober zu einer scharfen Korrektur kam, setzten Eindeckungskäufe ein, die den Preis steigen ließen. Bis Mitte Dezember waren die Netto-Short-Positionen nahezu vollständig abgebaut.

Grafik 1: Aufwertung des US-Dollar drückte 2018 auf den Goldpreis
Stand: 12. Dezember 2018; Quelle: Bloomberg, Commerzbank Research
Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.
Grafik 2: Spekulanten setzten zwischenzeitlich mehrheitlich auf fallenden Goldpreis
Stand: 11. Dezember 2018; Quelle: CFTC, Bloomberg, Commerzbank Research

Die Goldpreisentwicklung 2019 dürfte wesentlich von der Geldpolitik der Fed bestimmt werden. Unsere Volkswirte erwarten, dass die Fed die Leitzinsen im Jahr 2019 noch zweimal anheben wird, letztmals im dritten Quartal 2019. Wegen des näher rückenden Endes des Zinserhöhungszyklus in den USA sollte der US-Dollar im Jahresverlauf 2019 spürbar unter Druck geraten und der Goldpreis im Umkehrschluss merklich steigen. Beim letzten Fed-Zinserhöhungszyklus zwischen 2004 und 2006 begann der Goldpreis bereits knapp acht Monate vor der letzten Zinserhöhung zu steigen (siehe Grafik 3). Etwa zu dieser Zeit markierte auch der US-Dollar sein zyklisches Hoch. Wiederholt sich das Muster, dürfte der Goldpreis bereits Anfang 2019 zu steigen beginnen. Da die Fed Fund Futures derzeit bis September 2019 weniger Zinsschritte implizieren, als wir erwarten, und der US-Dollar erst Mitte 2019 stärker unter Druck geraten dürfte, könnte sich die Preiserholung bei Gold allerdings noch etwas verzögern.

Grafik 3: Gold stieg 2006 bereits vor der letzten Zinserhöhung
Stand: 29. Dezember 2018; Quelle: Bloomberg, Commerzbank Research
Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Weitere Impulse für die Nachfrage könnten auch durch ETF-Käufe kommen. Dies hängt aber stark von der Entwicklung der Aktienmärkte ab. Bei steigenden Aktienmärkten und hohem Risikoappetit ist Gold als sicherer Hafen weniger gefragt als bei fallenden Aktienmärkten und hoher Risikoaversion. Steigende Aktienmärkte gehen daher häufig mit ETF-Abflüssen einher, fallende Aktienmärkte mit ETF-Zuflüssen. Angesichts der trüberen Aussichten für die Weltwirtschaft und zahlreicher potenzieller Risikofaktoren dürften die Aktienmärkte auch 2019 volatil bleiben. Dies sollte die ETF-Nachfrage unterstützen.

Auch das Jahr 2019 ist voll von Unsicherheiten, die Gold zugutekommen könnten. Nach dem Ablauf der auf dem G20-Gipfel verabredeten 90-tägigen Schonfrist droht im Frühjahr 2019 eine Verschärfung des Handelskonflikts mit noch höheren US-Strafzöllen auf noch mehr chinesische Produkte. Auch eine Ausweitung der US-Strafzölle auf Europa kann nicht ausgeschlossen werden. Zudem besteht weiterhin die Gefahr eines ungeordneten Brexit, sollte das britische Parlament Mitte Januar den ausgehandelten Austrittsvertrag ablehnen. Wegen des Verlusts der Mehrheit im US-Repräsentantenhaus könnte sich US-Präsident Trump stärker auf die Außenpolitik konzentrieren, wo er weniger auf die Zustimmung des Kongresses angewiesen ist. Trumps Kritik an der Fed dürfte sich vermutlich fortsetzen. All dies dürfte für Verunsicherung sorgen. Einige der genannten Faktoren gab es zwar schon 2018. Diese wurden aber von der US-Dollar-Stärke überlagert und spielten daher für den Goldpreis keine große Rolle. Bei einem schwächeren US-Dollar dürfte sich dies ändern.

Ein Risikofaktor für den Goldpreis wäre eine anhaltende Schwäche der Nachfrage in den beiden wichtigsten Nachfrageländern China und Indien. Zusammen stellen sie mehr als die Hälfte der privaten Konsumentennachfrage nach Goldschmuck, -münzen und -barren. Die Abwertung der Landeswährungen Yuan (China) und Rupie (Indien) führte 2018 dazu, dass die lokalen Goldpreise auf einem hohen Niveau verharrten, was die Goldnachfrage insbesondere in Indien spürbar bremste. Für nächstes Jahr stehen die Zeichen aber auf Besserung. Aufgrund des näher rückenden Endes der Fed-Zinserhöhungen und der deswegen nachlassenden Unterstützung für den US-Dollar sollte auch der Gegenwind für die Schwellenländerwährungen nachlassen. Für 2019 ist daher wieder mit einer stärkeren Goldnachfrage aus Asien zu rechnen.

Gold scheint auch bei den Zentralbanken wieder stärker Beachtung zu finden. Nach zwei schwächeren Jahren waren die Zentralbankkäufe 2018 wohl deutlich höher. Der World Gold Council (WGC) schätzt diese auf 400 bis 500 Tonnen (siehe Grafik 4). Wichtigste Käufer waren Russland, die Türkei und Kasachstan. Unter den Käufern waren aber auch Zentralbanken aus der EU (Polen, Ungarn) sowie Indien. Dies stellt die Käufe des offiziellen Sektors auf eine wesentlich breitere Basis. China hat dagegen seit mittlerweile über zwei Jahren keinen Goldkauf mehr gemeldet. Die chinesische Zentralbank PBoC war in den vergangenen Monaten primär mit der Stützung der heimischen Währung beschäftigt. Lässt der Abwertungsdruck nach, dürfte die PBoC die Goldkäufe früher oder später wieder aufnehmen. Denn der Anteil von Gold an den chinesischen Währungsreserven ist mit gut 2 Prozent weiterhin sehr niedrig. Die russische und die kasachische Zentralbank dürften weiter Gold akkumulieren, indem sie heimische Minenproduktion aufkaufen. Zwar liegt der Goldanteil an den russischen Währungsreserven mittlerweile bei 17 Prozent. Aufgrund der US-Sanktionspolitik dürfte der Goldanteil aber noch weiter hochgeschraubt werden. Gleiches gilt wahrscheinlich auch für die Zentralbanken anderer Schwellenländer, um die Abhängigkeit vom US-Dollar zu reduzieren. Dass etwa die Türkei trotz Währungskrise ihre Goldreserven 2018 weiter aufstockte, ist ein klares Signal dafür.

Grafik 4: Zentralbanken kaufen wieder mehr Gold
Stand: 1. November 2018; Quelle: WCG, Commerzbank Research
Prognosen sind kein Indikator für die künftige Entwicklung.

Wir rechnen mit einem Goldpreisanstieg auf 1.350 US-Dollar je Feinunze bis Ende 2019. Das Ende des Fed-Zinserhöhungszyklus und die damit ausgelöste Abwertung des US-Dollar dürften dem Goldpreis Auftrieb geben. Der Druck auf die Schwellenländerwährungen dürfte darüber hinaus nachlassen, was der globalen Goldnachfrage zugutekommen sollte. Die zahlreichen ungelösten politischen und geopolitischen Unsicherheitsfaktoren sprechen ebenfalls für einen höheren Goldpreis, da diese jederzeit zu einem Anstieg der Risikoaversion führen können. Davon würde die Nachfrage nach Gold-ETFs profitieren. Eine Einbahnstraße nach oben dürfte der Weg für Gold allerdings nicht sein. Solange das Ende der Fed-Zinserhöhungen noch offen ist, dürfte der Goldpreis zwischenzeitlich immer wieder Rückschläge erleiden. Einen nachhaltigen Preisanstieg erwarten wir daher erst ab Jahresmitte.

Anlageidee: Zertifikate und Optionsscheine auf Gold

Sie möchten von der künftigen Wertentwicklung von Gold profitieren? Mit Zertifikaten und Optionsscheinen der Commerzbank haben Sie die Möglichkeit, an steigenden oder fallenden Notierungen des glänzenden Edelmetalls zu partizipieren. Ein Überblick über das gesamte Spektrum an Optionsscheinen und Zertifikaten auf Gold steht Ihnen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.de zur Verfügung.

Aber Achtung:
Da die von der Commerzbank angebotenen Produkte in Euro notieren, die Preise von Gold allerdings in US-Dollar, besteht für den Investor ein Währungsrisiko, wenn der Euro/US-Dollar-Wechselkurs steigen sollte. Um das Wechselkursrisiko für den Anleger auszuschalten, bietet die Commerzbank in der Regel neben einer nicht währungsgesicherten Variante (Non-Quanto) auch eine währungsgesicherte bzw. währungsoptimierte (Quanto/FXopt) Variante an. Allerdings ist hier zu beachten, dass für die Währungssicherung Kosten anfallen können, die den Wert des Zertifikats mindern. Anleger haben also die Wahl, sollten aber bedenken, dass bei der nicht währungsgesicherten Variante neben dem Risiko natürlich auch die Chance entfällt, mit einem fallenden Euro/US-Dollar-Wechselkurs eine höhere Rendite zu erzielen.

Partizipations-Zertifikat mit unbegrenzter Laufzeit

WKN

Basiswert

Bezugsverhältnis

Quanto

Geld-/Briefkurs

160 902

Gold

10:1

Nein

109,52/109,55 EUR

Classic Turbo-Optionsscheine

WKN

Basiswert

Typ

Basispreis/Knock-Out-Barriere

Hebel

Bewertungstag

Quanto

Geld-/Briefkurs

CJ7 X8V

Gold

Call

1.100,00 USD

7,3

10.12.2019

Nein

14,93/14,94 EUR

CJ7 X8Y

Gold

Call

1.175,00 USD

14,2

10.12.2019

Nein

7,69/7,70 USD

CJ7 8TB

Gold

Put

1.430,00 USD

7,9

10.12.2019

Nein

13,94/13,95 EUR

CJ7 X9C

Gold

Put

1.360,00 USD

13,0

10.12.2019

Nein

8,40/8,41 USD

Faktor-Zertifikate mit unbegrenzter Laufzeit

WKN

Basiswert

Strategie

Faktor

FXopt

Geld-/Briefkurs

CD5 B2V

Gold Future

Long

3

Nein

6,28/6,30 EUR

CJ7 RLQ

Gold Future

Long

6

Nein

8,83/8,88 EUR

CD5 B32

Gold Future

Short

–3

Nein

8,81/8,83 EUR

CJ7 RLF

Gold Future

Short

–6

Nein

8,90/8,95 EUR

Stand: 17. Dezember 2018; Quelle: Commerzbank AG

Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.de zur Verfügung.