Titelthema

Quo vadis Ölpreis?

Öl droht zum Jahresende knapp zu werden

Der Ölpreis stieg Anfang Oktober auf ein 4-Jahres-Hoch. Denn die US-Sanktionen werden in den kommenden Monaten zu einem deutlichen Rückgang der iranischen Ölexporte führen. Dem Ölmarkt droht damit eine Angebotslücke im vierten Quartal. Im nächsten Jahr dürfte sich der Markt dank des weiterhin kräftig steigenden Nicht-OPEC-Angebots entspannen. Wir rechnen daher im Verlauf von 2019 mit einem Preisrückgang.

Anfang Juli hatten wir bereits vor einem turbulenten Herbst am Ölmarkt gewarnt. Dies scheint nun einzutreten. Anfang Oktober stieg der Brent-Ölpreis auf knapp 87 US-Dollar je Barrel, das höchste Niveau seit fast vier Jahren (siehe Grafik 1). Einige Marktteilnehmer sehen sogar das Risiko eines Preisanstiegs auf 100 US-Dollar bis Anfang 2019. Was sind die Treiber?

Grafik: 1 Brent-Ölpreis im Vorfeld der Iran-Sanktionen auf Mehrjahreshoch gestiegen
Grafik: 1 Brent-Ölpreis im Vorfeld der Iran-Sanktionen auf Mehrjahreshoch gestiegen
Stand : 17. Oktober 2018; Quelle: Bloomberg, Commerzbank Research
Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.
  • Dem Ölmarkt droht eine spürbare Angebotsverknappung im vierten Quartal. Denn dem Iran gehen wegen der am 4. November in Kraft tretenden US-Sanktionen die Abnehmer für sein Öl verloren. In der ersten Oktoberhälfte sollen die iranischen Rohölexporte laut Angaben von Reuters nur noch bei 1,3 Millionen Barrel pro Tag gelegen haben, verglichen mit 1,6 Millionen Barrel pro Tag im September und 2,5 Millionen Barrel pro Tag im April (siehe Grafik 2). Südkorea und Japan haben ihre Käufe bereits vollständig eingestellt. Indien hat eine deutliche Reduktion der Einfuhren angeboten. Die Regierungen in Europa zieren sich zwar noch, doch der aus Geschäftsgründen erzwungene Rückzug der Unternehmen aus dem Iran dürfte auch hier zu einem kräftigen Rückgang der Ölkäufe führen. China mit seinen Staatsunternehmen war als immun gegen die drohenden US-Sanktionen erachtet worden und galt daher als Fels in der Brandung. Dies stellt sich nun offensichtlich als Trugschluss heraus. Der größte staatliche Ölverarbeiter Chinas soll seine Ölkäufe aus dem Iran im September informierten Kreisen zufolge ebenfalls deutlich reduziert haben.
Grafik 2: Iran exportiert bereits deutlich weniger Öl

Iranische Ölexporte nach Abnehmern

Grafik 2: Iran exportiert bereits deutlich weniger Öl
Stand: September 2018; Quelle: Bloomberg, Commerzbank Research
  • Gleichzeitig besteht die Sorge, dass die Ölproduzenten nicht willens oder nicht in der Lage sind, diese Lücke zu schließen. Saudi-Arabien hatte im September überraschend signalisiert, zumindest kurzzeitig einen Ölpreis von mehr als 80 US-Dollar akzeptieren zu wollen. Saudi-Arabien und Russland wollten bei einem informellen Treffen der »OPEC+«-Gruppe in Algier Ende September zwar eine Ausweitung der Fördermengen um 500.000 Barrel pro Tag erreichen. Sie stießen damit aber bei einigen Ländern wie dem Iran auf Widerstand und sollen sich daraufhin bilateral auf eine Produktionsanhebung verständigt haben. Dies konnte den Markt zunächst ebenso wenig beruhigen wie der kurz darauf gemeldete Anstieg der Ölproduktion in beiden Ländern auf ein Rekordniveau.

Momentan liegt die OPEC-Ölproduktion zwar etwas über dem von der Internationalen Energieagentur (IEA) geschätzten Bedarf im vierten Quartal. Da das Ölangebot aus dem Iran wegen der US-Sanktionen aber deutlich zurückgeht, droht der Ölmarkt in ein Defizit zu rutschen. Die anderen OPEC-Länder dürften dies mit einer Erhöhung ihrer Ölproduktion ausgleichen. Im Gegenzug schrumpfen deren frei verfügbare Förderkapazitäten. Laut aktueller IEA-Schätzung lagen die freien Kapazitäten der OPEC im September ohne den Iran bei 2 Millionen Barrel pro Tag, davon etwa 1,3 Millionen Barrel pro Tag in Saudi-Arabien (siehe Grafik 3).

Grafik 3: Freie Förderkapazitäten der OPEC-Länder

Auf Basis der IEA-Schätzung für September, Saudi-Arabien laut eigener Aussage

Grafik 3: Freie Förderkapazitäten der OPEC-Länder
Stand: Oktober 2018; Quelle: IEA, Commerzbank Research

Die OPEC hätte somit praktisch kaum Spielraum mehr, die Produktion weiter anzuheben, falls neben dem zu erwartenden deutlichen Rückgang der iranischen Ölexporte um bis zu 2,0 Millionen Barrel pro Tag noch weitere Ausfälle zu kompensieren wären. So fällt die Ölproduktion in Venezuela wegen der dortigen Wirtschaftskrise seit einem Jahr kontinuierlich. Dieser Trend könnte auch wegen neuer US-Sanktionen gegen das Maduro-Regime anhalten. Fragezeichen stehen auch hinter der Fähigkeit Libyens, das derzeitige Produktionsniveau von gut 1,0 Million Barrel pro Tag (laut dem Chef der staatlichen libyschen Ölgesellschaft lag die Produktion zuletzt sogar bei 1,25 Millionen Barrel pro Tag) dauerhaft halten zu können. Denn in Libyen kam es aufgrund von Protesten, Blockaden und bewaffneten Angriffen auf die Ölfördereinrichtungen, Pipelines und Exporthäfen zwischenzeitlich immer wieder zu Einschränkungen bei der Ölproduktion. Mit derartigen Vorfällen muss immer wieder gerechnet werden.

Die USA setzen weiterhin darauf, dass die großen Ölproduzenten ihr Angebot ausreichend ausweiten können und auch werden. Einem Rückgriff auf die strategischen Ölreserven erteilte US-Energieminister Rick Perry eine Absage. Sollten die Preise aber zu stark steigen und die OPEC darauf nicht angemessen reagieren, bleibt die Freigabe der strategischen Reserven eine mögliche Option. Letztmals geschah dies in konzertierter Form im Sommer 2011, als der Bürgerkrieg zu einem deutlichen Rückgang der Ölproduktion in Libyen führte und die OPEC sich zunächst nicht auf eine Produktionsausweitung verständigen konnte. Der Ölpreis gab damals nach der Ankündigung innerhalb weniger Tage um gut 10 US-Dollar nach. Eine Angebotslücke droht diesmal vor allem in den verbleibenden Monaten bis zum Jahresende, weil dann die Nachfrage saisonbedingt besonders stark ist. Diese Lücke könnte man mit einer Freigabe von schätzungsweise 90 Millionen Barrel überbrücken. Verglichen mit dem absoluten Niveau der für Notfallzwecke gehaltenen Bestände in den OECD-Ländern von zuletzt 1,57 Milliarden Barrel ist dies eine überschaubare Menge. Die US-Regierung könnte eine Freigabe beispielsweise im Vorfeld der Kongresswahlen beschließen. Diese finden nur zwei Tage nach dem Inkrafttreten der Iran-Sanktionen statt. Eine andere Möglichkeit wäre, den Käufern von iranischem Öl mehr Zeit zu geben, um ihre Ölimporte durch andere Anbieter zu ersetzen. Diese Option wird von der US-Regierung offensichtlich auch in Erwägung gezogen.

Die Angebotsknappheit dürfte aller Voraussicht nach nur von kurzer Dauer sein. Denn im nächsten Jahr sinkt der Bedarf an OPEC-Öl deutlich. Grund hierfür ist das kräftig steigende Nicht-OPEC-Angebot, das deutlich stärker wachsen soll als die globale Ölnachfrage. Wichtigster Treiber hierbei ist die sprudelnde Ölproduktion in den USA. Allein im größten Schieferölvorkommen Permian Basin soll die Produktion laut Prognose der US-Energiebehörde 2019 um 600.000 Barrel pro Tag steigen. Aber auch Brasilien, Russland und Kanada dürften mit einer steigenden Produktion einen Beitrag leisten (siehe Grafik 4). Laut Schätzung der IEA sinkt daraufhin der Bedarf an OPEC-Öl im nächsten Jahr auf durchschnittlich 31,6 Millionen Barrel pro Tag. Im ersten Quartal 2019 soll der Bedarf wegen einer saisonal schwächeren Nachfrage sogar nur knapp 31,0 Millionen Barrel pro Tag betragen. Auf dieses Niveau könnte die OPEC-Produktion Anfang 2019 also fallen, ohne dass der globale Ölmarkt ins Defizit rutscht und ausgleichende Maßnahmen notwendig wären. Derzeit produziert die OPEC der IEA zufolge ca. 32,8 Millionen Barrel pro Tag, wobei die Ölproduktion des Iran vom Niveau im April/Mai schon um ca. 350.000 Barrel pro Tag gefallen ist. Ohne die noch nicht genau zu beziffernden Ausfälle des Iran müsste die OPEC ihre Ölproduktion also reduzieren, um ein Überangebot und einen Anstieg der Lagerbestände zu verhindern.

Grafik 4: Nicht-OPEC-Angebot dürfte vor allem dank sprudelnder US-Ölproduktion 2019 ­€kräftig steigen

(erwarteter Anstieg gegenüber 2018)

Grafik 4: Nicht-OPEC-Angebot dürfte vor allem dank sprudelnder US-Ölproduktion 2019 ­€kräftig steigen
Stand: Oktober 2018; Quelle: EIA, Commerzbank Research

Der höhere Ölpreis am Jahresende 2018 könnte auch dazu führen, dass das Nicht-OPEC-Angebot im nächsten Jahr noch stärker steigt als erwartet, während das Wachstum der globalen Ölnachfrage gedämpft wird. Momentane Pipelineengpässe in den USA und in Kanada könnten ein Hindernis für die Expansion des Nicht-OPEC-Angebots darstellen. Diese führen zu kräftigen Preisabschlägen für die lokalen Ölsorten, sodass die Produzenten vor Ort kaum bzw. gar nicht von den gestiegenen Weltmarktpreisen profitieren (siehe Grafik 5). In den USA dürfte es in Kürze durch die Inbetriebnahme von zusätzlichen Pipelinekapazitäten zu einer Verbesserung der Situation kommen. In Kanada kann zwar nach dem Wiederhochfahren einer mehrere Monate geschlossenen Verarbeitungsanlage wieder mehr Rohöl produziert werden. Der Ende August durch das Bundesberufungsgericht verfügte Stopp eines Pipelineprojekts machte allerdings Hoffnungen zunichte, dass sich an der Pipelinesituation in absehbarer Zeit etwas ändert.

Grafik 5: Lokale Ölpreise in den USA und in Kanada deutlich niedriger als das Weltmarktniveau
Grafik 5: Lokale Ölpreise in den USA und in Kanada deutlich niedriger als das Weltmarktniveau
Stand: 17. Oktober 2018; Quelle: Bloomberg, Commerzbank Research

Hinter der erwarteten Nachfragedynamik steht auch wegen des Handelskonflikts zwischen den beiden weltgrößten Ölverbrauchsländern USA und China sowie der steigenden US-Zinsen und der damit einhergehenden Abwertung der Schwellenländerwährungen ohnehin ein Fragezeichen. Denn der Großteil des erwarteten Nachfragewachstums soll auch im Jahr 2019 wieder von den Schwellenländern erfolgen. Der Brent-Ölpreis ist Mitte Oktober wieder auf rund 80 US-Dollar je Barrel zurückgefallen, dürfte aber aufgrund der sich abzeichnenden Angebotsverknappung bis zum Jahresende oberhalb dieser Marke verharren. Wegen der beträchtlichen Unsicherheit über die Höhe der Angebotsausfälle sind dabei kurzfristig auch stärkere Preisausschläge möglich. Da sich der Ölmarkt im nächsten Jahr wieder merklich entspannen wird, dürfte der Brent-Ölpreis sein hohes Niveau jedoch nicht halten und im nächsten Jahr merklich nachgeben. Bis Mitte 2019 dürfte Brent auf 75 US-Dollar je Barrel zurückfallen und Ende 2019 bei 70 US-Dollar notieren.

Anlageidee: Optionsscheine und Zertifikate auf Brent

Nutzen Sie die Einschätzungen unserer Experten und partizipieren Sie an der Entwicklung von Brent. Ein Überblick über das gesamte Produktspektrum an Optionsscheinen und Zertifikaten steht Ihnen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.de zur Verfügung.

Aber Achtung: Da die von der Commerzbank angebotenen Produkte in Euro notieren, der Handelspreis von Brent allerdings in US-Dollar, besteht für den Investor ein Währungsrisiko. Ein steigender Euro/US-Dollar-Wechselkurs wirkt sich negativ auf den Wert des Zertifikats aus. Um das Wechselkursrisiko für den Anleger auszuschalten, bietet die Commerzbank in der Regel neben einer nicht währungsgesicherten Variante (Non-Quanto) auch eine währungsgesicherte bzw. währungsoptimierte (Quanto/FXopt) Variante an. Allerdings ist hier zu beachten, dass für die Währungssicherung Kosten anfallen können, die den Wert des Zertifikats mindern. Anleger haben also die Wahl, sollten aber bedenken, dass bei der nicht währungsgesicherten Variante neben dem Risiko natürlich auch die Chance entfällt, mit einem fallenden Euro/US-Dollar-Wechselkurs eine höhere Rendite zu erzielen.

Unlimited Index-Zertifikate

WKN

Basiswert

Laufzeit

Quanto

Geld-/Briefkurs

CE7 0J1

Oil Brent Future

Unbegrenzt

Ja

77,95/77,97 EUR

CE7 0J2

Oil Brent Future

Unbegrenzt

Nein

67,78/67,79 EUR

Discount-Zertifikate

WKN

Basiswert

Cap

Discount

Max. Rendite p.a.

Bewertungstag

Quanto

Geld-/Briefkurs

CA4 QYQ

Oil Brent Future

70,00 USD

13,26 %

6,43 %

26.07.2019

Ja

66,60/66,62 EUR

CA4 QYU

Oil Brent Future

78,00 USD

7,04 %

11,65 %

26.07.2019

Ja

71,40/71,42 EUR

CA4 QTK

Oil Brent Future

70,00 USD

15,49 %

9,93 %

26.07.2019

Nein

56,46/56,48 EUR

CA4 QTP

Oil Brent Future

78,00 USD

9,44 %

15,38 %

26.07.2019

Nein

60,52/60,54 EUR

Faktor-Zertifikate

WKN

Basiswert

Strategie

Faktor

Laufzeit

FXopt

Geld-/Briefkurs

CD4 GWB

Oil Brent Future

Long

4

Unbegrenzt

Nein

20,01/20,11 EUR

CE9 J22

Oil Brent Future

Long

8

Unbegrenzt

Nein

33,11/33,56 EUR

CD4 GWJ

Oil Brent Future

Short

–4

Unbegrenzt

Nein

0,18/0,19 EUR

CV5 5QJ

Oil Brent Future

Short

–8

Unbegrenzt

Nein

0,17/0,18 EUR

BEST Turbo-Optionsscheine

WKN

Basiswert

Typ

Basispreis/Knock-Out-Barriere

Hebel

Quanto

Laufzeit

Geld-/Briefkurs

CA1 L29

Oil Brent Future

Call

69,954 USD

8,6

Ja

Unbegrenzt

9,14/9,16 EUR

CA5 2SR

Oil Brent Future

Call

74,427 USD

16,7

Ja

Unbegrenzt

4,70/4,72 EUR

CA1 L3Q

Oil Brent Future

Call

69,922 USD

8,5

Nein

Unbegrenzt

8,07/8,08 EUR

CA5 2S4

Oil Brent Future

Call

74,410 USD

16,5

Nein

Unbegrenzt

4,15/4,16 EUR

CV7 CWV

Oil Brent Future

Put

87,592 USD

8,7

Ja

Unbegrenzt

9,11/9,13 EUR

CJ2 1BC

Oil Brent Future

Put

83,116 USD

16,8

Ja

Unbegrenzt

4,63/4,65 EUR

CA0 1UK

Oil Brent Future

Put

87,968 USD

8,3

Nein

Unbegrenzt

8,22/8,23 EUR

CJ2 1AR

Oil Brent Future

Put

82,970 USD

17,6

Nein

Unbegrenzt

3,91/3,92 EUR

Stand: 18. Oktober 2018; Quelle: Commerzbank AG

Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.de zur Verfügung.