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Leitwährung Euro? Vorschläge verfehlen den Kern des Problems

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker plädiert dafür, dass der Euro die Rolle einer Weltleitwährung einnimmt. Jedoch ist nicht politischer Wille entscheidend dafür, welche Währung(en) Leitwährungsstatus besitzen. Letztendlich ist das eine Entscheidung des Marktes. Und selbst wenn der Euro die neue Weltleitwährung werden würde, bestünde weiterhin das Problem, das Juncker damit lösen will. Auch dann würden die USA Europas Wirtschaft weiterhin ihre Sanktionspolitik aufzwingen können.

Die Wahl der Welt-Leitwährung erfolgt durch den Markt – nicht durch die Politik...
Schon 2009 appellierten die Machthaber Russlands und Chinas für ein Ende des Leitwährungsstatus des US-Dollar. Doch das nützte wenig. Weiterhin werden in keiner anderen Währung so viele grenzüberschreitende Transaktionen getätigt wie im Dollar. Und weiterhin halten Zentralbanken den größten Teil ihrer Währungsreserven in der US-Valuta. Geopolitische Ansätze zur Erklärung des US-Dollar-Leitwährungsstatus und entsprechende Änderungsversuche von Politikern in Europa, Russland oder China müssen scheitern. Warum? Spätestens seit dem Ende des Bretton-Woods-Systems ist die Wahl der Transaktionswährung eine Entscheidung, die unter Handelspartnern frei getroffen wird – zumindest in überwiegend marktwirtschaftlich organisierten Volkswirtschaften. Und selbst die Allokation von Devisenreserven durch potenziell politisch beeinflussbare Zentralbanken muss sich weitgehend daran ausrichten, in welcher Währung der Außenhandel einer Volkswirtschaft stattfindet. Schließlich ist der Endzweck von Devisenreserven, im Notfall den Außenhandel der jeweiligen Volkswirtschaft unterstützen zu können. Der Reservestatus einer Währung ist damit grosso modo Folge ihres Status als Welthandelswährung.

Die Dominanz des US-Dollar ist Folge dreier Faktoren:

  1. Im Bretton-Woods-System war der US-Dollar per definitionem Weltleitwährung.

  2. Langfristig ist es effizient, sich auf eine Weltleitwährung zu einigen – ähnlich, wie es effizient ist, sich innerhalb einer Volkswirtschaft auf ein einziges Zahlungsmittel zu verständigen.

  3. Frühe Abweichler vom Dollar-zentristischen System haben daher Effizienzverluste hinzunehmen. Der US-Dollar bleibt daher so lange Weltleitwährung, wie er nicht erhebliche Nachteile gegenüber einer Leitwährungsalternative oder einem multilateralen System hat.

Politische Apelle wie der Junckers sind somit wirkungslos.

...doch der Markt denkt um
Nun haben sich in der Tat die Nachteile (oder, wenn man so will: die Opportunitätskosten) des US-Dollar im internationalen Zahlungsverkehr deutlich ausgeweitet. Denn die USA erzwingen im US-Dollar-Zahlungsverkehr ihre Sanktionspolitik. Die Schlagkraft dieser exterritorial wirkenden Politik beruht auf dem Leitwährungsstatus des Greenbacks. Doch die USA könnten es übertrieben haben. Im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr (ohne Intra-Euroraum-Transaktionen) hat der US-Dollar mit 42,9 Prozent (Stand: August 2018, Daten von SWIFT) zwar noch den größten Anteil, mit 37 Prozent ist ihm der Euro allerdings dicht auf den Fersen. Alle anderen Währungen rangieren unter »ferner liefen«. Die drittstärkste Währung in diesem Ranking ist der japanische Yen mit einem mageren Anteil von 4 Prozent.

Je mehr die US-Sanktionspolitik in Widerspruch zu den Interessen anderer großer Handelsnationen bzw. den Interessen von im Außenhandel tätigen Nicht-US-Unternehmen gerät, desto mehr wächst die Chance, dass der US-Dollar seinen Leitwährungsstatus verliert – aufgrund von Marktkräften und nicht wegen politischer Apelle. Dieser Prozess dauert freilich typischerweise lange. Die Ablösung des britischen Pfunds durch den US-Dollar benötigte den größten Teil der Zeit zwischen den Weltkriegen. Beschleunigt wird solch ein Prozess, wenn eine Währung zur Verfügung steht, die geeignet ist, den US-Dollar abzulösen. Momentan käme dafür nur der Euro infrage (siehe oben).

Will Juncker diesen Prozess beschleunigen, so sollte er alles tun, den Eindruck langfristiger Stabilität des Euro zu verbessern. Solange nach Wahlen in Italien je nach Wahlausgang die Angst aufflackert, Italien könne aus dem Euroraum austreten oder die EZB müsse bald zu Kriseninstrumenten greifen, so lange wird der Markt zögern, sich vom US-Dollar als Weltleitwährung zu verabschieden. Auch wenn die Opportunitätskosten des Status quo bereits hoch sind. An diesen Punkten zu arbeiten, würde Juncker seinem Ziel deutlich näher bringen, als das öffentliche Apelle können.

Grafik 1: Euro holt zum US-Dollar im internationalen Zahlungsverkehr auf

Anteil im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr (ohne Intra-Euroraum-Transaktionen)

Grafik 1: Euro holt zum US-Dollar im internationalen Zahlungsverkehr auf
Stand: August 2018; Quelle: SWIFT

US-Sekundär-Sanktionen sind die stärkere Waffe
Jedoch darf Europas Politik nicht glauben, mit dem Euro als Weltleitwährung den extraterritorialen Wirkungen der US-Sanktionspolitik zu entkommen. Selbst wenn im internationalen Zahlungsverkehr der Euro die dominierende Rolle des US-Dollar übernehmen würde, würde Europas Wirtschaft weiterhin nolens volens die US-Sanktionen umsetzen. Denn längst haben die USA eine stärkere Sanktionswaffe in ihrem Arsenal als die Kontrolle des weltweiten US-Dollar-Zahlungsverkehrs: »Sekundär-Sanktionen«. Die USA drohen seit einiger Zeit, Unternehmen und Individuen in Drittländern, die sich nicht an US-Sanktionen halten, ebenfalls mit Sanktionen zu belegen. Konkret: Ein europäisches Unternehmen, das sich hier in Europa nicht an die US-Sanktionen gegen den Iran hält, läuft Gefahr, ebenfalls auf der US-Sanktionsliste zu landen. Und damit auch alle anderen Unternehmen, die mit ihm weiterhin Geschäfte machen. Es hilft nichts, wenn ein Unternehmen keine Geschäfte in den USA tätigt. Würde es weiterhin Iran-Geschäft betreiben, müsste es befürchten, seine Geschäftsverbindungen zu Zulieferern, Banken und anderen Kunden zu verlieren, die aus Angst, selbst von US-Sanktionen betroffen zu werden, dieses Unternehmen meiden müssten. Und daher befolgen Unternehmen in Europa in aller Regel die US-Sanktionen – unabhängig von der sanktionsrechtlichen Lage hier.

Die bisherigen Versuche von Europas Politikern, das Problem anzugehen, sind zum Scheitern verurteilt. Es nützt nichts, den Iran-Zahlungsverkehr über öffentliche Banken abzuwickeln. Und Entschädigungszahlungen kann die Politik nicht ernsthaft versprechen. Diese finanziellen Mittel hat kein europäischer Finanzminister zur Verfügung. Klar, heimlich, still und leise mag das eine oder andere Unternehmen US-Sanktionen umgehen – in der Hoffnung, die US-Behörden erfahren nichts davon. In ökonomisch relevantem Umfang ist es freilich nicht möglich, dass sich Europa der US-Sanktionspolitik entzieht.

Das frustriert Präsident Juncker. Verständlicherweise. Lange hat Europas Politik dieses Problem ignoriert oder sogar verschärft. Erst seit unter der Trump-Regierung die US-Sanktionspolitik in immer deutlicheren Gegensatz zu Europas Interessen und Vorstellungen gerät, wird es zum Politikum. Ich könnte Herrn Juncker keine Lösungsvorschläge anbieten. Doch eines ist klar: Er sucht sich mit der Debatte um die Weltleitwährung das falsche Feld aus, das Problem anzugehen.

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Faktor-Zertifikate

WKN

Basiswert

Strategie

Faktor

Laufzeit

Geld-/Briefkurs

CD9 105

EUR/USD

Long

1

Unbegrenzt

9,74/9,76 EUR

CD9 10B

EUR/USD

Long

5

Unbegrenzt

7,90/7,98 EUR

CD9 10D

EUR/USD

Long

10

Unbegrenzt

4,62/4,71 EUR

CD9 1QE

EUR/USD

Short

–1

Unbegrenzt

10,00/10,02 EUR

CD9 10C

EUR/USD

Short

–5

Unbegrenzt

8,43/8,52 EUR

CD9 10E

EUR/USD

Short

–10

Unbegrenzt

5,23/5,34 EUR

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WKN

Basiswert

Typ

Basispreis/Knock-Out-Barriere

Hebel

Laufzeit

Geld-/Briefkurs

CV6 A6U

EUR/USD

Call

0,9880 USD

7,1

Unbegrenzt

14,15/14,16 EUR

CJ2 J8R

EUR/USD

Call

1,0942 USD

20,3

Unbegrenzt

4,91/4,92 EUR

CV6 A79

EUR/USD

Put

1,3256 USD

6,5

Unbegrenzt

15,25/15,26 EUR

CA9 JAX

EUR/USD

Put

1,2214 USD

16,1

Unbegrenzt

6,19/6,20 EUR

Stand: 18. Oktober 2018; Quelle: Commerzbank AG

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