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SGL Carbon – Elektromobilität verspricht deutliches Wachstum

Mit dem Verkauf des defizitären Graphitelektrodengeschäfts entsteht ein Unternehmen mit viel Phantasie in den Wachstumsmärkten Carbon-Leichtbau und Lithium-Ionen-Batterien. Es wurde nicht nur die wesentliche Verlustquelle geschlossen, was die Nachhaltigkeit des Turnarounds unterstützt, sondern es wurde auch die Bilanz gestärkt. Das Wachstumspotenzial ist im Kurs zu gering berücksichtigt, auch wenn es viele Risiken gibt. Den jüngsten Kursrückgang sehen wir als Kaufgelegenheit.

Durch Verkauf von Performance Products Wandlung in ein Wachstumsunternehmen
SGL Carbon hat den Bereich PP (Graphitelektroden) an Showa Denko (Japan) und das Geschäft mit Kathoden, Hochofenauskleidungen und Kohlenstoffelektroden an den Finanzinvestor Triton verkauft. Vor allem der Verkauf an Triton sorgte für einen hohen Buchgewinn von 125 Millionen Euro, der 2017 auch der wesentliche Grund für das deutlich positive Konzernergebnis war. Ohne den Ballast des ehemaligen Kerngeschäfts wird SGL weniger abhängig von konjunkturzyklischen Einflüssen und kann sich mit gestärkter Bilanz auf den Wachstumsmarkt Elektromobilität konzentrieren.

Mit dem Verkauf von PP Konzentration auf Wachstumsfelder
Nach dem Verkauf des ehemaligen Kerngeschäfts verbleiben im Konzern die Bereiche Graphit-Spezialprodukte (GMS, Umsatz 2017 510 Millionen Euro) und Carbonfasern (CFM, Umsatz 332 Millionen Euro). Der Bereich GMS wächst in Teilbereichen kräftig. Vor allem die Nachfrage nach Anodenmaterial für Lithium-Ionen-Batterien sorgt für starkes Wachstum (2017 +35 Prozent, Umsatzanteil an GMS 19 Prozent).

Hier baut man angesichts der weiter sehr stark wachsenden Nachfrage (>20 Prozent p.a. erwartet) die Kapazitäten aus. SGL besitzt bei synthetischem Graphit-Anodenmaterial einen Marktanteil von 35 Prozent. Die Wachstumschancen sind angesichts der zahlreichen konkreten Projekte zum Bau von Lithium-Ionen-Batterien relativ gut untermauert. Für den Bereich CFM bestehen die größten Wachstumshoffnungen, da vor allem die Automobilindustrie verstärkt Leichtbaumaterialien einsetzt. SGL ist hier mit seiner standardisierten Produktion technologisch führend. Nach der Investitionsphase gewinnt das Geschäft zunehmend an Ertragskraft.

Grafik 1: Wertentwicklung SGL Carbon
Grafik 1: Wertentwicklung SGL Carbon
Stand: 17. Oktober 2018; Quelle: Reuters
Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Übernahme der Anteile am Joint Venture mit BMW
Durch die Komplettübernahme der Joint Ventures mit Benteler und vor allem BMW stärkt man diesen Bereich. Die Übernahme des Joint Ventures mit BMW mit dem Verarbeitungswerk in Wackersdorf und dem Carbonfaserwerk Moses Lake in den USA erfolgt schrittweise bis 2020. Für Wackersdorf zahlt SGL 24 Millionen Euro (Anfang 2018) und für Moses Lake 62 Millionen US-Dollar (2020). Die langfristigen Lieferverträge mit BMW (Teile für i3, i8 und 7er) sowie die Kapitalbeteiligung in Höhe von 13,8 Prozent bleiben unberührt. Die finanziellen Belastungen für SGL sind demnach überschaubar und werden die gerade erst verbesserten Bilanzrelationen nur im vertretbaren Rahmen belasten.

Der Umsatz dürfte durch die Übernahme der Joint Ventures mit BMW und Benteler 2018 um ca. 70 Millionen Euro höher ausfallen, der Ertrag auf EBITDA-Basis um etwas über 10 Prozent zulegen und die Nettoverschuldung um ca. 150 Millionen Euro steigen, da zwar noch nicht der Kaufpreis von Moses Lake anfällt, aber die Schulden der Joint Ventures voll konsolidiert werden müssen. Nun kommt es darauf an, das Wachstum für Automobilteile aus Carbon auf eine breitere Basis zu stellen, was durch den Ausstieg von BMW und die damit erlangte Unabhängigkeit leichter zu erreichen sein sollte. Gelingt dies, dann dürfte sich die Übernahme auszahlen und der Markt die Wachstumschancen höher bewerten.

Turnaround gewinnt an Dynamik
SGL konnte im zweiten Quartal an die gute Entwicklung des ersten Quartals anknüpfen und steigerte den operativen Gewinn (EBIT) vor Sondereinflüssen von 22,5 Millionen Euro auf 44,2 Millionen Euro. Netto wurden 0,42 Euro je Aktie nach einem Verlust von 0,14 Euro je Aktie im Vorjahr verdient. Zwar halfen positive Einmaleffekte wie die Umstellung auf die IFRS-Bilanzierung und die Übernahme der Joint Ventures mit BMW und Benteler, aber auch ohne diese verläuft der Turnaround dynamischer als erwartet. Beide Geschäftsbereiche trugen zum guten Ergebnis bei. CFM (Carbonfasern, Autoteile) steigerte den operativen Gewinn um 40 Prozent auf 17,3 Millionen Euro und GMS (Graphit-Spezialprodukte) um 67 Prozent auf 40,0 Millionen Euro (IFRS-Effekt 10,4 Millionen Euro).

Für das Gesamtjahr erwartet SGL nun einen Umsatzanstieg um etwas mehr als 10 Prozent nach bisher 10 Prozent und weiterhin einen leicht überproportionalen Anstieg des operativen Ergebnisses. Netto soll der Gewinn nun im niedrigen bis mittleren zweistelligen Millionenbereich liegen.

Verbesserung der Bilanz durch Kapitalerhöhung und PP-Verkauf
Durch den Erlös aus der Kapitalerhöhung in Höhe von 180 Millionen Euro Ende 2016 und dem Buchgewinn aus dem Verkauf des Bereichs PP erhöhte sich die Eigenkapitalquote von 6,0 Prozent am 30. September 2016 auf 29,6 Prozent zum 31. Dezember 2017 und lag am 30. Juni 2018 bei gesunden 34,9 Prozent. Die Nettoverschuldung hat sich zum 30. Juni 2018 durch die Übernahme des BMW-Joint-Ventures von 139 Millionen Euro am 31. Dezember 2017 auf 211 Millionen Euro erhöht. Die insgesamt dennoch geringere Verschuldung stärkt das Ergebnis, da weniger Zinsen zu zahlen sind. Zu geringeren Zinszahlungen und der finanziellen Absicherung des Wachstums trägt auch die Begebung einer neuen Wandelanleihe im Volumen von 160 Millionen Euro bei (Umtauschvolumen 10 Prozent des Grundkapitals).

Zukunftshoffnung Kohlenstofffaser...
SGL hat sich auch bereits vor dem Verkauf von PP von einem Ausrüster der Metallindustrie zu einem wichtigen Zulieferer für die Branchen Windkraft und Automobile gewandelt, die auf leichte Materialien angewiesen sind. Bauteile aus Kohlenstofffasern werden in der Auto-, Flugzeug- und Windkraftanlagenindustrie etc. immer häufiger eingesetzt. Der Markt wächst um ca. 10 Prozent p.a. BMW-Großaktionärin Susanne Klatten ist mit 28,5 Prozent auch SGL-Hauptaktionärin und BMW selbst ist mit 13,8 Prozent beteiligt.

...hat den nachhaltigen Durchbruch noch nicht geschafft
Die Karosserien des i3 und des i8 werden zum großen Teil aus Carbon hergestellt und auch in der BMW-7er-Reihe wird die Karosserie zum Teil aus Carbon gefertigt. Aber die Zukunftsaussichten der Kohlenstofffaser sind mit einer gewissen Vorsicht zu sehen. Beispielsweise sind die sogenannten hochfesten Stahlsorten in den Eigenschaften durchaus wettbewerbsfähig zur Kohlenstofffaser bei jedoch deutlich niedrigerem Preis. Längerfristig dürfte die Konkurrenz durch Aluminium-Scandium-Legierungen größer werden, falls Scandium in größeren Mengen verfügbar wird. Insgesamt bestehen hier aber wie auch im kleineren Bereich Anodenmaterial für Lithium-Ionen-Batterien überdurchschnittliche Wachstumschancen.

Freilich ist auch bei Batterien viel in Bewegung und es ist derzeit kaum vorherzusehen, welche Technik sich durchsetzen wird und ob SGL dafür die richtigen Produkte liefern kann. Zunächst hat SGL aber einen Fuß in der Tür und wächst kräftig. Dieser Trend dürfte noch einige Jahre anhalten und sorgt entsprechend für Phantasie. Das Langfristziel von SGL für 2022 von 1,3 Milliarden Euro Umsatz und 130 Millionen Euro operativem Gewinn ist realistisch und eröffnet erhebliches Kurssteigerungspotenzial.

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Discount-Zertifikate

WKN

Basiswert

Cap

Discount

Max. Rendite p.a.

Bewertungstag

Geld-/Briefkurs

CA2 5C6

SGL Carbon

7,00 EUR

24,65 %

5,58 %

20.12.2019

6,55/6,56 EUR

CA2 5C7

SGL Carbon

8,00 EUR

17,08 %

9,11 %

20.12.2019

7,20/7,21 EUR

CA2 5C8

SGL Carbon

9,00 EUR

11,51 %

14,04 %

20.12.2019

7,69/7,70 EUR

CA1 14Z

SGL Carbon

10,00 EUR

7,72 %

20,40 %

20.12.2019

8,02/8,03 EUR

Klassische Optionsscheine

WKN

Basiswert

Typ

Basispreis

Bewertungstag

Hebel/Omega

Geld-/Briefkurs

CJ2 RBM

SGL Carbon

Call

9,00 EUR

20.09.2019

8,4/4,2

1,01/1,03 EUR

CV8 JX3

SGL Carbon

Call

11,20 EUR

20.09.2019

20,2/5,4

0,42/0,43 EUR

CV8 JXD

SGL Carbon

Put

8,00 EUR

20.09.2019

8,8/–3,1

0,96/0,98 EUR

CV8 JXE

SGL Carbon

Put

9,00 EUR

20.09.2019

5,7/–2,7

1,50/1,52 EUR

Unlimited Turbo-Optionsscheine

WKN

Basiswert

Typ

Basispreis/Knock-Out-Barriere

Hebel

Laufzeit

Geld-/Briefkurs

CJ2 YKN

SGL Carbon

Call

3,99/4,23 EUR

1,8

Unbegrenzt

4,70/4,74 EUR

CJ1 9GE

SGL Carbon

Call

7,59/8,05 EUR

7,7

Unbegrenzt

1,10/1,14 EUR

CA8 YR7

SGL Carbon

Put

11,00/10,32 EUR

3,7

Unbegrenzt

2,30/2,34 EUR

CJ1 1Q3

SGL Carbon

Put

10,49/9,83 EUR

4,8

Unbegrenzt

1,79/1,83 EUR

Stand: 18. Oktober 2018; Quelle: Commerzbank AG

Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.de zur Verfügung.