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Hedging – Absicherung von Transaktionen

Eine Frage, die von Zertifikate-Inhabern häufig gestellt wird: »Wenn ich auf steigende Kurse setze, wettet der Emittent gegen mich?« Die Antwort lautet: »Natürlich nicht! Denn die Emittentin – also die Bank – spekuliert nicht, sie hedgt sich.«

Was ist eigentlich Hedging?
Hedging stammt vom englischen »to hedge« ab und bedeutet »absichern«. Somit ist Hedging (auch Kurssicherung genannt) ein Finanzgeschäft, mit dem eine Transaktion gegen Risiken abgesichert wird. Im Allgemeinen handelt es sich um Kursschwankungsrisiken. Das sind zunächst Risiken der Veränderung des Basiswertpreises, also des Preises eines Index, Future, einer Aktie oder Währung. Da Derivate auch dem Volatilitäts- und Zinsrisiko ausgesetzt sind, können diese Risiken abgesichert werden. Im Folgenden erläutern wir Ihnen, wie die Emittentin zwei der beliebtesten Hebelprodukte – Turbo-Optionsscheine und klassische Optionsscheine – absichert.

Wenn die Emittentin eine Transaktion (ein Geschäft) absichern möchte, tätigt sie dafür eine weitere Transaktion (ein Gegengeschäft) auf dem Markt. Wird dadurch das gesamte Risiko eliminiert, spricht man von einem perfekten Hedge. Dieser ist aber in der Realität fast unmöglich.

Hedging von Turbo-Optionsscheinen
Erwirbt ein Anleger einen Turbo-Call-Optionsschein auf die Deutsche Telekom für 4,02 Euro (Basispreis des Turbo-Optionsscheins 10,00 Euro, aktueller Kurs der Deutsche-Telekom-Aktie 14,00 Euro), erwartet er grundsätzlich einen steigenden Kurs der Deutsche-Telekom-Aktie. Steigt nun die Aktie auf 15,01 Euro, gewinnt auch der Turbo-Optionsschein an Wert und notiert bei 5,02 Euro. Der Kunde könnte nun seinen Turbo-Optionsschein mit einem Gewinn von 1,00 Euro (aktueller Geldkurs 5,02 Euro – Kaufkurs 4,02 Euro) verkaufen. Würde sich die Bank nicht absichern, müsste sie den Gewinn des Anlegers »aus eigener Tasche« bezahlen und würde so einen Verlust generieren.

Um dies zu verhindern, sichert sich die Bank ab. In unserem Beispiel mit dem Kauf von Deutsche-Telekom-Aktien. Die Bank kann so dem Anleger seinen Gewinn von 1,00 Euro durch den Verkauf der erworbenen Aktien, die um 1,01 Euro gestiegen sind, ausbezahlen. Bei einem Bezugsverhältnis des Turbo-Optionsscheins von 1:1 würde die Bank für einen verkauften Turbo-Call-Optionsschein eine Aktie kaufen, bei einem Bezugsverhältnis von 10:1 kauft die Bank eine Aktie für zehn verkaufte Turbo-Call-Optionsscheine.

Kauft der Kunde einen Turbo-Put-Optionsschein, profitiert er von fallenden Aktienkursen. In unserem Beispiel läuft das Hedgegeschäft quasi umgekehrt ab. So würde die Emittentin für jeden verkauften Turbo-Optionsschein die gleiche Anzahl von Aktien verkaufen. Da bei der Absicherung von Turbo-Optionsscheinen auf Aktien mit einem Bezugsverhältnis von 1:1 die Anzahl von gekauften bzw. verkauften Aktien immer der Anzahl der Optionsscheine entspricht, spricht man auch von einem Delta-Eins-Hedge. Bei Absicherung von Turbo-Optionsscheinen auf Indizes kann die Bank einen Index nicht direkt kaufen bzw. verkaufen, sondern sie kauft und verkauft den entsprechenden Future. Beim Hedging von Turbo-Optionsscheinen ist für die Bank ein perfekter Hedge möglich.

Hedging von klassischen Optionsscheinen
Aus der Optionstheorie wissen wir, dass mehrere Faktoren einen Einfluss auf den Preis eines klassischen Optionsscheins haben: der Kurs des Basiswerts, der Basispreis, die Volatilität, der aktuelle Zinssatz, der sogenannte Zeitwert und gegebenenfalls auch anfallende Dividendenzahlungen. Da von diesen Faktoren lediglich der Basispreis fest vorgegeben ist, stellen die Veränderungen aller anderen Faktoren ein Risiko dar. Der Hedge von klassischen Optionsscheinen ist also im Vergleich zu Turbo-Optionsscheinen deutlich komplexer.

Kauft der Kunde beispielsweise einen klassischen Call Optionsschein auf die Deutsche-Telekom-Aktie mit einem Basispreis von 12 Euro und einer Laufzeit bis zum 19. Dezember 2018, können mehrere Faktoren dessen Preis in der Zukunft beeinflussen. Um sich gegen die genannten Risiken abzusichern, ist es für die Bank am einfachsten, die entsprechende Option bezogen auf die Deutsche-Telekom-Aktie auf dem Terminmarkt (Eurex) zu erwerben. Konkret bedeutet dies, dass die Emittentin eine im Dezember fällig werdende Call Option mit Basispreis 12 Euro erwirbt.

Nicht immer ist der Kauf an der Terminbörse möglich. Sollte dies der Fall sein, kann die Emittentin mithilfe der Parameter Delta, Vega, Theta und Rho ausrechnen, wie viele Aktien bzw. Optionen für eine Absicherung notwendig sind.

Ein Call-Delta von 0,4 bedeutet, dass die Bank pro verkauftem Call Optionsschein 0,4 Aktien kaufen muss. Das bedeutet, dass die Bank für 100 verkaufte Deutsche-Telekom-Calls 40 Deutsche-Telekom-Aktien kaufen muss. In solch einem Fall hätte die Bank eine sogenannte Delta-neutrale Position. Da das Delta nicht statisch, sondern eine dynamische Größe ist, ändert es sich ständig. Das bedeutet wiederum, dass die Bank ihre Aktienposition ständig anpassen muss, um den Delta-Hedge aufrechtzuerhalten. Sinkt das Delta auf 0,38, muss die Bank zwei Aktien wieder verkaufen, um insgesamt 38 Aktien für den Delta-Hedge zu halten.

Kauft der Anleger einen Put Optionsschein, kann als Absicherung eine entsprechende Put Option an der Terminbörse gekauft werden. Alternativ kann, da ein Put-Delta negativ ist, der Aktienkurseinfluss über den Verkauf von Aktien (Delta mal Anzahl der Optionsscheine) abgesichert werden.

Bei dem Beispiel des Delta-Hedge eines Optionsscheins handelt es sich um eine vereinfachte Darstellung. Der Grund dafür liegt darin, dass in der Praxis bei der Absicherung von Optionsscheinen häufig auch andere Risiken wie beispielsweise der Volatiliätseinfluss und der Zeitwertverlust abgesichert werden. Während das Aktienkursrisiko immer abgesichert wird, muss das bei den weiteren Risiken nicht immer der Fall sein. Dies wird je nach Risikoposition von der Emittentin entschieden und würde im Falle einer Absicherung durch den Kauf oder Verkauf von weiteren Optionen (im Beispiel bezogen auf die Deutsche-Telekom-Aktie) erfolgen. Um in diesem Fall die Anzahl der für den Hedge benötigten Optionen zu ermitteln, helfen die Parameter Vega (für den Einfluss der Volatilität) und Theta (für die Absicherung des Zeitwertverlusts). Auf ein Beispiel dieser sehr komplexen Berechnungsszenarien wird an dieser Stelle aus Vereinfachungsgründen verzichtet.

Die Frage, die sich zum Schluss stellt, ist: Sichert die Emittentin jede einzelne Transaktion mit einer einzelnen Gegentransaktion ab? Die Antwort lautet erneut »natürlich nicht«, denn nur größere Transaktionen werden einzeln gehedgt. Da alle Transaktionen im Handelsbuch der Emittentin zusammengeführt werden, können einzelne Transaktionen addiert werden oder sich quasi gegenseitig aufheben. Das bedeutet beispielsweise, dass die Bank, wenn sie für den Hedge aufgrund verkaufter Turbo-Put-Optionsscheine 200 Deutsche-Telekom-Aktien verkaufen und gleichzeitig wegen verkaufter Call Optionsscheine 250 Deutsche-Telekom-Aktien kaufen muss, für die Absicherung der beiden Positionen lediglich eine Summe von 50 Aktien erwerben muss.

Die »Griechen«

Delta:  Misst den Einfluss der Veränderung des Aktienpreises auf den
Optionsscheinpreis.

Vega:  Misst den Einfluss der Veränderung der Volatilität auf den Optionsscheinpreis.

Theta:  Misst den Einfluss des Zeitwertverlusts auf den Optionsscheinpreis.

Rho:  Misst den Einfluss der Veränderung des Zinssatzes auf
den Optionsscheinpreis.