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Commerzbank Analysen

Zucker und Kaffee: Aussicht auf Überschüsse drückt Preise

Die Aussicht auf einen weiteren globalen Überschuss in der Saison 2018/2019 lastet nach wie vor auf den Zuckerpreisen. Auch am Kaffeemarkt können sich die Preise trotz einer nicht allzu üppigen Versorgungslage wegen der Aussicht auf einen Überschuss 2018/2019 bisher nicht erholen. In Brasilien wurde gerade eine Rekordernte eingebracht. Wir sehen bei beiden Produkten mittelfristig nur wenig Erholungspotenzial, wenn es nicht witterungsbedingt zu größeren Problemen kommt, insbesondere im für beide Produkte wichtigsten Anbauland Brasilien.

Der Rohzuckerpreis ist im August auf rund 10 US-Cent je Pfund und damit den niedrigsten Stand seit zehn Jahren gefallen (siehe Grafik 1). Seit Jahresbeginn hat sich Rohzucker damit um ein Drittel verbilligt. Auch der Weißzuckerpreis in London markierte im August mit wenig über 300 US-Dollar je Tonne ein 9-Jahres-Tief. Inzwischen konnten sich beide Preise leicht erholen. Hauptgrund für das niedrige Preisniveau ist die üppige Versorgungslage am internationalen Zuckermarkt. Nach den beiden defizitären Jahren 2015/2016 und 2016/2017 soll nun in der laufenden Saison 2017/2018 ein erheblicher Überschuss zu verzeichnen sein. Der Median einer Reuters-Umfrage von Anfang August lag bei 10,8 Millionen Tonnen, die Internationale Zuckerorganisation ISO schätzt ihn auf 8,6 Millionen Tonnen. Diesem soll 2018/2019 ein weiterer Überschuss von etwa 6 Millionen Tonnen folgen. Dies erwartet auch die ISO mit 6,8 Millionen Tonnen (siehe Grafik 2). Grund für beides ist insbesondere ein hohes Angebot aus Indien, aber auch der EU und Thailand.

Grafik 1: Zuckerpreise noch immer nahe mehrjähriger Tiefstände

Roh- und Weißzuckerpreise

Grafik 1: Zuckerpreise noch immer nahe mehrjähriger Tiefstände
Stand: September 2018; Quelle: Bloomberg, Commerzbank Research
Grafik 2: Zucker – auch 2018/2019 wohl mit Überschuss

Überschuss (+ƒ) /Defizit (–) am Zuckermarkt

Grafik 2: Zucker – auch 2018/2019 wohl mit Überschuss
Stand: September 2018; Quelle: ISO, Commerzbank Research
Prognosen sind kein Indikator für die künftige Entwicklung­.

Denn in Indien, dem zweitgrößten Produzenten, wurden 2017/2018 rekordhohe 32 Millionen Tonnen Zucker produziert, nun sollen es 2018/2019 sogar bis 35,5 Millionen Tonnen werden. Da der heimische Verbrauch bei 25 bis 26 Millionen Tonnen liegt, ergäbe sich ein weiterer beachtlicher Überschuss. Auch die thailändische Produktion überraschte 2017/2018 mit über 14 Millionen Tonnen positiv. 2018/2019 könnten es 14,5 Millionen Tonnen werden, auch wenn nicht alle so optimistisch sind.

In der EU wurden nach dem Wegfall der Produktionsquoten bei zunächst noch hohen Preisen und guter Witterung nach Angaben der EU-Kommission 2017/2018 21,1 Millionen Tonnen Zucker und damit fast ein Viertel mehr als im Durchschnitt der drei vorherigen Jahre produziert. Für 2018/2019 wird schon länger ein Rückgang auf 18 bis 20 Millionen Tonnen erwartet, was vorrangig der Rückkehr zu normalen Erträgen geschuldet sein soll. Auch dies wäre aber eine recht hohe Menge.

Während 2017/2018 das größte Produzentenland Brasilien eine hohe Produktion beisteuerte – aus der Hauptanbauregion Center-South kamen damals laut der Zuckerindustrievereinigung Unica rekordhohe 36 Millionen Tonnen, nochmals leicht mehr als im Vorjahr –, ist die Situation dort nun angespannter: Zwar wurde in der Saison 2018/2019, die in Brasilien bereits seit April läuft, international aber erst am 1. Oktober beginnt, im Hauptanbaugebiet Center-South etwas mehr Zuckerrohr als in der vorigen Saison verarbeitet. Dennoch wurden 21 Prozent weniger Zucker hergestellt, da der Anteil des Rohrs, der in die Zuckerproduktion geht, von 49 Prozent im Vorjahr auf nun 36 Prozent gesunken ist. In den vergangenen Wochen wurde sogar weniger Zuckerrohr als im Vorjahr verarbeitet und die Zuckerproduktion war deutlich niedriger. Dieses Bild zeigt sich bereits seit Juli. So könnte die gesamte Zuckerrohrproduktion hinter das Vorjahr zurückfallen. Für die Gesamtsaison liegen die Schätzungen für die Zuckerproduktion in Center-South derzeit meist bei 27 bis 29 Millionen Tonnen, die höchste Schätzung ist die der brasilianischen Prognosebehörde Conab mit 31,6 Millionen Tonnen.

Ob und in welcher Höhe es in der Saison 2018/2019 tatsächlich zu einem weiteren Überschuss am globalen Zuckermarkt kommt, ist noch ungewiss. Bei den niedrigen Preisen und der bei den meisten Anbietern daher inzwischen unrentablen Produktion wird die Produktion reagieren. Die Frage ist nur, wann dies zum Tragen kommt. In der EU etwa gibt es längerfristige Annahmeverträge, sodass die niedrigeren Preise noch nicht voll durchschlagen. Der letzte verfügbare EU-Zuckerpreis vom Juni war mit 361 Euro je Tonne empfindlich niedriger als die rund 500 Euro je Tonne, die 2017 bis in den Sommer verzeichnet wurden.

Für einen weiteren Überschuss spricht, dass in Indien die nochmals rekordhoch erwartete Zuckerproduktion 2018/2019 greifbar erscheint und bisher auch für die EU trotz Hitze und Trockenheit eine hohe Produktion erwartet wird. Dagegen spricht, dass die Zuckerproduktion in Brasilien möglicherweise noch stärker rückläufig ist als angenommen. Es mehren sich zudem die Sorgen, dass hitze- und trockenheitsbedingt die EU-Zuckerrübenernte unter den Erwartungen bleibt. Im Juli rechnete die Prognoseeinheit MARS der EU-Kommission noch mit einem deutlich überdurchschnittlichen Ertrag. Nach einem Schnitt um 5 Prozent im August – vor allem für Polen und Nordeuropa, aber auch Frankreich und Deutschland – soll er nun aber leicht darunter liegen.

Dennoch konnte sich der Zuckerpreis bisher nur wenig erholen. Das liegt auch am schwachen brasilianischen Real und nicht zuletzt daran, dass erwartet wird, jede nennenswerte Preissteigerung könnte Indien zu Verkäufen auf dem Weltmarkt veranlassen. Die schwache Rupie könnte Exporte zusätzlich attraktiv machen. Die kurzfristig orientierten Marktteilnehmer bleiben weiterhin sehr pessimistisch für die weitere Preisentwicklung gestimmt. Im September lagen die Netto-Short-Positionen wieder unweit des Rekords aus dem April.

Wir erwarten bis zum vierten Quartal 2018 nur eine leichte Preiserholung. Risiken nach unten bestehen insbesondere in einem sich gegenüber dem US-Dollar weiter abwertenden Real, nicht zuletzt im Zusammenhang mit den im Oktober anstehenden Präsidenten- und Kongresswahlen in Brasilien. Zusätzlich dämpfend würde auch wirken, wenn sich Indien zum Export größerer Mengen Zucker entschließen und entsprechende handelspolitische Maßnahmen ergreifen sollte.

Kaffee
Der Preis für Arabica-Kaffee fiel Ende August und Anfang September in New York kurzfristig unter 100 US-Cent je Pfund und damit auf ein 12-Jahres-Tief. Auch zurzeit notiert er unweit davon (siehe Grafik 3). Der Preis für Robusta-Kaffee, der sich monatelang in einer recht engen Handelsspanne zwischen 1.700 und 1.800 US-Dollar je Tonne bewegt hatte, ist Ende Juli nach unten ausgebrochen. Damit liegt er nun deutlich in der unteren Hälfte der seit 2010 gesehenen Preise.

Grafik 3: Kaffee – Preise verharren auf niedrigem Niveau

Kaffeepreise ICE US New York(A), ICE Europe London(R)

Grafik 3: Kaffee – Preise verharren auf niedrigem Niveau
Stand: September 2018; Quelle: Bloomberg, Commerzbank Research

Von steigenden Preisen ist also am Kaffeemarkt bisher nicht die Rede, obwohl die Internationale Kaffeeorganisation ICO ihre Schätzung für das Defizit am Kaffeemarkt in der bis Ende September laufenden Saison 2017/2018 zunächst Anfang Juli von 254.000 Sack auf 1,36 Millionen Sack, dann auf 2,7 Millionen Sack und im September auf 3,6 Millionen Sack erhöht hat. Grund ist das in dieser Saison stagnierende Angebot bei einer steigenden Nachfrage. 2016/2017 hatte der ICO zufolge mit einem marginalen Überschuss geendet.

Hauptgrund für das niedrige Preisniveau ist, dass für 2018/2019 mit einem hohen Überschuss gerechnet wird. Schätzungen liegen meist bei 5 bis 8 Millionen Sack. Dies liegt vor allem an Brasilien. Im weltgrößten Kaffeeland soll die Produktion von mageren 50,1 Millionen Sack im Vorjahr nun auf rund 60,5 Millionen Sack steigen. Die Prognosebehörde Conab liegt mit ihren Zahlen jeweils etwas darunter (siehe Grafik 4). Die Ernte ist nun weitgehend abgeschlossen und bei beiden Kaffeearten wird zudem von einer guten Qualität berichtet. Die unterdurchschnittlichen Regenfälle in Brasilien seit April schürten zwar auch am Kaffeemarkt die Sorge, dass die nächste Ernte davon negativ betroffen sein könnte. Mit diesem langen Horizont schaffte es dies aber nicht, den Kaffeepreis merklich zu treiben. Die Regenfälle der letzten Zeit haben die Lage nun sowieso entschärft.

Grafik 4: Kaffee – Rekordernte in Brasilien 2018/2019

Brasilianische Kaffeeproduktion

Grafik 4: Kaffee – Rekordernte in Brasilien 2018/2019
Stand: September 2018; Quelle: Conab, Commerzbank Research
Prognosen sind kein Indikator für die künftige Entwicklung 

Auch für Vietnam wird für 2018/2019 bei weiterhin gutem Monsunregen mit einer Rekordernte gerechnet, zumal auch einige Stürme ohne größere Schäden blieben. Nach bereits rund 30 Millionen Sack 2017/2018 sollen nun Schätzungen zufolge sogar bis 32 Millionen Sack möglich sein. Auch wenn die – allerdings immer auf der pessimistischen Seite stehende – Produzentenvereinigung Vicofa vor veralteten Plantagen und den Wirkungen des Klimawandels warnt, bedeutet dies zunächst ein weiteres hohes Angebot aus Vietnam. Auch in Indonesien steht wohl ein Plus an. Die Ernte dieses drittgrößten Robusta-Produzenten soll 11 Millionen Sack betragen nach etwa 10,5 Millionen Sack in den beiden vergangenen Jahren. In Kolumbien bleibt die noch laufende Arabica-Ernte 2017/2018 in den ersten zehn Monaten des Wirtschaftsjahres dagegen leicht hinter dem Vorjahr zurück, was auch für das Gesamtjahr mit rund 14,4 Millionen Sack der Fall sein dürfte, 2018/2019 erwartet das US-Landwirtschaftsministerium USDA dort eine ähnlich hohe Ernte.

Nachdem schwächere Kaffeeexporte das Plus der ersten fünf Monate der Saison zwischenzeitlich in ein Minus gedreht hatten – allerdings gegenüber sehr hohen Vorjahreszahlen –, geht es nun wegen der hohen brasilianischen Ernte bei den Lieferungen auf den Weltmarkt wieder kräftig bergauf. Laut ICO lieferten die kaffeeexportierenden Länder in den ersten zehn Monaten der Saison mit 101,2 Millionen Sack sogar marginal mehr Kaffee auf den Weltmarkt als in der Vorsaison.

Auch am Kaffeemarkt ist die Zuversicht der Anleger gering, dass in absehbarer Zeit die Preise steigen werden. Bei Arabica-Kaffee haben sie ihre Netto-Short-Positionen auf ein Rekordniveau von über 100.000 Kontrakten ausgebaut. Auch bei Robusta-Kaffee wurde im Juli ein neuer Rekord markiert. Im September liegen die Netto-Short-Positionen auf ähnlichem Niveau.

Da nun die hohe brasilianische Ernte 2018/2019 auf den Markt strömt und für diese Saison mit einem Überschuss gerechnet wird, dürften die Kaffeepreise über die nächsten Monate nicht viel Luft nach oben haben. Auch hier ist eine weitere Abwertung des brasilianischen Real gegenüber dem US-Dollar ein zusätzlicher Risikofaktor.

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–3

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Stand: 21. September 2018; Quelle: Commerzbank AG

Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.de zur Verfügung.