Märkte

Commerzbank Analysen

Übertriebener Pessimismus bei Platin

Der Platinpreis kommt nicht aus der Defensive heraus. Im August fiel er deutlich unter 800 US-Dollar je Feinunze. So billig war Platin zuletzt während der großen Finanz- und Wirtschaftskrise im Herbst 2008 (siehe Grafik 1). Auch im Vergleich zu Gold und Palladium präsentiert sich Platin schwach. Der Preisabschlag zu Gold erreichte rekordhohe 440 US-Dollar je Feinunze, der zu Palladium 130 US-Dollar je Feinunze.

Grafik 1: Platinpreis auf 9½-Jahres-Tief
Grafik 1: Platinpreis auf 9½-Jahres-Tief
Stand: 17. August 2018; Quelle: Bloomberg, Commerzbank Research

Die Preisschwäche bei Platin geht somit über die allgemeine Schwäche bei Edelmetallen hinaus. Die Gründe hierfür sind größtenteils fundamentaler Natur. So rechnen die meisten Marktbeobachter bei Platin in diesem Jahr mit einem weiteren globalen Angebotsüberschuss. Laut im Mai veröffentlichter Einschätzung des World Platinum Investment Council (WPIC) soll der Platinmarkt einen Überschuss von 180.000 Unzen aufweisen. Der weltgrößte Platinverarbeiter Johnson Matthey (JM) beziffert diesen in seinem Marktausblick vom Mai sogar auf 316.000 Unzen, was einem 7-Jahres-Hoch entsprechen würde (siehe Grafik 2). Der Platinmarkt wäre damit jeweils das zweite Jahr in Folge überversorgt. Das gab es zuletzt Mitte der Neunzigerjahre. Die Nachfrage entwickelt sich schwächer als zunächst erwartet. Neben der niedrigeren Investmentnachfrage trägt die schwächelnde Nachfrage aus der Automobilindustrie dazu bei. Hier macht sich die anhaltende Krise des Dieselantriebs in Westeuropa bemerkbar. Auch die Schmucknachfrage ist weiter rückläufig, während die übrige Industrienachfrage steigen soll.

Grafik 2: Platinmarkt zweites Jahr in Folge im Überschuss
Grafik 2: Platinmarkt zweites Jahr in Folge im Überschuss
Stand: Mai 2018; Quelle: Johnson Matthey, Commerzbank Research

Weiterhin Gegenwind für die Platinnachfrage gibt es aus der Automobilindustrie, die mit einem Anteil von ca. 40 Prozent die wichtigste Nachfragekomponente ist. Gut die Hälfte davon entfällt auf Europa, wo die Dieselkrise weiterhin bremst. Der Anteil der Diesel-Pkws an den Neuwagenverkäufen in Westeuropa ist seit April zwar nicht mehr weiter gefallen (siehe Grafik 3). Laut LMC Automotive lag er im ersten Halbjahr bei 37,7 Prozent, was aber noch immer 8,4 Prozentpunkte unter dem entsprechenden Vorjahreswert lag. Der Absatz von Dieselautos unter den Neuwagen sank im ersten Halbjahr um fast 600.000 Pkws bzw. 17 Prozent. Auch soll der durchschnittliche Platineinsatz in den Katalysatoren europäischer Dieselautos zurückgehen. Grund hierfür ist die laufende Umstellung auf die Euro-6d-TEMP-Norm, die mit einem geringeren Einsatz von Platin in den Katalysatoren einhergeht. Aus diesem Grund erwartet JM einen weiteren Rückgang des Platineinsatzes auch im nächsten Jahr. Zwar soll die Produktion von dieselbetriebenen Autos in Indien und von Lkws in Indien und China steigen. Dies reicht aber nicht aus, um die genannten negativen Einflüsse in Europa auszugleichen. JM rechnet auch nicht damit, dass es zu einer nennenswerten Substitution von Palladium durch Platin in Benzinmotoren kommt. Dem stehen vor allem die Technologie und die bessere Funktionalität von Palladium gegenüber Platin in Benzinkatalysatoren entgegen. Der WPIC weist aber darauf hin, dass der ab 2020 geltende strengere CO2-Grenzwert von 95 Gramm je Kilometer bei einem weiteren Rückgang des Dieselanteils in der Pkw-Flotte nur schwer zu schaffen sein wird. Schon jetzt liegt der Durchschnittswert von Neuwagen deutlich darüber. Hier könnten sich also neue Chancen für Diesel-Pkws und damit für Platin ergeben.

Grafik 3: Dieselkrise in Europa lässt Nachfrage für Diesel-Pkw einbrechen

Anteil Diesel an Pkw-Neuwagen in Westeuropa

Grafik 3: Dieselkrise in Europa lässt Nachfrage für Diesel-Pkw einbrechen
Stand: Juni 2018; Quelle: LMC Automotive, Commerzbank Research

Auch im Schmuckbereich stockt die Nachfrage. Seit 2014 ist die Nachfrage nach Platinschmuck um ca. 500.000 Unzen gefallen. Damit ist die Schmucknachfrage in den vergangenen Jahren sogar deutlich stärker gefallen als die Nachfrage aus der Autoindustrie. JM erwartet für 2018 einen nochmaligen leichten Rückgang, der WPIC immerhin einen leichten Anstieg. Dieser reicht aber bei Weitem nicht aus, um die Nachfrageschwäche im Automobilbereich auszugleichen. Stabilisierend wirkt die Erholung der Nachfrage nach Goldschmuck in China, wo sich die Schmuckindustrie an die geänderten Präferenzen der Kunden angepasst hat. Gleiches gilt im gewissen Maße auch für Platinschmuck. Eigene Stärke entwickelt die Schmucknachfrage bei Platin dagegen nicht. Platin gelingt es somit auch weiterhin nicht, vom hohen Preisabschlag gegenüber Gold zu profitieren. Möglicherweise schreckt die negative Preisentwicklung auch Schmuckkäufer ab, da sie Platin als weniger werthaltig ansehen könnten.

Auch die Investmentnachfrage wird in diesem Jahr wohl keine nennenswerten Impulse für Platin geben. Der WPIC erwartet eine Stabilisierung auf dem niedrigen Vorjahresniveau, JM sogar einen weiteren Rückgang. Die Nachfrage nach Platinbarren in Japan soll dabei weiter nachgeben. Da diese aber sehr preissensibel ist, könnte der jüngste Preisrutsch auf ein 9½-Jahres-Tief von weniger als 3.000 japanischen Yen je Gramm die Nachfrage spürbar anschieben. Johnson Matthey berichtet zumindest davon, dass der Preisrückgang auf 3.500 japanische Yen im Frühjahr zu den stärksten Käufen seit 18 Monaten geführt habe. Von daher könnte dieser Teil der Investmentnachfrage positiv überraschen. Eine negative Überraschung droht hingegen bei der ETF-Nachfrage. Denn die von Bloomberg erfassten Platin-ETFs haben seit Jahresbeginn bis Mitte August Netto-Abflüsse von ca. 80.000 Unzen verzeichnet (siehe Grafik 4). JM rechnet dagegen in seinem Ausblick für 2018 mit einer weiterhin »schwach positiven« ETF-Nachfrage, das heißt geringen Netto-Zuflüssen. Der WPIC spricht nach 95.000 Unzen Netto-Zuflüssen im Vorjahr von einem »weiteren positiven Jahr« für die ETFs. Die ETF-Nachfrage verhält sich in der Regel pro-zyklisch. Die negative Preisentwicklung dürfte die Anleger daher kaum dazu verleiten, im großen Stil Platin-ETFs zu kaufen.

Grafik 4: Platin-ETFs mit Abflüssen

Seit Jahresbeginn

Grafik 4: Platin-ETFs mit Abflüssen
Stand: 15. August 2018; Quelle: Bloomberg, Commerzbank Research

Somit könnten sich die positiven Impulse bei der Barrennachfrage und die negativen Effekte bei der ETF-Nachfrage in etwa ausgleichen, was für eine weitgehend unveränderte Investmentnachfrage spricht. Um den Angebotsüberschuss auszugleichen, wäre aber eine deutlich höhere Investmentnachfrage als im Vorjahr erforderlich. Spricht momentan überhaupt etwas für eine Preiserholung? Hoffnung macht, dass die Stimmung der spekulativen Anleger gegenüber Platin mittlerweile so negativ ist wie noch nie seit Beginn der Datenerhebung im Dezember 2009 (siehe Grafik 5). Die spekulativen Anleger setzen seit vier Monaten mehrheitlich auf fallende Preise. Mitte Juli erreichten die Netto-Short-Positionen ein Rekordniveau von 29.500 Kontrakten (entspricht 1,47 Millionen Unzen). In den darauffolgenden drei Wochen wurden die Netto-Short-Positionen geringfügig reduziert. Phasen mit Netto-Short-Positionen stellten häufig Wendepunkte dar. Zwischen Mitte Dezember 2017 und Ende Januar 2018 legte Platin ausgelöst durch Short-Eindeckungen um 150 US-Dollar je Feinunze zu.

Grafik 5: Spekulanten für Platin äußerst negativ gestimmt

Spekulative Marktpositionierung und Platinpreis

Grafik 5: Spekulanten für Platin äußerst negativ gestimmt
Stand: 7. August 2018; Quelle: CFTC, Bloomberg, Commerzbank Research

Der Platinpreis ist unseres Erachtens mittlerweile zu stark gefallen. Der erneute Angebotsüberschuss sollte im gegenwärtigen Preisniveau, den erheblichen Abschlägen gegenüber Gold und Palladium und den rekordhohen spekulativen Netto-Short-Positionen reflektiert sein. Der Rückgang der Platinnachfrage aus der europäischen Autoindustrie dürfte an Dynamik verlieren. Außerhalb Europas dürfte der Platinbedarf in der Automobilindustrie zunehmen, insbesondere bei Nutzfahrzeugen in Asien und Nordamerika. Die Schmucknachfrage sollte nach Jahren des Rückgangs wieder steigen. Der Bereich Brennstoffzellen verspricht in den kommenden Jahren Wachstumspotenzial. Auf der Angebotsseite sollten die niedrigen Preise dämpfend wirken. Dies gilt insbesondere für die Minenproduktion, die teilweise nicht mehr kostendeckend ist. Sofern die Investmentnachfrage stabil bleibt, könnte der Platinmarkt somit im nächsten Jahr wieder ein Angebotsdefizit aufweisen. Der Platinpreis dürfte bis zum Jahresende auf 900 US-Dollar je Feinunze steigen und im nächsten Jahr wieder vierstellig sein. Die erwartete Preiserholung wird zusätzlich durch den von uns erwarteten Anstieg des Goldpreises unterstützt.

Brennstoffzellen als Ersatz für schwindende Platinnachfrage bei Diesel-PKWs?

Eine bedeutendere Rolle bei der Platinnachfrage könnte in nicht allzu ferner Zukunft die Brennstoffzellen-Technologie spielen. Bei dieser alternativen Antriebsform wird in einem elektrochemischen Prozess aus Wasserstoff und Sauerstoff Elektrizität für den Antrieb des Motors gewonnen. Die Vorteile für Brennstoffzellen-Fahrzeuge liegen in einer vergleichsweise schnellen Betankung gegenüber der langen Ladezeit bei batteriebetriebenen Fahrzeugen sowie einer Reichweite, die es mit der von herkömmlichen Autos mit Verbrennungsmotoren aufnehmen kann. Dabei fällt als »Abfallprodukt« kein umweltschädliches Abgas, sondern Wasser an. Großes Potenzial sieht JM auch bei Nutzfahrzeugen, wo die Brennstoffzellen-Technologie wegen des geringeren benötigten Gewichts und der größeren Reichweite batteriegetriebenen Lkws überlegen sein dürfte. In den Brennstoffzellen kommt auch Platin zum Einsatz. Laut Berechnung von JM könnten bei 1 Millionen Fahrzeugen mit Brennstoffzellen etwa 20 Prozent des derzeitigen Platinbedarfs in Diesel-Pkws ersetzt werden. JM schätzt, dass 2025 etwa 5 Prozent der Nachfrage für Autokatalysatoren von der Nachfrage für Brennstoffzellen stammen. Dies ist somit vor allem ein Thema für die 2020er Jahre. Zwar wächst das Segment schon jetzt kräftig. Die Mengen, um die es geht, sind derzeit aber noch zu gering. Laut WPIC wird durch zusätzliche Nachfrage bei Brennstoffzellen in diesem Jahr nicht einmal ein Viertel des erwarteten Nachfragerückgangs im Automobilsektor kompensiert.

Anlageidee: Zertifikate und Turbo-Optionsscheine auf Platin

Sie möchten von der künftigen Wertentwicklung von Platin profitieren? Mit Zertifikaten und Optionsscheinen der Commerzbank haben Sie die Möglichkeit, an steigenden oder fallenden Notierungen des glänzenden Edelmetalls zu partizipieren.

Ein Überblick über das gesamte Spektrum an Optionsscheinen und Zertifikaten auf Edelmetalle steht Ihnen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.de zur Verfügung.

Aber Achtung: Da die von der Commerzbank angebotenen Produkte in Euro notieren, der Handelspreis von Platin in US-Dollar, besteht für den Investor ein Währungsrisiko. Ein steigender Euro/US-Dollar-Wechselkurs wirkt sich negativ auf den Wert des Produkts aus.

Partizipations-Zertifikate mit unbegrenzter Laufzeit

WKN

Basiswert

Bezugsverhältnis

Quanto

Geld-/Briefkurs

CB5 UXF

Platin

100:1

Nein

6,93/6,97 EUR

Faktor-Zertifikate mit unbegrenzter Laufzeit

WKN

Basiswert

Strategie

Hebel

FXopt

Geld-/Briefkurs

CE6 Y06

Platin Future

Long

2

Nein

4,96/4,98 EUR

CE6 Y08

Platin Future

Long

4

Nein

2,35/2,36 EUR

CE6 Y0B

Platin Future

Short

–2

Nein

12,83/12,89 EUR

CE6 Y0D

Platin Future

Short

–4

Nein

15,76/15,90 EUR

Turbo-Optionsscheine mit unbegrenzter Laufzeit

WKN

Basiswert

Typ

Basispreis/Knock-Out-Barriere

Hebel

Quanto

Geld-/Briefkurs

CA4 RK1

Platin

Call

576,530/593,00 USD

3,5

Nein

1,95/1,97 EUR

CV6 AYY

Platin

Call

661,232/679,00 USD

5,6

Nein

1,22/1,23 EUR

CA1 HGZ

Platin

Put

986,464/961,00 USD

4,2

Nein

1,62/1,64 EUR

CA4 MGD

Platin

Put

902,601/879,00 USD

7,6

Nein

0,90/0,91 EUR

Stand: 21. August 2018; Quelle: Commerzbank AG

Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.de zur Verfügung.