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Trump kündigt Iran-Abkommen auf – Mögliche Folgen für den Ölmarkt

Der Brent-Ölpreis ist Mitte Mai auf ein 3½-Jahres-Hoch von 80 US-Dollar je Barrel gestiegen. Hauptverantwortlich hierfür war ein von Venezuela ausgehender unerwartet starker Rückgang der OPEC-Ölproduktion. Dadurch ist der Ölmarkt momentan unterversorgt. Hinzu kam die Erwartung und inzwischen auch Gewissheit neuerlicher US-Sanktionen gegen den Iran, die das Ölangebot weiter verknappen könnten. Wir haben daher unsere Ölpreisprognose nach oben revidiert, rechnen aber weiterhin mit fallenden Notierungen im Jahresverlauf.

Der Brent-Ölpreis stieg innerhalb von zwei Monaten um mehr als 20 Prozent und verzeichnete Mitte Mai ein 3½-Jahres-Hoch von 80 US-Dollar je Barrel (siehe Grafik 1). Aufgrund eines unerwartet starken Rückgangs der Ölproduktion in Venezuela ist der globale Ölmarkt unterversorgt. Im ersten Quartal produzierte Venezuela nur noch 1,5 Millionen Barrel Rohöl pro Tag. Venezuela hat damit die Produktion fünfmal stärker gekürzt als eigentlich erforderlich und maßgeblich zur deutlichen Übererfüllung der OPEC-Produktionskürzungen beigetragen. Aber auch ohne Venezuela ist die OPEC-Produktion stärker gefallen als vereinbart (siehe Grafik 2). Die OPEC produziert deshalb momentan schätzungsweise 500.000 Barrel pro Tag weniger als vom Markt benötigt.

Grafik 1: Brent-Öl so teuer wie zuletzt im Herbst 2014
Grafik 1: Brent-Öl so teuer wie zuletzt im Herbst 2014
Stand: 15. Mai 2018; Quelle: Bloomberg, Commerzbank Research
Grafik 2: OPEC kürzt Produktion stärker als vorgesehen

Umsetzung der zugesagten Kürzungen

Grafik 2: OPEC kürzt Produktion stärker als vorgesehen
Stand: April 2018; Quelle: IEA, Commerzbank Research

Die Erwartung, dass US-Präsident Trump die Iran-Sanktionen Mitte Mai wieder in Kraft setzen würde, wirkte zusätzlich preistreibend. Trump machte nun seine Drohung wahr und kündigte das Atomabkommen mit dem Iran faktisch auf (siehe auch Kasten). Kurzfristig hat dies keine Auswirkungen auf das Ölangebot, denn die USA importieren ohnehin kein Rohöl aus dem Iran. Die wichtigsten Käufer von iranischem Öl sind laut Bloomberg China mit einem Anteil von 30 Prozent, die EU mit 25 Prozent, Indien mit 22,5 Prozent sowie Japan, Südkorea und die Türkei mit zusammen 19 Prozent. Die entscheidende Frage ist daher, ob diese Länder ihre Ölimporte aus dem Iran einschränken werden. Unter den bis Anfang 2016 geltenden Sanktionen mussten die Importeure von iranischem Öl nachweisen, dass sie ihre Öleinfuhren aus dem Iran merklich reduziert haben, um weiterhin Zugang zum US-Finanzsystem zu erhalten. Die Einhaltung dieser Vorgabe musste alle sechs Monate vom US-Präsidenten bestätigt werden. In der Folge dieser Maßnahmen sanken die iranischen Ölexporte laut Daten von JODI in den Jahren 2014 und 2015 zwischenzeitlich auf 1,3 Millionen Barrel pro Tag (siehe Grafik 3). Vor den Sanktionen lagen sie bei gut 2 Millionen Barrel pro Tag. Laut US-Finanzministerium haben die betroffenen Länder nun 180 Tage Zeit, die US-Sanktionen umzusetzen. Das heißt, die volle Wirkung würden die Sanktionen erst 2019 entfalten.

Grafik 3: Irans Ölexporte mittlerweile wieder auf Vorsanktionsniveau

Iranische Rohölexporte

Grafik 3: Irans Ölexperte mittlerweile wieder auf Vorsanktionsniveau
Stand: April 2018; Quelle: JODI, Bloomberg, Commerzbank Research

Etwa die Hälfte des Rückgangs der iranischen Ölexporte während der Sanktionen bis Anfang 2016 entfiel auf die EU. Diese hatte die Öleinfuhren aus dem Iran ab Mitte 2012 sogar vollständig eingestellt. Einen kompletten Einfuhrstopp für iranisches Öl dürfte die EU diesmal kaum verhängen, da die EU am Abkommen festhalten will. Dies gilt zumindest so lange, wie der Iran seine Verpflichtungen weiter erfüllt. Die anderen Importländer hatten ihre Öleinfuhren aus dem Iran entsprechend den US-Vorgaben deutlich reduziert. Sie dürften diesmal die Öleinkäufe im Iran nur so weit reduzieren wie unbedingt nötig, wenn überhaupt. Ob sich China von den USA nochmals Einschränkungen bei der Einfuhr von iranischem Öl vorschreiben lässt, ist fraglich. Mit der Einführung eines auf chinesischen Renminbi notierenden Rohöl-Future Ende März ist China beim Ölhandel weniger abhängig vom US-Dollar geworden. Die von Trump angekündigten und teilweise eingeführten Strafzölle auf chinesische Produkte dürfte die Kooperationsbereitschaft Chinas auch nicht gerade erhöht haben, solange die USA hier kein Entgegenkommen zeigen. Die sanktionsbedingten Ausfälle dürften daher deutlich kleiner sein als 2014 und 2015. Das Energie-Beratungsunternehmen FGE schätzt, dass die iranischen Ölexporte in diesem Jahr um 200.000 bis 500.000 Barrel pro Tag gedrückt werden könnten, im nächsten Jahr um bis zu 700.000 Barrel pro Tag, wobei darin laut FGE nicht nur Rohöl, sondern auch Kondensate enthalten sind.

Doch selbst wenn durch die neuen Sanktionen »nur« 200.000 Barrel pro Tag an iranischem Öl vom Markt genommen werden, würde dies den ohnehin angespannten Ölmarkt weiter verknappen. Im Gegensatz zu den unplanmäßigen Ausfällen wegen des Bürgerkriegs in Libyen 2011 und der Iran-Sanktionen ab 2012 hat Saudi-Arabien die Ausfälle in Venezuela bislang nicht ausgeglichen (siehe Grafik 4). Saudi-Arabien hat zwar angedeutet, etwaige sanktionsbedingte Produktionsausfälle des Iran ausgleichen zu wollen, allerdings nicht im Alleingang, sondern nur in Absprache mit den anderen am Kürzungsabkommen beteiligten Ländern. Denn ansonsten könnten sich auch andere OPEC-Länder sowie Russland nicht mehr an die Kürzungen gebunden fühlen, von der Reaktion des Iran auf einen derartigen Affront seines Erzfeinds ganz zu schweigen.

Grafik 4: Saudi-Arabiens höhere Produktion glich Ausfälle in Libyen und dem Iran teilweise aus, Veränderung gegenüber Anfang 2011
Grafik 4: Saudi-Arabiens höhere Produktion glich Ausfälle in Lybien und dem Iran teilweise aus, Veränderung gegenüber Anfang 2011
Stand: April 2018; Quelle: Bloomberg, Commerzbank Research

Das Ölangebot würde nur dann knapper werden, wenn sich die wichtigsten Abnehmerländer für iranisches Öl den US-Sanktionen vorbehaltlos anschließen. Dies ist keinesfalls sicher. Denn im Gegensatz zu den internationalen Sanktionen bis Anfang 2016 handeln die USA diesmal im Alleingang und gegen den Willen der anderen Unterzeichnerländer des Atomabkommens. Zudem ist dem Iran kein Verstoß gegen das Abkommen nachzuweisen. Entsprechend schwer dürfte es den USA fallen, die anderen Staaten von einer freiwilligen Beteiligung an den Sanktionen zu überzeugen. Eine Beteiligung unter Zwang über den drohenden Ausschluss unwilliger Länder vom US-Dollar-Zahlungsverkehr würde die westliche Welt vor eine Zerreißprobe stellen, den Konflikt mit China verschärfen und die Rolle des US-Dollar als Weltleitwährung unterminieren. All dies wäre für die USA mit Risiken verbunden. Die Erwartung, dass durch die US-Sanktionen gegen den Iran automatisch auch deutlich weniger iranisches Öl an den Markt gelangt, dürfte daher überzogen sein. Zudem würde die US-Ölproduktion beim derzeit hohen Preisniveau noch stärker ausgeweitet werden und damit helfen, die Angebotslücke zu schließen. Schließlich dürfte der Markt eine Anhebung der OPEC-Produktion im nächsten Jahr vorwegnehmen, wenn das Kürzungsabkommen wie bislang vorgesehen Ende des Jahres ausläuft. Wir haben unsere Preisprognose für Brent infolge des angespannteren Ölmarkts und der Unsicherheit hinsichtlich der neuen Iran-Sanktionen nach oben revidiert. Im laufenden Quartal dürfte Brent bei durchschnittlich 72 US-Dollar je Barrel notieren (bisherige Prognose: 62 US-Dollar je Barrel), am Jahresende bei 65 US-Dollar je Barrel (bislang 60 US-Dollar). Wir gehen somit weiterhin davon aus, dass Brent-Öl am Jahresende deutlich niedriger notieren wird als momentan.

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Aber Achtung: Da die von der Commerzbank angebotenen Produkte in Euro notieren, der Handelspreis von Brent und WTI allerdings in US-Dollar, besteht für den Investor ein Währungsrisiko. Ein steigender Euro/US-Dollar-Wechselkurs wirkt sich negativ auf den Wert des Zertifikats aus. Um das Wechselkursrisiko für den Anleger auszuschalten, bietet die Commerzbank in der Regel neben einer nicht währungsgesicherten Variante (Non-Quanto) auch eine währungsgesicherte bzw. währungsoptimierte (Quanto/FXopt) Variante an. Allerdings ist hier zu beachten, dass für die Währungssicherung Kosten anfallen können, die den Wert des Zertifikats mindern. Anleger haben also die Wahl, sollten aber bedenken, dass bei der nicht währungsgesicherten Variante neben dem Risiko natürlich auch die Chance entfällt, mit einem fallenden Euro/US-Dollar-Wechselkurs eine höhere Rendite zu erzielen.

Faktor-Zertifikate

WKN

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FXopt

Geld-/Briefkurs

CD4 GWB

Oil Brent Future

Long

4

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23,99/24,14 EUR

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4

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3,62/3,63 EUR

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68,680 USD

21,7

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CV7 9TD

Oil Brent Future

Put

86,651 USD

10,9

Ja

Unbegrenzt

7,31/7,33 EUR

CV7 4MZ

Oil WTI Future

Put

78,340 USD

10,2

Ja

Unbegrenzt

7,02/7,04 EUR

CV6 ZZ6

Oil Brent Future

Put

82,642 USD

23,6

Nein

Unbegrenzt

2,83/2,84 EUR

CV5 UVZ

Oil WTI Future

Put

75,117 USD

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Nein

Unbegrenzt

3,20/3,21 EUR

Stand: 18. Mai 2018; Quelle: Commerzbank AG

Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.de zur Verfügung.