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»America First« – Ein Problem für den US-Dollar?

Die als chaotisch wahrgenommene Politik der US-Regierung scheint den US-Dollar am Devisenmarkt zu belasten. Warum das so ist, ist keinesfalls trivial. Einer der Gründe mag sein, dass zunehmend wieder darüber diskutiert wird, ob der US-Dollar aufgrund der politischen Wirren in Washington seinen Status als Weltleitwährung verlieren könnte. Zugegeben: Die Risiken für solch ein Szenario haben zugenommen. Wir erläutern, warum. Aber es bleibt ein Risikoszenario.

Nicht schon wieder dieses Thema!? Dem Leitwährungsstatus des US-Dollar wurde schon so oft ein Ende prophezeit, dass man es eigentlich nicht mehr hören kann. Schon in den Sechzigerjahren plädierte Charles de Gaulle dafür, zuletzt 2009 die damaligen Regierungschefs Russlands und Chinas. Und es gibt eine ganze Ökonomen-Gilde (die »Deklinisten«), in der sich unterschiedliche Denkschulen streiten, warum der US-Dollar seinen Leitwährungsstatus verlieren wird. Nur passiert ist nichts. Immer noch wird ein Großteil des Welthandels in der US-Währung fakturiert, immer noch halten Zentralbanken den überwiegenden Teil ihrer Währungsreserven im US-Dollar (siehe Grafik 1).

Grafik 1: Anteil des US-Dollar an den allokierten Devisenreserven
Grafik 1: Anteil des US-Dollar an den allokierten Devisenreserven
Stand: April 2018; Quelle: Commerzbank Research

Allerdings sind neue Risiken für den US-Dollar-Status entstanden. Die – höflich ausgedrückt – unkonventionelle Politik der US-Regierung wird als Belastung für den US-Dollar empfunden. Nicht zuletzt deshalb, weil sie eine Gefahr für den Leitwährungsstatus der US-Währung sein könnte. Warum?

Diese Frage scheint trivial, ist sie aber nicht. Politische Risiken übersetzen sich nicht automatisch in Währungsschwäche. Auch Ronald Reagan galt in den frühen Achtzigerjahren als unkonventioneller Politiker. Erinnert sei nur an seine berühmte Sprechprobe 1984, in der er so tat, als befehle er einen Atomschlag gegen Russland – und eine Alarmierung sowjetischer Luftwaffen- und Marineeinheiten auslöste. Dennoch legte der US-Dollar in jener Phase deutlich zu (»Reagan-Dollar«). Unkonventionelles politisches Verhalten ist offensichtlich nicht immer wechselkursrelevant. Warum jetzt? Einer der Gründe könnte sein, dass der US-Dollar heute deutlich »politisierter« ist, als er es früher war. Diese Änderung fand bereits zur Zeit der Obama-Regierung statt. Im Gegensatz zu allen US-Regierungen seit Eisenhower waren die USA unter Trumps Vorgänger dazu übergegangen, den Leitwährungsstatus ihrer Währung politisch zu instrumentalisieren. Wie?

US-Dollar-Geschäfte laufen letztendlich über US-Banken. Früher interessierte die US-Banken nicht, wer als wirtschaftlich Begünstigter hinter diesen Geschäften stand. US-Dollar-Transaktionen im Rest der Welt konnten daher unabhängig von der jeweiligen US-Sanktionspolitik erfolgen. Diese Tatsache war weithin bekannt und konnte jedem einschlägigen Lehrbuch entnommen werden. Doch das hat sich geändert. Heute erzwingen die US-Behörden die Offenlegung der jeweils wirtschaftlich Begünstigten und verhindern US-Dollar-Transaktionen, die ihrer Sanktionspolitik entgegenlaufen. De facto zwingen sie – weil der Leitwährungsstatus des US-Dollar US-Dollar-Transaktionen weltweit nötig macht – dem Rest der Welt ihre Sanktionspolitik auf.

Das war unter der Obama-Regierung unproblematisch, weil die US-Sanktionen mit den Sanktionen anderer Industrienationen koordiniert waren. Was in den USA verboten war, war auch im Rest der Welt größtenteils verboten. Ausnahmen (zum Beispiel Geschäfte mit Kuba) waren so gering, dass niemand ernsthaft besorgt sein musste. Das ändert sich seit dem Machtwechsel im Weißen Haus. Im Fall des Iran könnte es zum Bruch zwischen Europäern und der US-Regierung kommen. Gut, man kann argumentieren, der Handel des Rests der Welt mit dem Iran sei kaum relevanter als der mit Kuba. Aus diesem Fall einen Strick für den Leitwährungsstatus des US-Dollar drehen zu wollen, scheint übertrieben. Aber der Iran scheint nur ein Exempel für ein größeres Problem zu sein.

Präsident Donald Trumps unilateralistische »America First«-Politik scheint mehr und mehr zu implizieren, dass die USA ihre Außenpolitik (und damit auch ihre Sanktionspolitik) nicht mehr mit ihren Verbündeten koordinieren. Und sie scheint zu implizieren, dass die US-Außenpolitik wahrscheinlich Gegensätze zur Außenpolitik Europas und anderer Industrieländer produzieren könnte. Überall dort, wo Amerikas intrinsische Interessen denen der Europäer entgegenlaufen. Bisher war die extraterritorial wirkende US-Sanktionspolitik kein Thema im Politikbetrieb Europas oder Japans. Das könnte sich ändern, wenn die USA den Leitwährungsstatus des US-Dollar gegen ein wirtschaftlich bedeutendes Land einsetzen würden, das Europa und Japan nicht mit Sanktionen belegen wollen. Dann müsste der Handel mit diesem Land mit anderen Währungen abgewickelt werden, und das Land könnte keine US-Dollar-denominierten Devisenreserven mehr halten. Weil solch ein Szenario nicht mehr ausgeschlossen werden kann, würde es auch nicht überraschen, wenn dieses Risiko schon heute den Status des US-Dollar als Weltleitwährung erodiert.

Hinzu kommt, dass bislang keine Alternative zum US-Dollar zur Verfügung stand:

  • Der Renminbi ist weiterhin eher nicht frei konvertierbar, und seine Wechselkursentwicklung unterliegt immer noch politischer Einflussnahme. Außerdem sind Chinas Kapitalmärkte noch nicht weit genug entwickelt, um große Kapitalzuflüsse absorbieren zu können und liquide und rechtssicher zu halten.
  • Künstliche Währungen (wie die Sonderziehungsrechte des Internationalen Währungsfonds) mangelt es ebenso an Anlagemöglichkeiten. Und sie sind nicht hinreichend liquide.
  • Last but not least: Der Euro litt in den vergangenen Jahren unter der Euroraumkrise von 2010/2012 und ihren Nachwirkungen. Viele Beobachter argumentierten in der Krise und danach, dass (a) die Realwirtschaft des Euroraums dauerhaften Schaden nehmen und (b) die Finanzmarktstabilität des Euroraums dauerhaft beschädigt bleibe. Alles das sprach gegen den Euro als neue Weltleitwährung.

Doch dürften viele Marktteilnehmer ihre Sicht auf den Euroraum in den zurückliegenden Quartalen revidiert haben. Mit hervorragenden Wachstumsraten beweist dieser Kontinent, dass keine Bremsspuren der Krisenjahre mehr wirken. Klar, auch 2,5 Prozent Wachstum wären nicht mehr als die gegenwärtige US-Wachstumsrate. Doch darauf kommt es nicht an. Der Euroraum ist seit seiner Gründung außerhalb von Rezessionszeiten stets mit nur 2 Prozent gewachsen. Die positive Überraschung besteht darin, dass das auch nach der Krise der Fall ist und die Unkenrufe sich nicht bestätigt haben. Und auch Finanzmarktrisiken spielen im Markt keine Rolle. Selbst die Wahlen in Italien haben nicht zu signifikant höheren Risikoaufschlägen geführt. Die europäische Initiative des französischen Präsidenten und Initiativen der Kommission zur weiteren Integration dürften weithin als langfristig risikoreduzierend wahrgenommen werden. All das mag dazu führen, dass der Euro derzeit als Alternative zum US-Dollar in dessen Rolle als Leitwährung wahrgenommen wird.

Ja, alles in allem sind in jüngster Zeit neue Risiken für den Status des US-Dollar als Weltleitwährung entstanden. Doch was heißt das für aktuelle Anlageentscheidungen von Investoren? Seit 70 Jahren fungiert der US-Dollar recht stabil als Weltleitwährung. Nixons Aufheben der Gold-Deckung, der Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems, zweistellige Inflationsraten in den Siebzigerjahren, Kriege, Rezessionen, Aktien-Crashs, Immobilien- und Finanzmarktkrisen haben daran nichts geändert. Vielleicht ist diesmal alles anders. Aber nur vielleicht. Ich sehe ein Ende der US-Dollar-zentristischen Finanzordnung daher eher als Risikoszenario an. Darauf jetzt Wetten gegen die US-Währung platzieren zu wollen, halte ich für wenig sinnvoll.

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Faktor-Zertifikate

WKN

Basiswert

Strategie

Faktor

Laufzeit

Geld-/Briefkurs

CD9 105

EUR/USD

Long

1

Unbegrenzt

10,68/10,70 EUR

CD9 10B

EUR/USD

Long

5

Unbegrenzt

12,29/12,41 EUR

CD9 10D

EUR/USD

Long

10

Unbegrenzt

11,76/12,00 EUR

CD9 1QE

EUR/USD

Short

–1

Unbegrenzt

9,31/9,33 EUR

CD9 10C

EUR/USD

Short

–5

Unbegrenzt

5,97/6,02 EUR

CD9 10E

EUR/USD

Short

–10

Unbegrenzt

2,72/2,77 EUR

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WKN

Basiswert

Typ

Basispreis/Knock-Out-Barriere

Hebel

Laufzeit

Geld-/Briefkurs

CV3 3R3

EUR/USD

Call

1,0798 USD

8,2

Unbegrenzt

12,22/12,33 EUR

CV3 3RB

EUR/USD

Call

1,1604 USD

17,6

Unbegrenzt

5,66/5,68 EUR

CV2 ZDX

EUR/USD

Put

1,3914 USD

7,6

Unbegrenzt

13,18/13,19 EUR

CV6 A77

EUR/USD

Put

1,3074 USD

15,7

Unbegrenzt

6,34/6,36 EUR

Stand: 20. April 2018; Quelle: Commerzbank AG

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