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E.ON – Ein Konzern erfindet sich (nochmals) neu

Die Rückzahlung der Brennelementesteuer und der anstehende Verkaufserlös aus der Uniper-Beteiligung führen zu einer signifikanten Verbesserung des finanziellen Spielraums bei E.ON. Die nun gemeinsam mit RWE geplante Neuaufstellung der Aktivitäten wird sehr positiv aufgenommen und verbessert die Perspektiven erheblich. In einem sich merklich verbessernden Gesamtszenario hat dies bereits zu einem deutlichen Anstieg der E.ON-Bewertung geführt.

E.ON mit radikalem Neustart
Deutschlands größter Energiekonzern hatte das traditionelle Energiegeschäft mit den Geschäftsfeldern konventionelle Erzeugung (Gas- und Kohleerzeugung), den globalen Energiehandel sowie Exploration und Produktion in eine eigenständige neue Gesellschaft mit dem Namen Uniper überführt. E.ON konnte sich seitdem auf das Geschäft mit erneuerbaren Energien, Netzen und auf das Endkundengeschäft fokussieren. Entgegen der ursprünglichen Planung blieben auch die Atomstromerzeugung und die damit verbundenen Lasten (als Nichtkerngeschäft) bei E.ON.

Die E.ON-Aktionäre hatten im Herbst 2016 im Rahmen einer Abspaltung zusätzliche börsennotierte Aktien der Gesellschaft Uniper erhalten. Rund 47 Prozent der Uniper-Aktien sind danach bei E.ON verblieben.

Grafik 1: Wertentwicklung E.ON
Stand: 21. März 2018; Quelle: Reuters
Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Atommüll-Konsens: Zwischen- und Endlagerung wurden ausgelagert
Die deutschen AKW-Betreiber haben wie geplant Anfang Juli 2017 insgesamt 24,1 Milliarden Euro an den staatlichen Atomfonds überwiesen. Damit entledigten sich unter anderem E.ON und RWE ihrer Pflichten zur Zwischen- und Endlagerung des radioaktiven Mülls und bleiben »lediglich« für den Abbau ihrer Atomanlagen verantwortlich. Hierfür wurden jedoch bereits Rückstellungen in Milliardenhöhe gebildet.

Gerichtsurteil bescherte einen nicht erwarteten Geldsegen
Nach der überraschenden Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Nichtigkeit der Brennelementesteuer haben die deutschen Versorgerunternehmen hohe Rückzahlungen vom Staat erhalten. Nach der Verrechnung mit Zinsen und Steuern entfielen allein auf E.ON rund 2,8 Milliarden Euro. Vorstandschef Johannes Teyssen hat das Geld nicht als Sonderdividende ausgeschüttet. Vielmehr wird es ausschließlich für den Rückbau alter Anlagen bzw. zur Stärkung der Bilanz verwendet. Mit dem Verzicht auf eine Sonderausschüttung ging E.ON bewusst einen anderen Weg als der Wettbewerber RWE, der einen Teil der Rückzahlung in diesem Jahr als Sonderausschüttung an die Aktionäre weitergibt.

Ein überraschendes Angebot von Fortum
Der Versorger Fortum hat E.ON 2017 ein Angebot für die Uniper-Beteiligung unterbreitet. Hierbei boten die Finnen 22,00 Euro je von E.ON gehaltene Uniper-Aktie. Unmittelbar im Anschluss hatte Fortum ein offizielles Übernahmeangebot ausgesprochen und damit die Offerte auf den Kreis der außenstehenden Aktionäre ausgeweitet. Die Finnen erteilten einer etwaigen Erhöhung des Angebots eine klare Absage. Uniper-Aktionäre konnten ihre Aktien bis Anfang Februar 2018 zum Verkauf einreichen.

Der Kurs der Uniper-Aktie ist – getrieben von der Übernahmephantasie und den verbesserten operativen Perspektiven – im Anschluss über den Angebotspreis gestiegen. Ein höheres Angebot eines anderen Bieters ist allerdings nicht erfolgt und nun Anfang 2018, das heißt nach Ablauf der Angebotsfrist, auch nicht mehr zu erwarten.

Endgültige Trennung von Uniper beschlossen
Wie bereits verkündet, wird E.ON seinen rund 47-Prozent-Anteil an Uniper im Rahmen des Fortum-Übernahmeangebots verkaufen und damit rund 3,8 Milliarden Euro erlösen. Obwohl der Uniper-Kurs fortwährend deutlich über dem Angebotspreis von 22,00 Euro je Aktie lag, blieb E.ON keine andere Wahl. Eine mit Fortum vorab getroffene Vereinbarung sah eine hohe Vertragsstrafe für den Fall vor, dass E.ON die Transaktion abbrechen würde und die Uniper-Aktien nicht angedient hätte.

Das Übernahmeangebot ist inzwischen beendet. Fortum wartet nun noch auf die notwendigen Freigaben der involvierten Kartellbehörden, die bislang als sicher galten. Zuletzt gab es jedoch Bedenken hinsichtlich einer Genehmigung aus Russland. Mit dem Verkaufserlös dürfte E.ON die weitere Entschuldung deutlich vorantreiben. Gleichzeitig hat das Unternehmen nun deutlich mehr Spielraum für Investitionen in das neue Geschäftsmodell.

UK-Strommarkt steht vor regulatorischem Eingriff
Die britische Premierministerin Theresa May hat erneut die Einführung von Preisobergrenzen bei Stromtarifen angekündigt, um die Bürger von hohen Energiekosten zu entlasten. Auswirkungen hätte dies auch auf das britische E.ON-Geschäft. Das Thema ist nicht neu. E.ON hat sich trotz anhaltender Kundenverluste in Großbritannien aber stabiler entwickelt als zum Beispiel die Tochtergesellschaft des Wettbewerbers innogy (npower) und dürfte einen durch eine Preisbremse ausgelösten Ergebnisrückgang mit Blick auf die konzernweit bessere Aufstellung insgesamt kompensieren können.

E.ON sieht sich als einer der Versorger auf dem britischen Markt, der mittelfristig gestärkt aus der jetzt schwierigen Situation hervorgehen wird. Im Gegensatz zum geplanten Vorgehen der RWE-Tochter innogy bleibt E.ON in Großbritannien im vollen Umfang engagiert.

Radikale Neuordnung des deutschen Versorgermarktes
Mit einem Paukenschlag sortieren sich E.ON und RWE neu. Die RWE-Tochter innogy (Anteilsbesitz bislang 76,79 Prozent) wird an E.ON abgegeben und anschließend aufgeteilt. Dabei soll E.ON die Verteilnetze und das Vertriebsgeschäft erhalten, erneuerbare Energien werden künftig bei RWE angesiedelt. Dies gilt auch für den Teil des Ökostromgeschäfts, der bislang bei E.ON lag. RWE zahlt hierfür und für weitere kleinere Assets 1,5 Milliarden Euro und erhält zudem im Rahmen einer Sachkapitalerhöhung 16,67 Prozent der E.ON-Anteile.

Innogy-Aktionären wird kurzfristig ein Abfindungsangebot zu 40,00 Euro je Aktie unterbreitet. Dies entspricht rund 36,76 Euro/Aktie zuzüglich geplanter Dividendenzahlungen für 2017 und 2018. E.ONs Offerte hat ein rechnerisches Gesamtvolumen von rund 5,2 Milliarden Euro.

E.ON und RWE bekommen Rückenwind für die geplante Transaktionsstruktur
Die Aufsichtsräte von E.ON und RWE haben sehr zügig grünes Licht für die Neuordnung ihrer Unternehmen (inklusive einer Zerschlagung von innogy) gegeben. Überhaupt gibt es von fast allen Seiten erstaunlich große Zustimmung für die geplante Transaktion. Einerseits gibt es viel Zuspruch aus dem politischen Lager, wobei die – gerade im internationalen Vergleich – mittel- bis langfristige Stärkung der beiden großen deutschen Energiekonzerne befürwortet wird. Selbst die Monopolkommission rechnet in einer ersten Einschätzung nicht damit, dass die Pläne an den Kartellbehörden scheitern könnten.

Schwierig dürfte sich lediglich die Situation auf dem britischen Markt gestalten, wo es wenig Bereitschaft für eine Reduzierung der Wettbewerbsteilnehmer gibt. Einzelne kritische Stimmen heben allerdings hervor, dass im Zuge des umfangreichen Beteiligungstausches mindestens 5.000 Arbeitsplätze bei innogy und E.ON verloren gehen. Auf der anderen Seite könnten die Synergieeffekte allein bei E.ON ab dem Jahr 2022 bereits bei 600 bis 800 Millionen Euro jährlich liegen, was gleichzeitig oberhalb erster Schätzungen liegt.

Berichterstattung wird zur Nebensache
E.ON und RWE haben ihre Zahlen für das vierte Quartal veröffentlicht, die ähnlich wie die Berichterstattung von innogy wegen der momentanen Nachrichtenlage vergleichsweise wenig Beachtung gefunden haben. E.ON hat dabei bessere Zahlen als erwartet berichtet. Das Unternehmen teilte mit, den um Sondereffekte bereinigten Gewinn bis zum Jahr 2020 um durchschnittlich 3 bis 4 Prozent steigern zu wollen. Der Ausblick lag damit insgesamt oberhalb der Annahmen. Wie erwartet, wird die E.ON-Ausschüttung für das Geschäftsjahr 2017 30 Cent je Aktie betragen. Für 2018 sind 43 Cent eingeplant.

Das gezeigte neue Szenario wirkt insgesamt äußerst positiv auf die Aktienkursentwicklung der involvierten Unternehmen. E.ON richtet sich als neues führendes europäisches Versorgerunternehmen mit dem Schwerpunkt Netze und Vertrieb aus, während aus RWE ein deutlich gestärkter Spezialist in der Energie- und Stromerzeugung mit einem massiv ausgebauten Portfolio an erneuerbaren Energien wird. Die geplante Kapitalbeteiligung RWEs wird die Unternehmen miteinander verbinden. Durch die neue Abgrenzung der Geschäftssegmente geht man sich künftig im Rahmen des direkten Wettbewerbs weitestgehend aus dem Weg.

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Capped Bonus-Zertifikate

WKN

Basiswert

Bonuslevel/ Cap

Barriere

Bonusrendite p.a.

Abstand zur Barriere

Bewertungstag

Geld-/ Briefkurs

CV7 UT9

E.ON

8,90 EUR

5,60 EUR

3,99 %

36,77 %

21.12.2018

8,62/8,63 EUR

CV5 8MN

E.ON

9,70 EUR

6,20 EUR

8,56 %

29,94 %

21.12.2018

9,08/9,09 EUR

CV1 YC6

E.ON

10,50 EUR

6,60 EUR

13,43 %

25,37 %

21.12.2018

9,48/9,49 EUR

CV1 YC9

E.ON

11,00 EUR

7,20 EUR

21,72 %

18,57 %

21.12.2018

9,39/9,40 EUR

CV1 YCC

E.ON

11,60 EUR

7,80 EUR

33,99 %

11,48 %

21.12.2018

9,15/9,16 EUR

Unlimited Turbo-Optionsscheine

WKN

Basiswert

Typ

Basispreis/Knock-Out-Barriere

Hebel

Laufzeit

Geld-/Briefkurs

CV3 FH5

E.ON

Call

7,33/7,56 EUR

5,7

Unbegrenzt

1,53/1,54 EUR

CA0 MSZ

E.ON

Call

8,05/8,28 EUR

10,8

Unbegrenzt

0,81/0,82 EUR

CA0 TFT

E.ON

Call

9,53/9,25 EUR

12,8

Unbegrenzt

0,68/0,69 EUR

CV5 H2C

E.ON

Put

10,35/10,03 EUR

5,9

Unbegrenzt

1,50/1,51 EUR

CA0 SHL

E.ON

Put

9,73/9,45 EUR

9,8

Unbegrenzt

0,89/0,90 EUR

CA0 QL1

E.ON

Put

8,24/8,48 EUR

14,0

Unbegrenzt

0,62/0,63 EUR

Stand: 22. März 2018; Quelle: Commerzbank AG
Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.de zur Verfügung.