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Commerzbank Analysen

Ölpreise zu Jahresbeginn hin- und hergerissen

Die Ölpreise erreichten Ende Januar das höchste Niveau seit mehr als drei Jahren. Preistreibend waren ein großer Risikoappetit der Marktteilnehmer und ein schwächerer US-Dollar. Zudem hat sich der globale Ölmarkt Ende 2017 wegen hoher unplanmäßiger Ausfälle stärker als erwartet eingeengt. Doch die Marktstimmung drehte Anfang Februar, sodass die Ölpreise die Gewinne vom Januar vollständig wieder abgaben und sogar unter das Jahreseinstandsniveau fielen. Der Ölmarkt dürfte sich 2018 wegen einer stark steigenden US-Ölproduktion merklich entspannen und die Preise dürften folglich weiter nachgeben.

Der Brent-Ölpreis erreichte Ende Januar in der Spitze gut 71 US-Dollar je Barrel, WTI knapp 67 US-Dollar je Barrel. Teurer war Rohöl zuletzt im Dezember 2014. Der Preisanstieg zu Jahresbeginn war auf eine deutliche Zunahme des Risikoappetits an den Finanzmärkten zurückzuführen. In den USA eilten die wichtigsten Aktienindizes bis Ende Januar von Rekord zu Rekord. Dies hing zum einen mit der deutlichen Verbesserung der globalen Konjunkturaussichten zusammen, nachdem die Wirtschaftsdaten in den drei wichtigsten Wirtschaftsräumen USA, Europa und Asien positiv überraschten. Zum anderen passierte die US-Steuerreform Ende Dezember nach wochenlangen Verhandlungen den US-Kongress. Die darin beschlossenen Steuersenkungen für Unternehmen führten zu einem kräftigen Anstieg der Gewinnerwartungen. Seit Mitte Dezember kam noch eine ausgeprägte Abschwächung des US-Dollar als weiterer preistreibender Faktor hinzu, da zwischen US-Dollar-Wechselkurs und Rohstoffpreisen ein inverser Zusammenhang besteht. Denn ein schwächerer US-Dollar macht die in US-Währung notierenden Rohstoffe für Käufer aus dem Nicht-Dollar-Raum billiger. Gleichzeitig senkt er die Erträge der Rohstoffproduzenten in heimischer Währung. Um diese Effekte auszugleichen, ist ein höherer Preis in US-Dollar erforderlich. Dass die spekulativen Finanzanleger bei dieser Nachrichtenlage auf den fahrenden Zug aufsprangen und mit ihren Käufen den Preisanstieg verstärkten, ist wenig verwunderlich. Die spekulativen Netto-Long-Positionen bei Brent und WTI erreichten im Januar jeweils ein Rekordniveau (siehe Grafik 1). Sie summierten sich dabei auf mehr als 1 Million Kontrakte.

Grafik 1: Ölpreisanstieg bis Ende Januar stark spekulativ getrieben
Grafik 1: Ölpreisanstieg bis Ende Januar stark spekulativ getrieben
Stand: 6. Februar 2018; Quelle: ICE, ‚CFTC‚, Bloomberg‚, Commerzbank Research

Der Preisanstieg bis Ende Dezember hatte aber auch ölmarktspezifische Gründe. Einer davon ist die disziplinierte Umsetzung der Produktionskürzungen der am Abkommen beteiligten OPEC-Länder und einiger wichtiger Nicht-OPEC-Länder, insbesondere Russland. Laut Internationaler Energieagentur (IEA) lag die Umsetzung innerhalb der OPEC über das ganze Jahr 2017 betrachtet bei durchschnittlich 100 Prozent, im Falle von Russland bei 80 Prozent. Am Jahresende übertrafen die Kürzungen der OPEC die getroffenen Zusagen sogar deutlich (siehe Grafik 2). Anstelle der im Abkommen zugesagten Kürzung um 1,176 Millionen Barrel pro Tag lag die Produktion im Dezember sogar 1,558 Millionen Barrel pro Tag unter dem Ausgangsniveau. Im Januar zeigte sich ein ähnliches Bild. Die deutliche Abweichung von der Zielvorgabe ist auf Venezuela zurückzuführen, wo die Ölproduktion Ende 2017 regelrecht eingebrochen ist und zuletzt nur noch bei 1,6 Millionen Barrel pro Tag lag. Das ist das niedrigste Niveau seit 30 Jahren, wenn man von einem streikbedingten Einbruch Anfang 2003 absieht (siehe Grafik 3). Der Produktionsrückgang in Venezuela ist nicht freiwillig, sondern auf die schwere politische und wirtschaftliche Krise im Land zurückzuführen. Es spricht wenig für eine schnelle Erholung der venezolanischen Ölproduktion. Venezuela wird die OPEC-Produktion wohl noch für längere Zeit drücken und so für eine hohe Umsetzung der Förderkürzungen sorgen.

Grafik 2: OPEC kürzte Produktion zuletzt stärker als vorgesehen ...
Grafik 2: OPEC kürzte Produktion zuletzt stärker als vorgesehen ...
Stand: 19. Januar 2018; Quelle: IEA, Commerzbank Research
Grafik 3: ... dank des Einbruchs der Ölproduktion in Venezuela
Grafik 3: ... dank des Einbruchs der Ölproduktion in Venezuela
Stand: 13. Februar 2018; Quelle: IEA, Bloomberg, Commerzbank Research

Dazu kamen noch unplanmäßige Produktionsausfälle in der Nordsee im Dezember aufgrund der vorübergehenden Schließung einer wichtigen Ölpipeline wegen notwendiger Reparaturarbeiten. Die daraus resultierenden Ausfälle beziffert die US-Energiebehörde auf gut 320.000 Barrel pro Tag, was somit fast das Niveau der Ausfälle in Venezuela erreicht. Das durch die Ausfälle knappere Ölangebot führte Ende 2017 zu einem kräftigen Lagerabbau. Laut Angaben der IEA fielen die kommerziellen Ölvorräte in den OECD-Ländern im vierten Quartal 2017 um 1,3 Millionen Barrel pro Tag und im Dezember so stark wie zuletzt vor fast sieben Jahren. In den USA gab es im vierten Quartal laut wöchentlicher Daten des US-Energieministeriums sogar den stärksten Lagerabbau bei Rohöl seit 15 Jahren. Anfang Januar erreichten die US-Rohölbestände das niedrigste Niveau seit fast drei Jahren. Dazu trugen eine rekordhohe Rohölverarbeitung der Raffinerien und robuste Rohölexporte bei. Beide profitierten von dem im Vergleich zum Weltmarkt günstigen Preisniveau für US-Rohöl. Im Quartalsdurchschnitt kostete WTI im vierten Quartal 6 US-Dollar je Barrel weniger als die internationale Ölsorte Brent.

Der Trend fallender Lagerbestände dürfte sich aber nicht fortsetzen. Im ersten Quartal steigen die Rohölvorräte in den USA saisonüblich, weil die Raffinerien Wartungsarbeiten durchführen und weniger Rohöl verarbeiten. Die Verarbeitungsmargen für Ölprodukte sind in den vergangenen Wochen zudem deutlich gefallen. Dies dürfte die Nachfrage der Raffinerien zusätzlich bremsen. Dem steht ein deutlich steigendes Ölangebot außerhalb der OPEC gegenüber. Haupttreiber dieser Entwicklung sind die USA. Denn bei Preisen deutlich oberhalb von 60 US-Dollar je Barrel ist das Bohren nach Schieferöl sehr lukrativ. Laut der US-Energiebehörde EIA liegt die US-Rohölproduktion bereits oberhalb der Marke von 10 Millionen Barrel pro Tag (siehe Grafik 4). Für das laufende Jahr prognostiziert die EIA einen Produktionsanstieg um 1,3 Millionen Barrel pro Tag. Ende 2018 dürfte die US-Rohölproduktion bereits bei 11 Millionen Barrel pro Tag liegen. Das ist ein Jahr früher als erwartet. Die USA wären dann der weltgrößte Rohölproduzent vor Russland und Saudi-Arabien. Das Nicht-OPEC-Angebot dürfte daher 2018 noch stärker wachsen als bislang prognostiziert und auch deutlich stärker als die globale Ölnachfrage. Die Nachfrage nach OPEC-Öl geht in der Folge zurück. Auf Basis der derzeitigen IEA-Schätzungen und der Beibehaltung der gegenwärtigen OPEC-Produktion bis Jahresende ist der globale Ölmarkt 2018 nicht mehr unterversorgt, sondern weitgehend ausgeglichen (siehe Grafik 5). Dabei kommt der OPEC die stark gesunkene Ölproduktion in Venezuela zugute. Sollte Venezuela im Laufe der nächsten Monate seine Produktion wieder erhöhen können, droht am Ölmarkt sogar ein erneutes Überangebot. Ein möglicher weiterer Produktionsrückgang in Venezuela dürfte dagegen durch die steigende US-Ölproduktion kompensiert werden.

Grafik 4: US-Rohölproduktion steigt rasant
Grafik 4: US-Rohölproduktion steigt rasant
Stand: 6. Februar 2018; Quelle: EIA, Baker Hughes, Bloomberg, Commerzbank Research
Grafik 5: Globaler Ölmarkt 2018 weitgehend ausgeglichen

2018 Prognose, Annahme: OPEC hält Produktion bis Ende 2018 konstant auf aktuellem Niveau

Grafik 5: Globaler Ölmarkt 2018 weitgehend ausgeglichen
Stand: 13. Februar 2018; Quelle: IEA, Commerzbank Research

Der Ölpreisanstieg im Januar auf ein 3-Jahres-Hoch kam aufgrund einer positiven Marktstimmung, einer ausgeprägten US-Dollar-Schwäche und einer vorübergehend angespannteren Marktlage zustande. Die Rahmenbedingungen änderten sich Anfang Februar grundlegend. Die Aktienmärkte fielen deutlich, der US-Dollar erholte sich zwischenzeitlich merklich und das Ölangebot wurde dank der stark gestiegenen US-Ölproduktion nicht mehr knapp empfunden. Der Brent-Ölpreis fie deshalb vom 3-Jahres-Hoch binnen zwei Wochen um mehr als 10 Prozent. Er notierte damit Mitte Februar deutlich unter dem Jahreseinstandsniveau. Das Preisniveau von Ende Januar war zu hoch, um den Ölmarkt langfristig im Gleichgewicht zu halten. Denn die US-Ölproduktion steigt mittlerweile so stark, dass ein erneutes Überangebot droht, falls die OPEC ihre Produktion nur etwas erhöht. Die spekulativen Finanzanleger dürften daher ihre sehr optimistische Erwartungshaltung hinsichtlich der weiteren Preisentwicklung revidieren. Ein Abbau der rekordhohen Netto-Long-Positionen würde die Ölpreise weiter unter Druck setzen. Zum Jahresende dürfte Brent bei 60 US-Dollar je Barrel handeln, was wir als faires und fundamental gerechtfertigtes Preisniveau erachten.

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Aber Achtung: Da die von der Commerzbank angebotenen Produkte in Euro notieren, der Handelspreis von Brent und WTI allerdings in US-Dollar, besteht für den Investor ein Währungsrisiko. Ein steigender Euro/US-Dollar-Wechselkurs wirkt sich negativ auf den Wert des Zertifikats aus. Um das Wechselkursrisiko für den Anleger auszuschalten, bietet die Commerzbank in der Regel neben einer nicht währungsgesicherten Variante (Non-Quanto) auch eine währungsgesicherte bzw. währungsoptimierte (Quanto/FXopt) Variante an. Allerdings ist hier zu beachten, dass für die Währungssicherung Kosten anfallen können, die den Wert des Zertifikats mindern. Anleger haben also die Wahl, sollten aber bedenken, dass bei der nicht währungsgesicherten Variante neben dem Risiko natürlich auch die Chance entfällt, mit einem fallenden Euro/US-Dollar-Wechselkurs eine höhere Rendite zu erzielen.

Faktor-Zertifikate

WKN

Basiswert

Strategie

Faktor

Laufzeit

FXopt

Geld-/Briefkurs

CD4 GWB

Oil Brent Future

Long

4

Unbegrenzt

Nein

10,18/10,25 EUR

CD4 H72

Oil WTI Future

Long

4

Unbegrenzt

Nein

7,02/7,06 EUR

CE9 J22

Oil Brent Future

Long

8

Unbegrenzt

Nein

18,03/18,26 EUR

CE9 J1Y

Oil WTI Future

Long

8

Unbegrenzt

Nein

9,77/9,90 EUR

CD4 GWJ

Oil Brent Future

Short

–4

Unbegrenzt

Nein

0,61/0,62 EUR

CD4 H79

Oil WTI Future

Short

–4

Unbegrenzt

Nein

0,61/0,62 EUR

CV5 5QJ

Oil Brent Future

Short

–8

Unbegrenzt

Nein

3,93/3,98 EUR

CE7 XGS

Oil WTI Future

Short

–8

Unbegrenzt

Nein

0,48/0,49 EUR

BEST Turbo-Optionsscheine

WKN

Basiswert

Typ

Basispreis/ Knock-Out-Barriere

Hebel

Quanto

Laufzeit

Geld-/Briefkurs

CV4 SWT

Oil Brent Future

Call

59,166 USD

10,9

Ja

Unbegrenzt

5,94/5,96 EUR

CV6 LR1

Oil WTI Future

Call

56,330 USD

10,9

Ja

Unbegrenzt

5,66/5,68 EUR

CV6 HEX

Oil Brent Future

Call

61,237 USD

16,5

Nein

Unbegrenzt

3,18/3,19 EUR

CV8 PQ7

Oil WTI Future

Call

58,125 USD

15,7

Nein

Unbegrenzt

3,17/3,18 EUR

CV7 R19

Oil Brent Future

Put

70,045 USD

11,9

Ja

Unbegrenzt

5,42/5,44 EUR

CV3 ZWP

Oil WTI Future

Put

67,345 USD

10,6

Ja

Unbegrenzt

5,79/5,81 EUR

CV8 1QL

Oil Brent Future

Put

68,075 USD

18,8

Nein

Unbegrenzt

2,80/2,81 EUR

CV8 1Q1

Oil WTI Future

Put

65,349 USD

17,3

Nein

Unbegrenzt

2,88/2,89 EUR

Stand: 20. Februar 2018; Quelle: Commerzbank AG

Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.de zur Verfügung.