Märkte

Commerzbank Analysen

Behalten die Devisenmärkte die Ruhe?

Wo ist die Inflation? Das ist eine Frage, die sowohl Investoren als auch viele Notenbanker auch 2018 noch umtreiben wird. Wir rechnen vor diesem Hintergrund nicht mit größeren Wechselkurstrends.

Sorglose Märkte ...
Politik-Chaos im Weißen Haus, die Gefahr eines Atomkriegs, Machtkämpfe in London, nervenaufreibende Brexit-Verhandlungen und nicht zu vergessen: die Wahlen in den zwei größten Ländern der Eurozone – Frankreich und Deutschland. Man würde meinen, dass all dies genügend Stoff für ein turbulentes Jahr an den Devisenmärkten geliefert hat. Doch erstaunlicherweise waren die Devisenhändler von all diesen Dingen nicht aus der Ruhe zu bringen. Egal was gerade in Washington, London, Paris, Berlin oder auch Pjöngjang los war, die Optionsmärkte signalisierten über das vergangene Jahr sogar im Trend eher fallende Wechselkursschwankungen (siehe Grafik 1). Und dabei gab es durchaus Phasen, in denen sich die Kurse auch einmal stärker bewegt haben: So stieg der Euro/US-Dollar-Wechselkurs vom Frühjahr bis Sommer 2017 von Niveaus um 1,05 bis auf knapp über 1,20 und durchbrach damit erstmals seit zwei Jahren die bis dato intakte Handelsspanne von 1,05 bis 1,15. Doch interessanterweise betrachtete der Markt dies nicht als einen dauerhaften Anstieg in der Volatilität.

Grafik 1: Optionsmarkt signalisiert geringe Wechselkursvolatilität

Annualisierte G10-Volatilität

Grafik 1: Optionsmarkt signalisiert geringe Wechselkursvolatilität
Stand: Januar 2018; Quelle: Commerzbank Research

... und vorsichtige Notenbanken
Woher rührt diese fast schon gespenstische Sorglosigkeit der Investoren? Die Antwort ist bei den Notenbanken zu finden. Die meisten signalisieren zwar mittlerweile den Beginn einer Normalisierung ihrer Geldpolitik – oder haben sogar den Prozess schon angestoßen. Immerhin ist die Finanzkrise auch schon fast zehn Jahre her, und die Volkswirtschaften wachsen inzwischen wieder ordentlich. Doch anders als in früheren Zyklen sind die Währungshüter diesmal extrem darauf bedacht, den Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik so marktschonend wie möglich zu gestalten und reagieren daher überaus allergisch auf einen zu starken Anstieg der Renditen und/oder der Währung.

Der Grund, weswegen die Notenbanken so vorsichtig agieren, liegt wiederum in der enttäuschenden Inflationsentwicklung. Viele Experten können sich den schwachen Preisauftrieb der vergangenen Jahre nicht erklären, die scheidende Fed-Chefin Janet Yellen sprach in diesem Zusammenhang sogar von einem »Mysterium«. Mir geht es da ganz ähnlich: Hätte mich jemand vor einigen Jahren gefragt, wo die Inflation liegen würde, nach Jahren der Null- oder sogar Negativzinspolitik, Billionen von Anleihenkäufen und Wachstumsraten über Potenzial, ich hätte zweifellos auf eine zweistellige Zahl getippt. Stattdessen liegt die Inflation in den Industrieländern – mit Ausnahme des Vereinigten Königreichs – bei knapp unter 2 Prozent. Die Notenbanken zeigen sich zwar zuversichtlich, dass sich der Preisauftrieb angesichts der starken Konjunktur demnächst beschleunigt. Doch nachdem sie die Inflationsentwicklung über die vergangenen Jahre stetig überschätzt haben, hegt der Markt verständlicherweise erhebliche Zweifel an der Zuverlässigkeit dieser Prognosen. Das hat zur Folge, dass sich die Marktteilnehmer zunehmend an der tatsächlichen Inflationsentwicklung und nicht mehr an der (von den Notenbanken) prognostizierten Inflationsentwicklung orientieren. Kurz gesagt: Solange die Inflation niedrig bleibt, glaubt der Markt nicht an eine nennenswerte Normalisierung der Geldpolitik und preist somit auch keine ausgeprägte Währungsaufwertung ein.

So kann es dann auch einmal sein, dass eine Notenbank ihre Zinsen erhöht, ohne dass die Währung aufwertet. Ein gutes Beispiel dafür liefert die US-Notenbank, die seit Ende 2016 ihren Leitzins in vier Schritten um jeweils 25 Basispunkte angehoben hat. Der US-Dollar konnte davon allerdings nicht profitieren, da der Markt aufgrund seines pessimistischen Inflationsausblicks das bisherige Zinserhöhungstempo nicht in die Zukunft fortschrieb.

Keine starken Wechselkurstrends im Jahr 2018
Wird im Jahr 2018 alles anders? Vielleicht platzt der Knoten und die Inflation geht derart durch die Decke, dass die Notenbanken wieder von einer passiven zu einer aktivistischen Geldpolitik übergehen, was wiederum eine höhere Wechselkursvolatilität nach sich ziehen würde.

Möglich ist es, aber wahrscheinlich erscheint mir dieses Szenario nicht. So ist doch mittlerweile schwer von der Hand zu weisen, dass globale Faktoren am Werk sind, die dauerhaft auf die Preise drücken. Der bisherige Zusammenhang zwischen Wirtschaftskapazität und Preisauftrieb mag zwar noch bestehen, aber er wird von anderen Faktoren überlagert. Wir gehen daher davon aus, dass die Inflation in den meisten Industrieländern auf mittlere Sicht anzieht, aber weitaus langsamer, als man es bei gleicher wirtschaftlicher Entwicklung in der Vergangenheit angenommen hätte. Die Notenbanken werden dementsprechend weiterhin äußerst vorsichtig vorgehen, um jegliche Verwerfungen an den Märkten zu vermeiden, die den Inflationstrend gefährden könnten. Das spricht gegen ausgeprägte Wechselkurstrends im Jahr 2018.

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Faktor-Zertifikate

WKN

Basiswert

Strategie

Faktor

Laufzeit

Geld-/Briefkurs

CD9 105

EUR/USD

Long

1

Unbegrenzt

10,74/10,76 EUR

CD9 10B

EUR/USD

Long

5

Unbegrenzt

12,67/12,80 EUR

CD9 10D

EUR/USD

Long

10

Unbegrenzt

12,86/13,12 EUR

CD9 1QE

EUR/USD

Short

–1

Unbegrenzt

9,30/9,32 EUR

CD9 10C

EUR/USD

Short

–5

Unbegrenzt

6,05/6,12 EUR

CD9 10E

EUR/USD

Short

–10

Unbegrenzt

2,90/2,96 EUR

BEST Turbo-Optionsscheine

WKN

Basiswert

Typ

Basispreis/Knock-Out-Barriere

Hebel

Laufzeit

Geld-/Briefkurs

CV3 3R3

EUR/USD

Call

1,0673 USD

7,7

Unbegrenzt

12,91/12,92 EUR

CV3 3RA

EUR/USD

Call

1,1373 USD

13,9

Unbegrenzt

7,18/7,19 EUR

CV6 A7B

EUR/USD

Put

1,3763 USD

8,0

Unbegrenzt

12,44/12,45 EUR

CV6 A77

EUR/USD

Put

1,3069 USD

14,7

Unbegrenzt

6,78/6,79 EUR

Stand: 22. Januar 2018; Quelle: Commerzbank AG

Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.de zur Verfügung.