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Commerzbank Analysen

USA vollbeschäftigt – Kann man der Statistik trauen?

Die Statistiker stellen dem amerikanischen Arbeitsmarkt ein ausgezeichnetes Zeugnis aus. Mit einer Arbeitslosenquote von zuletzt 4,1 Prozent ist die amerikanische Wirtschaft nach herkömmlicher Definition vollbeschäftigt. Allerdings verweisen Kritiker häufig auf die geringere Erwerbsbeteiligung, durch die die Arbeitslosigkeit wegdefiniert werde. Würden die vom Arbeitsmarkt verschwundenen Personen berücksichtigt, wäre das Bild weniger rosig. Wir zeigen, dass von einer geschönten Statistik nicht die Rede sein kann, sondern die US-Wirtschaft tatsächlich stark ausgelastet ist. Deshalb dürfte die Fed auch die Zinsen weiter anheben.

Im Zuge der schweren Rezession von 2007/2009 stieg die US-Arbeitslosenquote im vierten Quartal 2009 auf ein Hoch von 10 Prozent. In den acht Jahren danach ist die Arbeitslosenquote recht stetig um ½ Prozentpunkt pro Jahr gefallen und lag Ende 2017 noch bei 4,1 Prozent. Damit war sie niedriger als die »natürliche« Quote, die die meisten Schätzungen bei etwa 4½ Prozent ansiedeln (siehe Grafik 1). Damit wäre der US-Arbeitsmarkt voll ausgelastet, die Fed hätte ihr Beschäftigungsziel erreicht.

Grafik 1: USA – Arbeitslosenquote unter dem »natürlichen« Niveau – Vollbeschäftigungsziel erreicht?

Arbeitslosenquote und Schätzung der natürlichen Arbeitslosenquote, Quartalsdaten

Grafik 1: USA – Arbeitslosenquote unter dem »natürlichen« Niveau – Vollbeschäftigungsziel erreicht?
Stand: Januar 2018; Quelle: Congressional Budget Office, Global Insight, Commerzbank Research

Aber spiegeln diese Zahlen auch die tatsächliche Lage am Arbeitsmarkt wider? Auch wenn diese Diskussion im Zuge der kräftigen Erholung in den vergangenen Quartalen abgeflaut ist, gibt es nach wie vor viele, die dies bezweifeln. Zumindest fordern sie, auch erweiterte Arbeitslosenquoten in die Analyse mit einzubeziehen.

Alternative Arbeitslosenquoten bestätigen Erfolg .…
Für eine Wirtschaft gibt es »die« Arbeitslosenquote ohnehin nicht. Neben der oben verwendeten und normalerweise auch im Fokus stehenden Definition (»U-3«, siehe dazu Glossar auf Seite 41) existieren weitere Abgrenzungen. Eine erweiterte Arbeitslosenquote (»U-6«) berücksichtigt zusätzlich noch marginal dem Arbeitsmarkt zuzurechnende Personen (arbeiten zurzeit nicht und haben sich zuletzt auch nicht aktiv um Arbeit bemüht, sind grundsätzlich aber verfügbar und haben in den vergangenen zwölf Monaten zumindest einmal nach Arbeit gesucht) und solche, die aus wirtschaftlichen Gründen unfreiwillig Teilzeit arbeiten. Mit 8,0 Prozent war U-6 zuletzt zwar deutlich höher als U-3, lag damit aber auch in der Nähe der Tiefstände der letzten beiden Zyklen (siehe Grafik 2). Sie zeichnet also ein ähnlich gutes Bild vom Arbeitsmarkt wie die übliche Quote.

Grafik 2: »Breite« Quote wieder auf Vorkrisenniveau…

Arbeitslosenquote nach gebräuchlicher Definition (U-3) und nach breiterer Definition (U-6),

Monatsdaten. Gestrichelte Linie: letzter Wert

Grafik 2: »Breite« Quote wieder auf Vorkrisenniveau…
Stand: Januar 2018; Quelle: Global Insight, Commerzbank Research

Eine alternative, auf Problembereiche des Arbeitsmarkts konzentrierte Betrachtung nimmt eine engere Quote ins Visier: Sie konzentriert sich auf die Langzeitarbeitslosen, also auf Personen, die seit mindestens 26 Wochen ohne Beschäftigung sind. Denn bei einem hohen Anteil von Langzeitarbeitslosen droht eine Verfestigung der Arbeitslosigkeit auf höherem Niveau, da sich Qualifikationen mit zunehmender Dauer der Erwerbslosigkeit entwerten. Die schwere Rezession von 2007/2009 hat diese Quote besonders stark steigen lassen (siehe Grafik 3). Auch hier zeigt sich eine positive Entwicklung. Die Langzeitarbeitslosenquote liegt zwar noch etwas über dem Vorkrisenniveau, hat sich aber im Großen und Ganzen wieder normalisiert.

Grafik 3: …wie auch die Langzeitarbeitslosenquote

Langzeitarbeitslose (seit mindestens 26 Wochen ohne Beschäftigung) der Erwerbsbevölkerung, Monatsdaten. ŠGestrichelte Linie: letzter Wert

Grafik 3: …wie auch die Langzeitarbeitslosenquote
Stand: Januar 2018; Quelle: Global Insight, Commerzbank Research

... aber Beteiligung am Erwerbsleben ist rapide gefallen
Das gewichtigste Argument der Kritiker ist die deutlich gesunkene Erwerbsquote, also der gefallene Anteil der Beschäftigten und Arbeitslosen an der Zivilbevölkerung. In der Tat ist diese Quote zurzeit mit knapp 63 Prozent weiterhin deutlich tiefer als vor zehn Jahren mit etwa 66 Prozent (siehe Grafik 4), obwohl sie sich eigentlich im Zuge eines Aufschwungs wieder normalisieren sollte. Zahlreiche Personen seien damit aus der Statistik herausgefallen, die Arbeitslosenquote würde ein viel zu optimistisches Bild zeichnen. Würde die Erwerbsquote immer noch bei 66 Prozent liegen, wäre die Arbeitslosenquote beim momentanen Beschäftigungsniveau bei 8,9 Prozent und nicht bei 4,1 Prozent.

Grafik 4: Partizipationsquote viel niedriger als 2007…

Anteil der Beschäftigten und Arbeitslosen an der zivilen Bevölkerung über 16 Jahren, gleitender 12-Monats-Durchschnitt

Grafik 4: Partizipationsquote viel niedriger als 2007…
Stand: Januar 2018; Quelle: Global Insight, Commerzbank Research

Fallende Partizipation Resultat der Alterung ...
Ein schlagender Beweis für geschönte Statistiken wäre die gefallene Partizipationsquote allerdings nur dann, wenn sich die Altersstruktur der Bevölkerung nicht wesentlich verändert hätte. Die Beteiligung am Erwerbsleben ist in den Altersgruppen 25 bis 54 Jahre am höchsten (durchschnittlich knapp 82 Prozent) und fällt dann mit zunehmendem Alter deutlich ab. So sind nur noch 53 Prozent der Altersgruppe 60 bis 64 Jahre der Erwerbsbevölkerung zuzurechnen, bei den 65- bis 69-Jährigen knapp 30 Prozent. Auf die gesamte Erwerbsquote übertragen bedeutet dies, dass sie unter Druck kommt, wenn der Anteil der Bevölkerung in den besten Arbeitsjahren sinkt (siehe Grafik 5).

Grafik 5: …da sich die Altersstruktur ändert…

Partizipationsquote und Anteil der 25„- bis„† 54-Jährigen an der zivilen Bevölkerung über 16 Jahren, Jahresdaten

Grafik 5: …da sich die Altersstruktur ändert…
Stand: Januar 2018; Quelle: Bureau of Labor Statistics, Global Insight, Commerzbank Research

Der reine Alterungseffekt auf die Partizipationsquote lässt sich noch genauer beziffern. Zur Berechnung dieses Effekts in den vergangenen zehn Jahren halten wir die Erwerbsquoten für 5-jährige Altersgruppen auf dem Niveau von 2007 konstant. Die Verschiebung der demographischen Struktur der Bevölkerung hin zu älteren Altersgruppen hätte die (gesamte) Partizipationsquote um 2½ Prozentpunkte auf 63,4 Prozent fallen lassen (siehe Grafik 6). 80 Prozent des Rückgangs der Erwerbsbeteiligung sind also auf diesen Effekt zurückzuführen.

Auch in den kommenden Jahren wird die Erwerbsquote aus diesem Grund wahrscheinlich weiter fallen. Eine Fortschreibung auf Basis demographischer Projektionen und mit fixierten altersspezifischen Partizipationsquoten ergibt bis 2026 einen weiteren Rückgang um etwa 2½ Prozentpunkte (gestrichelte Linie in Grafik 6).

Grafik 6: …aber das liegt vor allem an der Alterung

Erwerbsquote: Ist-Werte, hypothetische Quote auf Basis der altersspezifischen Erwerbsquoten vonˆ 2007 und Fortschreibung auf Basis demografischer Projektionen des BLS, Jahresdaten

Grafik 6: …aber das liegt vor allem an der Alterung
Stand: Januar 2018; Quelle: Global Insight, Commerzbank Research

... und eines langanhaltenden Abwärtstrends bei den Männern
Der noch verbleibende Rückgang der Erwerbsquote erklärt sich durch einen schon seit etwa einem halben Jahrhundert zu beobachtenden Abwärtstrend bei der Erwerbsbeteiligung der Männer. So erreichte die Partizipation von Männern im besten Erwerbsalter (25 bis 54 Jahre) in den Fünfzigerjahren ihren Höhepunkt und fällt seither um etwa 1½ Prozentpunkte pro Dekade (siehe Grafik 7). Dass die Partizipationsquote der Männer in den vergangenen Jahren etwas schneller gefallen ist und trotz der jüngsten Erholung immer noch etwas unter dem Trend liegt, dürfte wiederum auf die Alterung zurückzuführen sein.

Grafik 7: Erwerbsbeteiligung der Männer fällt seit den Fünfzigerjahren

Erwerbsquote der Männer im Alter von 25 bis 54 Jahren und Trend auf Basis der Daten von 1953 Šbis 2007, Monatsdaten

Grafik 7: Erwerbsbeteiligung der Männer fällt seit den Fünfzigerjahren
Stand: Januar 2018; Quelle: Global Insight, Commerzbank Research

Arbeitsmarkt bleibt Argument für weitere Zinsschritte der Fed
Zusammenfassend lässt sich also feststellen: Alterung und einige seit langem anhaltende Trends erklären das gegenwärtige Niveau der Erwerbsbeteiligung. Mit anderen Worten: Die fallende Partizipationsquote hat strukturelle Ursachen und kann nicht auf konjunkturelle Einflüsse – also eine unzureichende gesamtwirtschaftliche Nachfrage – zurückgeführt werden (»strukturelle« Ursachen sollten nicht mit einem unausweichlichen Schicksal verwechselt werden. Deren Auswirkung kann durchaus durch politische Maßnahmen oder ökonomische Anreize beeinflusst werden, wie die Entwicklung in Deutschland und Japan zeigt. Dort steigt die Erwerbsquote seit 2004/2005 merklich an, obwohl in diesen Ländern die Bevölkerung wesentlich stärker altert als in den USA). Die Kritik an der Arbeitsmarktstatistik geht daher ins Leere. Folglich dürfte die Auslastung des Arbeitsmarkts tatsächlich so hoch sein, wie es die Arbeitslosenquote anzeigt. Entsprechend besteht eine gute Chance, dass die Löhne allmählich stärker steigen und damit auch die Inflation anschieben werden. All dies sind gute Argumente für die Fed, ihre Leitzinsen in diesem Jahr weiter anzuheben. Wir gehen davon aus, dass sie erneut drei Zinsschritte vornehmen und der Korridor für den Leitzins Ende des Jahres bei 2,00 bis 2,25 Prozent liegen wird.

Anlageidee: Zertifikate auf US-Indizes

Sie möchten von der künftigen Entwicklung der bekanntesten US-Indizes profitieren? Ob mit Index-Zertifikaten oder gehebelt mit Faktor-Zertifikaten haben Sie die Möglichkeit, an steigenden oder fallenden Notierungen der genannten Basiswerte zu partizipieren.

Aber Achtung: Da die von der Commerzbank angebotenen Produkte in Euro notieren, der Handelspreis der Indizes in US-Dollar, besteht für den Investor ein Währungsrisiko, wenn der Euro/US-Dollar-Wechselkurs steigen sollte. Um das Wechselkursrisiko für den Anleger auszuschalten, bietet die Commerzbank in der Regel neben einer nicht währungsgesicherten Variante (Non-Quanto) auch eine währungsgesicherte bzw. währungsoptimierte (Quanto/FXopt) Variante an.

Index-Zertifikate

WKN

Basiswert

Bezugsverhältnis

Quanto

Laufzeit

Geld-/Briefkurs

628 018

Dow Jones

100:1

Nein

Unbegrenzt

212,80/212,80 EUR

CB2 3ZC

Dow Jones

100:1

Ja

Unbegrenzt

260,72/260,98 EUR

702 980

S&P 500

100:1

Nein

Unbegrenzt

23,00/23,00 EUR

CB2 3ZE

S&P 500

100:1

Ja

Unbegrenzt

28,18/28,21 EUR

702 977

Nasdaq 100

100:1

Nein

Unbegrenzt

56,03/56,03 EUR

CB2 3ZD

Nasdaq 100

100:1

Ja

Unbegrenzt

68,69/68,75 EUR

Faktor-Zertifikate

WKN

Basiswert

Strategie

Faktor

Laufzeit

FXopt

Geld-/Briefkurs

CE8 SJ9

Dow Jones Future

Long

6

Unbegrenzt

Nein

32,88/32,98 EUR

CE8 SJF

Dow Jones Future

Short

–6

Unbegrenzt

Nein

1,74/1,75 EUR

CE8 SJZ

S&P 500 Future

Long

6

Unbegrenzt

Nein

22,77/22,84 EUR

CE8 SK5

S&P 500 Future

Short

–6

Unbegrenzt

Nein

2,51/2,52 EUR

CE8 SJM

Nasdaq Future

Long

6

Unbegrenzt

Nein

27,45/27,58 EUR

CE8 SJT

Nasdaq Future

Short

–6

Unbegrenzt

Nein

1,64/1,65 EUR

Stand: 22. Januar 2018; Quelle: Commerzbank AG

Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.de zur Verfügung.