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Commerzbank Analysen

Industriemetalle: Hohe Preise schaffen Angebot und bremsen Nachfrage

Nach den starken Preisanstiegen der Industriemetalle in diesem Jahr waren die Auswirkungen auf das Angebot und die Nachfrage einer der wesentlichen Diskussionspunkte auf der LME Week. Die höheren Preise geben zweifellos Anreiz, die Produktion auszuweiten. Zugleich gibt es Hinweise, dass sie die Nachfrage bremsen. Die meisten Metallmärkte sollten in absehbarer Zeit daher besser versorgt sein, was für niedrigere Preise spricht.

Mit 2017 geht ein turbulentes Jahr an den Industriemetallmärkten zu Ende. Der LME-Industriemetallindex (LMEX) notiert auch kurz vor Jahresschluss noch in der Nähe seines Mitte Oktober verzeichneten 4½-Jahres-Hochs (siehe Grafik 1). Seit Jahresbeginn ist der LMEX um über 20 Prozent gestiegen und hat damit seinen Aufwärtstrend aus dem letzten Jahr fortgesetzt. Die Metallpreise hatten vor allem seit Jahresmitte deutlich zugelegt. Wesentliche Preistreiber waren gute Konjunkturdaten in den wichtigsten Konsumentenländern/-regionen für Metalle, wobei vor allem China positiv überraschte. Darüber hinaus war ein hohes spekulatives Kaufinteresse zu beobachten, das den Preisen zusätzlichen Auftrieb verlieh. Die Nachhaltigkeit und die Auswirkungen der stark gestiegenen Preise auf das Angebot und die Nachfrage waren zentrale Themen auf der LME Week, dem alljährlichen Branchentreffen, das vom 30. Oktober bis zum 3. November in London stattfand. Zu Beginn der LME Week bzw. kurz davor hatten auch die International Study Groups ihre neuen Schätzungen zum Angebot und zur Nachfrage vorgelegt. Für die Kupfer-, Nickel-, Zink- und Bleimärkte werden zwar im nächsten Jahr Angebotsdefizite erwartet, sie sollen aber im Vergleich zu diesem Jahr deutlich schrumpfen (siehe Grafik 2).

Grafik 1: LME-Industriemetallindex noch nahe dem 4½-Jahres-Hoch
Grafik 1: LME-Industriemetallindex noch nahe dem 4½-Jahres-Hoch
Stand: 9. November 2017; Quelle: LME, Bloomberg, Commerzbank Research
Grafik 2: Angebotsdefizit am globalen Nickelmarkt soll 2018 deutlich schrumpfen (Angebot minus Nachfrage)
Grafik 2: Angebotsdefizit am globalen Nickelmarkt soll 2018 deutlich schrumpfen (Angebot minus Nachfrage)
Stand: 24. Oktober 2017; Quelle: INSG, Commerzbank Research

Der starke Anstieg der Metallpreise in diesem Jahr hat dazu geführt, dass in einigen Minenunternehmen anscheinend wieder größere Investitionen geplant werden, was zu einer Ausweitung des Angebots führen sollte. Daneben wird durch die hohen Preise offenbar teilweise die Nachfrage gebremst. Sowohl für die Auswirkungen auf das Angebot als auch auf die Nachfrage gibt es Fallbeispiele. So nimmt laut Angaben des Verbands der chilenischen Minenproduzenten, Sonami, die Aktivität zur Erschließung neuer Projekte wieder zu. Demnach würden derzeit unter anderem Umweltgenehmigungen beantragt und Machbarkeitsstudien durchgeführt. Dies sind die ersten Schritte in einem für gewöhnlich langjährigen Prozess zur Erschließung neuer Vorkommen. Dieser dauert meistens fünf bis sieben Jahre, mitunter auch bis zu zehn Jahre. Ein Beispiel hierfür ist BHP Billiton, das weltweit größte Minenunternehmen. Es hatte Mitte August die Expansion der »Spence«-Kupfermine in Chile angestoßen, die das Unternehmen eigenen Angaben zufolge rund 2,5 Milliarden US-Dollar kosten wird. Die erste Produktion hieraus soll im Geschäftsjahr 2021 erreicht werden. In den ersten zehn Jahren nach Inbetriebnahme rechnet BHP Billiton mit einer jährlichen Kupferproduktion von 185.000 Tonnen.

Im Falle von Zink wird schon kurzfristig eine höhere Produktion in Aussicht gestellt. So hat der kanadische Minenproduzent Teck Resources die Produktionserwartung für die »Red Dog«-Zinkmine in Alaska, die weltweit zweitgrößte Zinkmine, für 2017 um 10 Prozent nach oben genommen (auf bis zu 550.000 Tonnen). In Australien wird das in chinesischem Besitz befindliche Unternehmen MMG Limited eigenen Angaben zufolge die »Dugald River«-Zinkmine schon Ende des Jahres und damit ein halbes Jahr früher als geplant in Betrieb nehmen. »Dugald River« ist eines der qualitativ hochwertigsten Zinkvorkommen weltweit, und die Mine wird später mit einer jährlichen Produktion von rund 170.000 Tonnen zu den zehn größten Zinkminen der Welt zählen. Für Mitte 2018 plant Vedanta Resources den Start der »Gamsberg«-Zinkmine in Südafrika. Nach neun bis zwölf Monaten Anlaufzeit soll die Mine rund 250.000 Tonnen Zink jährlich produzieren. Und in Peru, dem weltweit zweitgrößten Zinkproduzenten auf Länderebene, wurde die Zinkminenproduktion Angaben der peruanischen Zentralbank zufolge in den ersten acht Monaten des Jahres im Vorjahresvergleich um 11 Prozent ausgeweitet (siehe Grafik 3). Dies ist in erster Linie auf die Kupfer-Zink-Mine »Antamina« zurückzuführen, in der die Zinkproduktion laut Unternehmensangaben in diesem Jahr auf bis zu 350.000 Tonnen fast verdoppelt werden soll.

Grafik 3: In Peru wird die Zinkproduktion wieder stark ausgeweitet (gleitender 12-Monats-Durchschnitt)
Grafik 3: In Peru wird die Zinkproduktion wieder stark ausgeweitet (gleitender 12-Monats-Durchschnitt)
Stand: August 2017; Quelle: Peruanische Zentralbank, Bloomberg, Commerzbank Research

In Bezug auf die Nachfrage sehen Marktbeobachter den stark gestiegenen Zinkpreis kritisch. So geht zum Beispiel das Beratungsunternehmen Wood Mackenzie davon aus, dass Zinkkonsumenten versuchen werden, Zink zu substituieren oder weniger Zink zu verbrauchen (siehe Grafik 4). Gut die Hälfte des weltweiten Zinkverbrauchs wird zur Galvanisierung von Stahl verwendet, um ihn korrosionsbeständig zu machen. Die Autoindustrie ist dabei ein großer Abnehmer von galvanisiertem Stahl. Die Rally der Zinkpreise könnte laut Einschätzung von Wood Mackenzie nun dafür sorgen, dass die chinesische Autoindustrie den Anteil von galvanisiertem Stahl in der Produktion (derzeit weniger als 20 Prozent) langsamer ausweitet als geplant. Und die westliche Autoindustrie könnte versuchen, dünnere Beschichtungen zu verwenden, um so über Gewichtsreduzierungen die strikteren Emissionsvorgaben zu erfüllen. Dies würde bedeuten, dass weniger Zink je Tonne Stahl verwendet wird. Angaben des Research-Instituts CRU zufolge wird es für die Galvanikunternehmen bei Zinkpreisen über 3.000 US-Dollar je Tonne zunehmend schwierig, die Zinkaufschläge an die Kunden weiterzugeben. Mittlerweile hat sich mit Vedanta Resources auch der erste Zinkproduzent kritisch zu den hohen Zinkpreisen geäußert. Kurzfristig würde demnach zwar der Gewinn im Unternehmen steigen, langfristig verprellen die hohen Preise laut Unternehmensaussagen aber die Kunden. Vedanta sieht demnach zwischen 2.500 US-Dollar und 2.800 US-Dollar je Tonne ein eher gerechtfertigtes Preisniveau für Zink, das den Kunden Anreiz gebe, Zink zu kaufen.

Grafik 4: Bremst der hohe Zinkpreis die Zinknachfrage?
Grafik 4: Bremst der hohe Zinkpreis die Zinknachfrage?
Stand: Oktober 2017; Quelle: WBMS, Bloomberg, Commerzbank Research

Auch wenn es wie oben aufgeführt einige Fallbeispiele gibt, dass Angebot (positiv) und Nachfrage (negativ) auf starke Preisveränderungen reagieren, lässt sich dies rein rechnerisch mit einfachen Mitteln nicht nachweisen. Zwar ist der Preis eine wesentliche Einflusskomponente auf die Veränderung des Angebots und der Nachfrage, daneben spielen aber noch etliche weitere Faktoren eine Rolle. So kann es zum Beispiel sein, dass der Preis zwar stark steigt, aber absolut betrachtet immer noch auf einem zu niedrigen Niveau notiert, sodass sich eine Produktionsausweitung nicht rentiert. Oder aber die Produktion wird trotz fallender Preise und möglicher Verluste dennoch aufrechterhalten, da das Herunterfahren und später die Wiederinbetriebnahme einer Produktionsanlage (Mine oder Schmelze) noch teurer kämen als die operativen Verluste. Aufgrund der mehrjährigen Erschließungszeit eines neuen Projekts wird es bei stark fallenden Preisen nur selten gänzlich gestoppt – mitunter allerdings verschoben –, wenn es einen bestimmten Punkt der Erschließung überschritten hat. Verzerrt wird die Betrachtungsweise auch durch Wettereinflüsse wie zum Beispiel Erdbeben, Wirbelstürme und Überflutungen. Auch spielen Streiks eine Rolle oder Produktionskürzungen/-stilllegungen, die aus Umweltgesichtspunkten bzw. aus politischen Gründen im Allgemeinen angeordnet wurden.

Die Nachfrage wiederum wird bei stark steigenden Preisen nicht zwangsweise zurückgehen, wenn der betroffene Rohstoff ein essenzieller Bestandteil eines bestimmten Produkts ist bzw. in diesem nur schwer ersetzt werden kann. Zudem beeinflussen mehr und mehr die Finanzinvestoren die Nachfrage, die auf ihrer Jagd nach Rendite durch ihre Transaktionen Material binden, aber sonst kein Interesse an dem jeweiligen Material haben. Nicht zu vergessen ist der US-Dollar, da die meisten Rohstoffpreise in der US-Währung gehandelt werden und der Kauf von Rohstoffen bei einer Aufwertung des US-Dollar gegenüber der heimischen Währung teurer wird. Auch in der jüngsten Aufwärtsbewegung der Metallpreise hat der US-Dollar eine prominente Rolle gespielt. Denn die Metallnachfrage außerhalb des Dollarraums zog an, da die schwächere US-Währung dazu führte, dass die Preise für Nicht-US-Dollar-Konsumenten weniger stark gestiegen waren.

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WKN

Basiswert

Typ

Basispreis/Knock-Out-Barriere

Hebel

Quanto

Geld-/Briefkurs

CV3 TH4

Kupfer Future

Bull

2,010/2,053 USD

2,8

Nein

9,19/9,21 EUR

CV3 THA

Kupfer Future

Bull

2,711/2,767 USD

8,1

Nein

3,23/3,25 EUR

CV3 THL

Kupfer Future

Bear

4,188/4,103 USD

2,8

Nein

9,45/9,48 EUR

CV3 THD

Kupfer Future

Bear

3,489/3,417 USD

7,5

Nein

3,50/3,52 EUR

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Basiswert

Typ

Basispreis/Knock-Out-Barriere

Hebel

Quanto

Geld-/Briefkurs

CV3 TJ6

Kupfer Future

Bull

2,417 USD

4,5

Nein

5,77/5,79 EUR

CV3 TJD

Kupfer Future

Bear

3,781 USD

4,3

Nein

6,03/6,06 EUR

Stand: 20. November 2017; Quelle: Commerzbank

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