Interview

Am 1. Oktober 2017 wurde Dr. Henning Bergmann zum neuen Geschäftsführer beim Deutschen Derivate Verband gewählt. Was ihn besonders an dieser beruflichen Herausforderung reizt und welches Verhältnis er zu strukturierten Wertpapieren hat, erläutert er im Gespräch.

Der DDV ist Sprachrohr der gesamten Branche

ideas: Herr Dr. Bergmann, welche Erwartungshaltung haben Sie an Ihren neuen Job beim Deutschen Derivate Verband?
Dr. Henning Bergmann: Der DDV hat in den letzten Jahren eine sehr spannende Entwicklung genommen. Ich kenne die Kollegen und habe mit dem einen oder anderen bereits intensiver zusammengearbeitet. So erinnere ich mich beispielsweise gerne an den intensiven Austausch mit Christian Vollmuth bei den Grundsätzen für die bonitätsabhängigen Schuldverschreibungen. Ich freue mich sehr darauf, an den nächsten Entwicklungsstufen des DDV mitzuwirken und sie auf vielfältige Weise mitgestalten zu können.

Wie ist Ihr erster Eindruck von dem, was auf Sie zukommen mag?
Der Regulierungsorkan wird uns weiter kräftig durchschütteln. So ist das regulatorische Umfeld ja keineswegs einfach und daran wird sich, so steht zu befürchten, auch künftig nicht viel ändern. Der DDV hat mit seiner Initiative und seiner Selbstregulierung – Stichwort: »Fairness Kodex« – ganz entscheidend zur Verbesserung der Transparenz und Information für den Anleger beigetragen. Ferner wird es auch darauf ankommen, dass wir die Regulierung nicht einfach über uns ergehen lassen, sondern sie, soweit möglich, aktiv mitgestalten.

Was reizt Sie dabei an der Arbeit in einem kleinen Branchenverband?
Der DDV vereint alle großen in Deutschland aktiven kreditwirtschaftlichen Emittenten. Er fungiert somit als Sprachrohr der gesamten Branche. Das ist letztlich ein enormes Asset des DDV. Der Verband ist zwar nicht besonders groß, aber durchaus sehr schlagkräftig. Das versetzt ihn auch in die Lage, schnell zu agieren. So arbeiten die Arbeitskreise nach meinem Eindruck sehr zielführend und die Facharbeit des DDV wird allenthalben enorm geschätzt. In der Summe wird hervorragende Arbeit geleistet. Da macht es Freude, in so einem Umfeld zu arbeiten.

Wo sehen Sie Unterschiede zu Ihren bisherigen Aufgaben beim Deutschen Sparkassen und Giroverband?
Nun, die großen regulatorischen Themen wie MiFID II/MiFIR, PRIIPs und Kapitalmarktunion werden mich auch zukünftig umtreiben, wobei der eine oder andere Aspekt allerdings etwas fokussierter behandelt werden dürfte. Daneben stellt die Verantwortung in der Geschäftsführung, gemeinsam mit Hartmut Knüppel und Lars Brandau, natürlich eine sehr reizvolle, neue Aufgabe, zugleich Herausforderung, dar.

Sie bleiben mit der Familie in Berlin; sind aber sicher viel in Frankfurt, Brüssel und Paris etc. unterwegs. Wie leicht oder schwer fällt Ihnen das viele Reisen?
Das Reisen gehört bei diesem Job einfach dazu und ist für mich zur Routine geworden. Ich würde mich sehr freuen, wenn der Flughafen Berlin-Tegel offen bliebe – die kurzen Wege dorthin und dort sind sehr effizient...

Worauf konzentriert sich Ihre Arbeit in den kommenden Monaten?
Die nächsten Monate werden vor allem im Zeichen der Umsetzung von MiFID II und PRIIPs stehen – zum Januar 2018 müssen beide Regulierungen umgesetzt werden. Zum einen ergeben sich hier aus den Umsetzungsprojekten in den Instituten sicher noch viele Fragen. Zum anderen nehmen die Europäischen Aufsichtsbehörden, und hier vor allem die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) sowie die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), weitere Auslegungen und Konkretisierungen vor, die es intensiv zu begleiten gilt. Davon abgesehen müssen wir aber auch in die weitere Zukunft schauen: Die Kapitalmarktunion als Kernprojekt der Europäischen Union mit ihren vielen Einzelmaßnahmen sollten wir uns genau anschauen, da stecken auch im Detail Aspekte, die erhebliche Auswirkungen auf die Branche haben.

Wann und wie haben Sie angefangen, sich für Finanzprodukte zu interessieren?
Mein Interesse für Finanzprodukte und insbesondere Wertpapiere rührt noch aus frühen Tagen. Die erste Anlage war natürlich das Sparbuch – mit etwa zwölf Jahren habe ich dann aber bereits in Aktien investiert. Das war gar nicht so einfach, zumal die Zustimmung der Eltern erforderlich war. Die BMW-Aktie ist dann gut gelaufen. Ich hatte Glück und verkaufte sie kurz vor dem Börsencrash 1987.

Welches Verhältnis haben Sie zu strukturierten Wertpapieren?
Strukturierte Wertpapiere erweitern das Anlagespektrum enorm. Sie geben in ihrer Vielfalt dem Anleger die Möglichkeit, verschiedenste Markterwartungen in den Investitionsentscheidungen abzubilden sowie das Investment auf die persönliche Situation einschließlich des individuellen Risikos abzustimmen.

Besitzen Sie Wertpapiere oder beschränkt sich Ihr Interesse auf den rechtlichen Rahmen?
Wie gesagt, habe ich recht früh angefangen, auch selbst zu investieren. Dabei habe ich mich sehr intensiv mit Hintergrundmaterialien zu möglichen Investments auseinandergesetzt. Bedauerlicherweise fehlt in den letzten Jahren hierfür etwas die Zeit.

Sie sind selbst Familienvater mit drei Kindern. Wie halten Sie es mit dem Vermögensaufbau?
Beim Vermögensaufbau sollte man immer streuen. Die Bedeutung der Diversifikation ist, nicht zuletzt in unserer anhaltenden Niedrigzinsphase, entscheidend. Ich muss zugeben, dass in meiner aktuellen Lebenssituation der Schwerpunkt doch eher bei »Beton und Stein« liegt...

Einer der DDV-Claims lautet: »Zertifikate gehören in jedes erfolgreiche Depot.« Warum?
Die Vielfalt der Zertifikatewelt ermöglicht eine exzellente, ausgewogene Strukturierung von Depots – von der sicheren »Basisanlage« bis zum risikoreicheren Hebelprodukt. Anleger haben somit optimale Möglichkeiten, um ihr Depot ihren Bedürfnissen entsprechend zu gestalten. Eines ist allerdings zu konzedieren: An der einen oder anderen Stelle müssen wir uns gemeinsam noch ins Zeug legen, damit der »Claim« für einen noch größeren Kreis von Anlegern auch Wirklichkeit wird.

Vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Lars Brandau (Geschäftsführer Deutscher Derivate Verband) auf dem Deutschen Derivate Tag.