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Commerzbank Analysen

Gold im Bann eines schwachen US-Dollar

Der Goldpreis ist deutlich über die Marke von 1.300 US-Dollar je Feinunze gestiegen und hat damit den höchsten Stand seit 13 Monaten erreicht. Haupttreiber ist der deutlich abwertende US-Dollar. Dieser steht wegen fallender Fed-Zinserhöhungserwartungen und anhaltender politischer Querelen innerhalb der US-Regierung unter Druck. Der latente Streit um die Anhebung der US-Schuldenobergrenze dürfte den Goldpreis auch weiter unterstützen. Im vierten Quartal droht allerdings ein Rückschlag, wenn der Markt eine Fed-Zinserhöhung im Dezember einzupreisen beginnt. Wir sehen daher Gold weiterhin bei 1.300 US-Dollar je Feinunze am Jahresende.

Gold stieg Anfang September auf fast 1.360 US-Dollar je Feinunze und notierte damit so hoch wie zuletzt vor 13 Monaten. Seit Anfang Juli ist Gold um über 10 Prozent gestiegen. Preistreibend war in erster Linie der rapide Wertverlust des US-Dollar. Erstmals seit Anfang Januar 2015 mussten für einen Euro mehr als 1,20 US-Dollar bezahlt werden. Vor Beginn des Goldpreisanstiegs Anfang Juli waren es noch 1,14 US-Dollar je Euro, im April noch weniger als 1,10 US-Dollar (Grafik 1). Die akute Schwäche des US-Dollar ist das Resultat fallender Fed-Zinserhöhungswartungen und politischer Querelen in den USA. So glaubt eine Mehrheit der Marktteilnehmer inzwischen nicht mehr daran, dass die US-Notenbank Fed ihre Zinsen in diesem Jahr nochmals anheben wird. Das endgültige Scheitern der Gesundheitsreform im US-Kongress, die anhaltenden Untersuchungen bzw. immer neue Enthüllungen zu den Russland-Kontakten von Trumps Wahlkampfteam und die hohe Fluktuation im näheren Umfeld von US-Präsident Trump lassen zudem Zweifel an der Fähigkeit der US-Regierung aufkommen, eine bahnbrechende Steuerreform und die angekündigten Infrastrukturausgaben in die Wege zu leiten. Die Auflösung zweier Beratergremien durch Trump, denen zahlreiche Firmenchefs angehörten, weckten darüber hinaus Zweifel an der Wirtschaftspolitik des US-Präsidenten. Die Erwartung einer expansiven fiskal- und unternehmensfreundlichen Wirtschaftspolitik hatte unmittelbar nach den Wahlen zu einem merklichen Anziehen der Fed-Zinserhöhungserwartungen und einer starken Aufwertung des US-Dollar geführt. Davon ist inzwischen nichts mehr übrig. US-Präsident Trump hatte sich zwar jüngst mit den Demokraten über eine dreimonatige Hinausschiebung der Schuldenobergrenze geeinigt, das Problem selbst ist damit allerdings nicht gelöst. Dass der Goldpreisanstieg in erster Linie auf die US-Dollar-Schwäche zurückzuführen ist, zeigt auch ein Blick auf die Entwicklung des Goldpreises in Euro. Dieser ist seit Anfang Juli nur um gut 5 Prozent gestiegen und handelt oberhalb von 1.100 EUR je Feinunze nur leicht über dem Jahresanfangsniveau. Gold in US-Dollar liegt dagegen seit Jahresbeginn 16 Prozent im Plus.

Grafik 1: Goldpreisanstieg in diesem Jahr größtenteils wechselkursbedingt
Grafik 1: Goldpreisanstieg in diesem Jahr größtenteils wechselkursbedingt
Stand: 13. September 2017; Quelle: Bloomberg, Commerzbank Research

Spekulative Käufe dürften beim jüngsten Goldpreisanstieg ebenfalls eine wichtige Rolle gespielt haben bzw. noch immer spielen. Seit dem Tief Anfang Juli weiteten die spekulativen Finanzanleger ihre Netto-Long-Positionen acht Wochen in Folge aus. Am Stichtag 5. September erreichten sie mit 237.000 Kontrakten das höchste Niveau seit September 2016 (Grafik 2). Gegenüber dem 11. Juli bedeutet dies einen Anstieg um 214.000 Kontrakte, was Käufen von umgerechnet 665 Tonnen Papiergold über den Terminmarkt entspricht.

Grafik 2: Spekulative Käufe treiben Goldpreis
Grafik 2: Spekulative Käufe treiben Goldpreis
Stand: 5. September 2017; Quelle: CFTC, Bloomberg, Commerzbank Research

Die Investmentnachfrage zeigte in den letzten zwei Monaten ein gemischtes Bild. Die Gold-ETFs verzeichneten im Juli erstmals in diesem Jahr monatliche Abflüsse von knapp 68 Tonnen. Der überwiegende Teil davon, nämlich fast 61 Tonnen, entfiel dabei auf den weltgrößten Gold-ETF, den SPDR Gold Trust. In diesen investieren vornehmlich Großanleger wie Hedgefonds, Banken und Investmentgesellschaften. Angesichts des fortgesetzten Höhenflugs an den US-Aktienmärkten im Juli auf immer neue Rekordniveaus dürften diese aus Performancegründen von Gold in Aktien umgeschichtet haben. Die in Europa gelisteten Gold-ETFs verzeichneten dagegen so gut wie keine Abflüsse, einige in Deutschland und der Schweiz gelistete ETFs sogar leichte Zuflüsse. Von einer breit angelegten Absetzbewegung der ETF-Anleger weg von Gold konnte somit keine Rede sein. Im August hat sich das Blatt wieder gewendet, als die Gold-ETFs Zuflüsse von gut 40 Tonnen verzeichneten. Hierbei dürfte eine Rolle gespielt haben, dass der Höhenflug an den US-Aktienmärkten aufgrund der erwähnten politischen Querelen in Washington sowie zunehmender Spannungen zwischen den USA und Nordkorea zunächst ins Stocken geriet und Mitte August eine Korrektur einsetzte. Der Großteil der ETF-Zuflüsse erfolgte denn auch in der zweiten Augusthälfte. Die Nachfrage nach US-Goldmünzen war dagegen sowohl im Juli als auch im August sehr verhalten.

Die physische Goldnachfrage in den wichtigsten asiatischen Konsumentenländern Indien und China war im Juli eher verhalten. Die indischen Goldimporte lagen bei 52 Tonnen, was dem niedrigsten Niveau in diesem Jahr entspricht. Im ersten Halbjahr lagen die Importe bei 87 Tonnen im Monatsdurchschnitt (Grafik 3). Die Goldimporte in der ersten Jahreshälfte wurden aber zunächst durch aufgestaute Nachfrage nach der Bargeldreform im vorigen Herbst und im Anschluss daran durch vorgezogene Käufe im Vorfeld der Einführung einer Steuer auf Goldkäufe Anfang Juli begünstigt. Diese zusätzliche Nachfrage fehlt nun. Aber auch das im Juli deutlich gestiegene Preisniveau und Meldungen über eine ungleichmäßige Verteilung der Monsunregenfälle dürften die Kauflaune der indischen Konsumenten gebremst haben. Die Abschläge gegenüber dem Weltmarktpreis deuten auf eine verhaltene Nachfrage auch im August hin. Ähnlich ist die Situation in China. Dort haben sich die Netto-Einfuhren aus Hongkong im Juli zwar bei 72 Tonnen stabilisiert (Grafik 3), gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies allerdings ein Minus von fast 20 Tonnen. Die Importe aus der Schweiz sanken sogar auf weniger als 20 Tonnen. Niedriger waren sie zuletzt im Januar.

Grafik 3: Goldnachfrage in Asien schwächt sich ab

Monatliche Goldimporte

Grafik 3: Goldnachfrage in Asien schwächt sich ab
Stand: Juli 2017; Quelle: RBI, Statistikbehörde Hongkong, Reuters, Bloomberg, Commerzbank Research

Der Goldpreis dürfte nach dem Überwinden des Dreifach-Hochs (Mitte April, Anfang Juni, Mitte August) bei rund 1.300 US-Dollar je Feinunze und angesichts der nicht final gelösten Schuldenproblematik in den USA gut unterstützt sein. Die Ratingagentur Fitch hat bereits durchblicken lassen, die AAA-Bonität für US-Staatsanleihen auf den Prüfstand stellen zu wollen, falls es zu keiner zeitnahen Einigung kommt. Standard & Poor’s warnte vor schlimmeren Folgen für die US-Wirtschaft als nach der Pleite von Lehman Brothers 2008, falls es zu einer Zahlungsunfähigkeit kommen sollte. Als diese im Sommer 2011 drohte, entzog S&P den USA das AAA-Rating und der Goldpreis stieg wenig später auf seinen noch immer gültigen Rekordstand von gut 1.900 US-Dollar je Feinunze. Bei der zwischenzeitlichen Schließung der Regierungsbehörden zwei Jahre später war die Marktreaktion dann deutlich moderater. Die ebenfalls für September erwartete Ankündigung der Fed, die Erlöse auslaufender Staatsanleihen nicht mehr zu reinvestieren, sollte dagegen am Markt keine nennenswerte Bewegung auslösen. Die physische Goldnachfrage in Asien dürfte durch den kräftigen Preisanstieg der letzten Wochen gedämpft werden. In indischen Rupien gerechnet notiert Gold auf dem höchsten Niveau seit November 2016. Da die Goldkonsumenten in Indien für gewöhnlich sehr preissensitiv sind, dürften sie sich mit Käufen zurückhalten und auf niedrigere Preise warten. Die übliche Erholung der Nachfrage im Herbst dürfte daher verhalten ausfallen.

Im Gegensatz zur Mehrheit der Marktteilnehmer rechnen wir damit, dass die Fed im Dezember ihre Zinsen nochmals anheben wird. Wenn der Markt dies einzupreisen beginnt, dürfte der Goldpreis nochmals unter Druck geraten. Wir halten daher an unserer Jahresendprognose von 1.300 US-Dollar je Feinunze fest. Für 2018 rechnen wir mit einem weiteren Preisanstieg auf 1.400 US-Dollar je Feinunze. Zwar dürfte die Fed die Zinsen auch im nächsten Jahr insgesamt dreimal anheben. Wie dieses Jahr zeigte, steht dies einem steigenden Goldpreis aber nicht notwendigerweise entgegen. Da gleichzeitig die Inflation etwas anziehen dürfte, bleiben die US-Realzinsen auch 2018 niedrig, was für eine robuste Goldnachfrage sorgen sollte (Grafik 4). Zwar wird die EZB ihre Anleihekäufe allmählich zurückführen. An der Zinsschraube dürfte sie allerdings nicht drehen, sodass die Realzinsen in der Eurozone negativ bleiben. Dies spricht auch für einen steigenden Goldpreis in Euro.

Grafik 4: Niedrige Realzinsen weiterhin positiv für Gold

Realzinsen: 10-Jahres-Rendite USA minus US-Inflationsrate

Grafik 4: Niedrige Realzinsen weiterhin positiv für Gold
Stand: 13. September 2017; Quelle: Bloomberg, Commerzbank Research

Anlageidee: Zertifikate auf Gold

Sie möchten von der künftigen Wertentwicklung von Gold profitieren? Mit Zertifikaten der Commerzbank haben Sie die Möglichkeit, an steigenden oder fallenden Notierungen des glänzenden Edelmetalls zu partizipieren. Ein Überblick über das gesamte Spektrum an Optionsscheinen und Zertifikaten auf Gold steht Ihnen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.de zur Verfügung. Aber Achtung: Da die von der Commerzbank angebotenen Produkte in Euro notieren, die Preise von Gold allerdings in US-Dollar, besteht für den Investor ein Währungsrisiko, wenn der Euro/US-Dollar-Wechselkurs steigen sollte. Um das Wechselkursrisiko für den Anleger auszuschalten, bietet die Commerzbank in der Regel neben einer nicht währungsgesicherten Variante (Non-Quanto) auch eine währungsgesicherte bzw. währungsoptimierte (Quanto/FXopt) Variante an. Allerdings ist hier zu beachten, dass für die Währungssicherung Kosten anfallen können, die den Wert des Zertifikats mindern. Anleger haben also die Wahl, sollten aber bedenken, dass bei der nicht währungsgesicherten Variante neben dem Risiko natürlich auch die Chance entfällt, mit einem fallenden Euro/US-Dollar-Wechselkurs eine höhere Rendite zu erzielen.

Partizipations-Zertifikat mit unbegrenzter Laufzeit

WKN

Basiswert

Bezugsverhältnis

Quanto

Geld-/Briefkurs

160 902

Gold

10:1

Nein

108,85/108,88 EUR

Discount-Zertifikate

WKN

Basiswert

Cap

Discount

Max. Rendite p.a.

Bewertungstag

Quanto

Geld-/Briefkurs

CV3 31V

Gold

1.250 USD

7,38 %

4,17 %

18.09.2018

Nein

100,59/100,74 EUR

CV1 126

Gold

1.300 USD

2,52 %

3,91 %

12.06.2018

Ja

126,18/126,33 EUR

BEST Turbo-Zertifikate

WKN

Basiswert

Typ

Basispreis/Knock-Out-Barriere

Hebel

Quanto

Geld-/Briefkurs

CV3 3QL

Gold

Bull

1.104,144 USD

6,7

Nein

16,21/16,22 EUR

CV3 3QM

Gold

Bull

1.151,164 USD

9,1

Nein

12,00/12,01 EUR

CV3 3QR

Gold

Bear

1.548,600 USD

5,1

Nein

21,34/21,35 EUR

CV3 3QT

Gold

Bear

1.448,614 USD

8,4

Nein

12,95/12,96 EUR

Faktor-Zertifikate mit unbegrenzter Laufzeit

WKN

Basiswert

Strategie

Faktor

FXopt

Geld-/Briefkurs

CD5 B2V

Gold Future

Long

3

Nein

7,64/7,67 EUR

CD5 B2X

Gold Future

Long

6

Nein

5,70/5,73 EUR

CD5 B32

Gold Future

Short

–3

Nein

7,35/7,37 EUR

CD5 B34

Gold Future

Short

–6

Nein

5,26/5,28 EUR

Stand: 21. September 2017; Quelle: Commerzbank

Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.de zur Verfügung.