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Commerzbank Analysen

Genussmittel: Druck auf Preise von unterschiedlichen Seiten

Das von der Internationalen Zuckerorganisation ISO für 2017/ 2018 in Aussicht gestellte Ende der Defizitphase drückt auf den Zuckerpreis. Abgeschmolzene Lagerbestände nach zwei Jahren mit hohen Defiziten dürften aber einem weiteren Preisrückgang entgegenstehen. In der aktuellen Saison 2016/2017 entspannt sich die Versorgungslage am Kakaomarkt merklich. Kurzzeitige Preissprünge waren weitgehend wetterbedingten Unsicherheiten sowie politischen Unruhen geschuldet. Preise wie noch im Sommer 2016 dürften auch in den nächsten Monaten in weiter Ferne bleiben.

Der Zuckerpreis, der sich innerhalb eines Jahres bis Spätsommer 2016 auf 24 US-Cents je Pfund mehr als verdoppelt hatte, sackte Ende Juni auf ein 16-Monats-Tief von knapp 13 US-Cents je Pfund ab und notiert auch jetzt nur unwesentlich darüber. Die kurzfristig orientierten Marktteilnehmer hielten im Mai erstmals seit fast zwei Jahren wieder Netto-Short-Positionen und bauten diese bis zuletzt weiter auf. Im Februar bestanden dagegen noch beträchtliche Netto-Long-Positionen. Hauptgrund für den Stimmungswechsel ist die Aussicht auf eine Entspannung der Versorgungslage am Zuckermarkt in der Saison 2017/2018, nachdem 2015/2016 mit einem Defizit abschloss und dies auch für die noch laufende Saison 2016/2017 erwartet wird (Grafik 1). Für beide Jahre liegen die Schätzungen in einer Spannbreite von 3 bis 8 Millionen Tonnen. Die ISO hat ihre Angabe für 2016/2017 zuletzt auf 6,5 Millionen Tonnen erhöht. Die Zuckerproduktion ist 2016/2017 in vielen Regionen gestiegen, darunter in Brasiliens Hauptanbaugebiet Center-South (CS) um 14 Prozent auf die Rekordmenge von 35,6 Millionen Tonnen, in der EU um immerhin fast 2 Millionen auf knapp 17 Millionen Tonnen und in Thailand zumindest leicht auf 10 Millionen Tonnen. In Indien aber enttäuschte die Produktion mit nur 20 Millionen Tonnen nochmals. So ergab sich zwar weltweit ein Plus bei der Produktion, das aber wieder nicht ausreichte, um mit der Nachfrage Schritt zu halten. Das weltweite Lager-Verbrauchs-Verhältnis soll daher zum Ende der Saison 2016/2017 auf den niedrigsten Stand seit 2010/2011 fallen.

Grafik 1: Zucker – Ende der Defizitphase am globalen Zuckermarkt

Marktbilanz

Grafik 1: Zucker – Ende der Defizitphase am globalen Zuckermarkt
Stand: 30. Juni 2017; Quelle: ISO, Commerzbank Research

2017/2018 soll nun aber die weltweite Zuckerproduktion stark steigen. Für Indien wird nach der letzten guten Monsunsaison mit 25 Millionen Tonnen gerechnet. Für die EU-Produktion nach dem Quotenende reichen die Erwartungen von 18 Millionen Tonnen bis vereinzelt an 20 Millionen Tonnen heran. In Russland dürfte die Zuckerrübenfläche rund 11 Prozent steigen, und bereits zuletzt war eine Rekordernte eingebracht worden. Und in Brasiliens CS soll die Produktion wieder sehr hoch sein. Zwar lief die Saison langsamer als im Vorjahr an, doch geht die Zuckervereinigung UNICA für das Gesamtjahr von 35,2 Millionen Tonnen Zucker aus – also nur von einem marginalen Rückgang gegenüber dem rekordhohen Vorjahr (Grafik 2). Dabei unterstellt sie zwar mit 585 Millionen Tonnen eine um 4 Prozent niedrigere Zuckerrohrmenge, aber mit 47 Prozent einen nochmals marginal höheren Anteil, der davon der Zuckerproduktion zugeführt wird. Andere Beobachter hatten auch Schätzungen über 36 Millionen Tonnen Zucker und mehr abgegeben. In Thailand, dem zweitwichtigsten Zuckerexportland nach Brasilien, scheint bei den guten Regenfällen dieser Saison eine Produktion von 11 bis 11,5 Millionen Tonnen Zucker möglich, ein kräftiger Anstieg gegenüber den jeweils nur rund 10 Millionen Tonnen der beiden Vorjahre und im besten Fall ein neuer Rekord.

Grafik 2: Zucker – Überall hohe Produktion erwartet

Zuckerproduktion

Grafik 2: Zucker – Überall hohe Produktion erwartet
Stand: 30. Juni 2017; Quelle: ISO, Commerzbank Research

Derzeit liegen die Schätzungen für einen Überschuss am globalen Zuckermarkt in der Saison 2017/2018 meist um 3 Millionen Tonnen – auf diese Höhe hat zuletzt auch die ISO ihr zuvor vage erwartetes »Ende der Defizitphase« konkretisiert. Der Markt hält diese Schätzungen offensichtlich für zu niedrig und geht von einer noch üppigeren Versorgung aus. Vorsichtig gibt die ISO auch bereits einen Ausblick auf einen weiteren Überschuss 2018/2019.

Eine große Bedeutung für den Zuckerpreis hat weiterhin der Wechselkurs zwischen dem Brasilianischen Real und dem US-Dollar. Dies wurde während der politischen Spannungen in Brasilien im Mai einmal mehr vor Augen geführt. Der dadurch ausgelöste Absturz des Real hatte die Preise in heimischer Währung erhöht, was die brasilianischen Produzenten zu Verkäufen animierte. Dies war mitverantwortlich dafür, dass der in US-Dollar notierte Zuckerpreis in New York zusätzlich unter Druck geriet. Bis Jahresende und auch 2018 erwarten unsere Währungsanalysten eine weitere leichte Abwertung des Real, sodass von dieser Seite weiter Gegenwind für den Zuckerpreis zu erwarten ist. Auch der seit Ende Mai deutlich gesunkene Ölpreis dürfte den Zuckerpreis zuletzt unter Druck gesetzt haben. Schließlich sinkt damit der Preis für das Konkurrenzprodukt Ethanol, sodass mehr Zuckerrohr zu Zucker verarbeitet werden dürfte. Da wir beim Ölpreis bis zum Jahresende mit keiner nennenswerten Erholung rechnen, bleibt dieser Belastungsfaktor zunächst bestehen.

Aufgrund der sich abzeichnenden deutlichen Ausweitung des Angebots in nahezu allen wichtigen Produzentenländern ist ein beträchtlicher Angebotsüberschuss wahrscheinlich. Dafür spricht auch der gedämpfte Ausblick bei der Nachfrage, wo angesichts immer weiter um sich greifender Politiken zugunsten einer zuckerreduzierten Ernährung – sei es über Informationskampagnen, Kennzeichnungspflichten oder Zuckersteuern – die Phantasie für eine hohe Dynamik fehlt. Die Analysten von Kingsman etwa erwarten für 2017/2018 mit nur 1 Prozent das niedrigste Wachstum der weltweiten Zuckernachfrage seit sieben Jahren. Für die Zuckerpreise verheißen diese Aussichten nichts Gutes. Die hohen spekulativen Netto-Short-Positionen sprechen allerdings dafür, dass viele preisbelastende Nachrichten bereits eingepreist sind. Auch könnten die brasilianischen Produzenten bei einem weiteren Preisrückgang mit einer Umschichtung zugunsten der Ethanolproduktion reagieren. Der staatliche Energiekonzern Petrobras hat diese Möglichkeit durch seine zweimalige Senkung der Benzinpreise, die auch die konkurrierenden Ethanolpreise drückt, allerdings konterkariert. Wir halten den Zuckerpreisrückgang mittlerweile für übertrieben und erwarten eine leichte Erholung. Für das vierte Quartal 2017 erwarten wir einen Rohzuckerpreis von 14 US-Cents je Pfund und im nächsten Jahr eine weitere moderate Erholung auf durchschnittlich 14,5 US-Cents je Pfund.

Seit Jahresbeginn bewegte sich der Kakaopreis unter starken Schwankungen nach unten. Die Preisspitze Mitte März ging auf Sorgen vor einem Trockenheit nach Westafrika bringenden El-Niño-Wetterphänomen zurück, die aber bald wieder relativiert wurden. Die Aussicht auf einen hohen Überschuss am Kakaomarkt 2016/2017 drückte dann rasch wieder auf den Preis und Anfang Mai schloss dieser erstmals seit Sommer 2007 unter 1.800 US-Dollar je Tonne. Der Mitte 2016 begonnene Preisverfall am Kakaomarkt hatte die Regierung in der Elfenbeinküste zu unpopulären Maßnahmen gezwungen. Während der Haupternte wurden die Einbußen noch durch einen Stabilisierungsfonds abgedeckt, für die Zwischenernte dann aber die Auszahlungspreise für die Produzenten um 36 Prozent gesenkt. Die notwendigen Einsparungen im Staatshaushalt führten auch zu Konflikten mit dem Militär. Diese resultierten Mitte Mai in gewalttätigen Unruhen, in deren Zuge die Kakaopreise aus Sorge um Anlieferprobleme anzogen, doch nur, um bei Beruhigung der Lage wieder nachzugeben. Nach einer kurzen Erholung ist der Preis auch zuletzt wieder unter 1.850 US-Dollar je Tonne gefallen.

Was die fundamentale Lage am Kakaomarkt angeht, dürfte es mittelfristig bei einem gedämpften Preisausblick bleiben, nachdem sich die Sorgen um El Niño gelegt haben. Denn in den wichtigsten Produzentenländern Elfenbeinküste und Ghana scheinen sich die hohen Erwartungen an die Ernte 2016/2017 zu bestätigen, nachdem insbesondere die Harmattan-Winde in dieser Saison milder und die Feuchtigkeitsversorgung insgesamt besser als in den beiden Vorjahren waren. In der Elfenbeinküste wurden seit Saisonbeginn im letzten Oktober 23 Prozent mehr Kakaobohnen in die Häfen angeliefert als im entsprechenden Vorjahreszeitraum (Grafik 3). In Ghana sollen bereits jetzt deutlich mehr Bohnen angeliefert worden sein als jeweils in der gesamten bis September laufenden Saison 2014/2015 und 2015/2016. Auch in Ecuador, Kamerun und Brasilien steigt die Produktion. Lediglich in Indonesien ist es noch immer zu trocken.

Grafik 3: Kakao – Hohes Angebot aus Elfenbeinküste

Kakaoanlieferung Elfenbeinküste, kumuliert seit Saisonbeginn

Grafik 3: Kakao – Hohes Angebot aus Elfenbeinküste
Stand: 30. Juni 2017; Quelle: Bloomberg, Commerzbank Research

Weltweit betrachtet hat die Internationale Kakao-Organisation ICCO ihre Ernteerwartung für 2016/2017 entsprechend angehoben, sodass das Plus gegenüber der letzten Saison nun beachtliche 18 Prozent betragen soll. Dies resultiert auch in einer höheren Überschusserwartung für die Saison 2016/2017 von 382.000 Tonnen nach 264.000 Tonnen im letzten Quartalsbericht (Grafik 4). Das wäre nochmals höher als der letzte hohe Überschuss aus dem Jahr 2010/2011 und ein neuer Rekord. Das Angebotsdefizit von 2015/2016, das die ICCO zuletzt marginal auf 197.000 Tonnen erhöhte, spielt in diesem Umfeld kaum eine Rolle mehr, zumal einige Beobachter sich bereits mit der Erwartung eines weiteren, wenn auch niedrigeren Überschusses 2017/2018 zu Wort melden.

Grafik 4: Kakao – Erster hoher Überschuss seit Jahren und gleichzeitig Rekordüberschuss erwartet

Überschuss (+)/Defizit (–) am Kakaomarkt

Grafik 4: Kakao – Erster hoher Überschuss seit Jahren und gleichzeitig Rekordüberschuss erwartet
Stand: 30. Juni 2017; Quelle: ICCO, Commerzbank Research

Dennoch rechnen wir mit einem mittelfristigen leichten Preisanstieg, nicht zuletzt, weil wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt skeptisch sind, dass die Sorge der ICCO vor einer Periode struktureller Überschüsse am Kakaomarkt berechtigt ist. Das niedrige Preisniveau könnte das Angebot dämpfen, weil die Anbauer weniger Geld für die Pflege ihrer Plantagen zur Verfügung haben. Zudem könnte die preissensitive Nachfrage positiv überraschen, wie sie zuvor durch das hohe Preisniveau gebremst wurde. Für das vierte Quartal 2017 erwarten wir einen Kakaopreis von 2.000 US-Dollar je Tonne. Im kommenden Jahr sollte sich der Kakaopreis weiter moderat erholen.

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Unlimited Turbo-Zertifikate

WKN

Basiswert

Typ

Basispreis

Knock-Out-Barriere

Hebel

Geld-/Briefkurs

CV1 N2C

Sugar Future

Bull

0,116 USD

0,118 USD

4,9

2,57/2,58 EUR

CV2 1NF

Sugar Future

Bull

0,130 USD

0,132 USD

9,1

1,38/1,39 EUR

CE9 QZN

Sugar Future

Bear

0,175 USD

0,172 USD

4,8

2,63/2,64 EUR

CV0 Y0H

Sugar Future

Bear

0,160 USD

0,157 USD

9,7

1,29/1,30 EUR

CE9 QMH

Cocoa Future

Bull

1.529,970 USD

1.580,000 USD

4,6

3,58/3,66 EUR

CE9 QMR

Cocoa Future

Bull

1.707,544 USD

1.770,000 USD

7,9

2,05/2,13 EUR

CE9 QN4

Cocoa Future

Bear

2.376,034 USD

2.300,000 USD

4,4

3,77/3,85 EUR

CV1 4T2

Cocoa Future

Bear

2.168,109 USD

2.100,000 USD

8,3

1,96/2,04 EUR

Faktor-Zertifikate mit unbegrenzter Laufzeit

WKN

Basiswert

Strategie

Faktor

Geld-/Briefkurs

CD7 SAA

Sugar Future

Long

3

2,50/2,52 EUR

CD7 SAB

Sugar Future

Short

–3

14,06/14,19 EUR

CE7 1KC

Cocoa Future

Long

3

6,56/6,69 EUR

CE7 1KJ

Cocoa Future

Short

–3

7,59/7,74 EUR

Stand: 20. Juli 2017; Quelle: Commerzbank

Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.de zur Verfügung.