Titelthema

Aufatmen nach der Frankreich-Wahl

Europa im Fokus

Nach dem Wahlsieg Macrons ging ein Aufatmen durch Europa. Der 39-jährige Franzose konnte bei der Stichwahl Anfang Mai 66,1 Prozent der Stimmen auf sich vereinen. Die nächste Herausforderung für Macron dürften allerdings die Parlamentswahlen im Juni werden. Dort ist es unwahrscheinlich, dass er eine absolute Mehrheit erringen kann. Zusammen mit seinem eher zurückhaltenden Programm stehen die Zeichen also eher nicht auf Reformpolitik. Eine nicht minder spannende Wahl sollte es spätestens im Mai nächsten Jahres in Italien geben, wo die Lager der Links- und Rechtspopulisten ähnlich stark sind.

In Frankreich täuschten sich die Meinungsforscher nicht. Anders als den Brexit und den Sieg Trumps, sagten sie den Sieg von Emmanuel Macron in der zweiten Runde der Präsidentschaftswahl richtig voraus. Den deutlichen Sieg mit 66,1 Prozent begrüßten Regierungsvertreter in Berlin, Brüssel und anderen EU-Hauptstädten – eine existenzbedrohende Krise für die Währungsunion ist erst einmal abgewendet.

Parlamentswahlen: absolute Mehrheit unwahrscheinlich
Bei den anstehenden Parlamentswahlen in Frankreich sehen Umfragen Macrons Bewegung »En Marche!« zwar vorne – er dürfte also die meisten Sitze in der neuen Nationalversammlung erhalten – allerdings nicht mit einer absoluten Mehrheit. Im ersten Wahlgang am 11. Juni benötigt ein Wahlkreiskandidat mehr als 50 Prozent der abgegebenen Stimmen, im zweiten Wahlgang am 18. Juni reicht die einfache Mehrheit. In dieser Konstellation bestimmt Macron zwar den Premierminister, ist dabei allerdings auf Koalitionspartner angewiesen. Hierfür kommen sowohl der rechte Flügel der Sozialisten als auch gemäßigte Republikaner in Frage.

Wichtiger Hemmschuh aus dem Weg
Auch wenn Macron nicht der Heilsbringer der Strukturreformen werden dürfte, hat die Wahl in der Wahrnehmung insbesondere der internationalen Anleger einen wichtigen Belastungsfaktor aus dem Weg geräumt. Wir begründen ja seit langem unsere Übergewichten-Empfehlung mit der Erwartung, dass das Interesse aus dem Ausland an europäischen Titeln bei einem Nachlassen des politischen Risikos zunehmen sollte. Wir sehen uns in dieser Einschätzung bestätigt. So zeigen die Zuflüsse in europäische – aber in den USA notierte – ETFs mittlerweile eine klare Wende nach oben. Der Blick auf die Historie dieser Kapitalmarktströme zeigt zudem, dass hier noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht ist. Auch wenn nicht jeder an den Finanzmärkten gerne mit dem Strom schwimmt: Nun dürfte noch die Zeit dafür sein.

Was die Neuwahlen in Großbritannien am 8. Juni angeht, ist hier die entscheidende Frage, wie es mit dem Britischen Pfund weitergehen wird. Denn der britische Markt hängt stark an der Währungsentwicklung. Aufgrund der hohen Gewichtung exportorientierter Unternehmen, die von einem schwachen Pfund profitieren, verzeichnet der britische Leitindex in Pfund gerechnet traditionell eine Outperformance gegenüber dem EURO STOXX 50, wenn das Britische Pfund schwächelt. Dies war auch im Zuge der Brexit-Entscheidung der Fall, als er nach dem Referendum den Vorwärtsgang einlegte. Für den in Euro rechnenden Anleger sieht das Bild allerdings deutlich verhaltener aus, da der Kursverlust beim Britischen Pfund die Performance doch deutlich beeinträchtigt.

Euroraum: Solides Wachstum in 2017, aber mehr auch nicht
Im Euroraum hat sich die bessere Stimmung noch nicht in einem höheren Wachstum niedergeschlagen. Auch im Schlussquartal legte das reale Bruttoinlandsprodukt »nur« um 0,4 Prozent gegenüber dem dritten Vierteljahr zu. Für das Gesamtjahr 2016 steht damit ein Plus von 1,7 Prozent zu Buche (Grafik 1).

Grafik 1: Bruttoinlandsprodukt Euroraum

Veränderung gegenüber Vorquartal in Prozent

Grafik 1: Bruttoinlandsprodukt Euroraum
Stand: Mai 2017; Quelle: Commerzbank Research

Für das erste Halbjahr deuten nun aber auch die bislang verfügbaren harten Daten auf ein leicht höheres Wachstum. Doch dies dürfte kaum nachhaltig sein. So sprechen die ungelösten Probleme in den Schwellenländern gegen eine nachhaltige Erholung der globalen Nachfrage. Im Verlauf des Jahres dürfte die Wirtschaft deshalb wieder etwas verhaltener zulegen. Für das Gesamtjahr 2017 erwarten wir ein Wirtschaftswachstum von 1,8 Prozent. Im kommenden Jahr dürfte das Plus mit 1,6 Prozent etwas niedriger ausfallen. Mit der fortgesetzten Erholung der Konjunktur wird sich auch die Lage am Arbeitsmarkt weiter verbessern. Ende 2017 dürfte die Arbeitslosenquote unter 9 Prozent sinken (aktuell: 9,6 Prozent).

Geldpolitik bleibt expansiv
Der Faktor Geldpolitik ist sicherlich einer der wichtigsten Faktoren der vergangenen Jahre gewesen. Dies hat sich noch nicht geändert, wenngleich wir den Eindruck haben, dass die Halbwertzeit der Wirkung an den Märkten immer stärker nachlässt. Angesichts der durch die Geldpolitik verursachten realwirtschaftlichen Probleme rückt die Fiskalpolitik stärker in den Fokus. Denn es ist offensichtlich – und wurde auch immer von Seiten der Notenbanken stark thematisiert – dass die Geldpolitik am besten funktioniert, wenn sie durch fiskalische Unterstützung (Ausgabenprogramme, Reformen, Steuererleichterungen) flankiert und unterstützt wird.

Gerade das Fehlen dieser Unterstützung hat ja erst dafür gesorgt, dass die Geldpolitik so weit gehen musste. Unseres Erachtens ist hier aber noch keine große Wende in der europäischen Fiskalpolitik zu erkennen. Zudem bleibt natürlich das große Problem, dass die Verschuldungsgrade hier auch keinen allzu großen Spielraum lassen und es auch immer recht lange dauert, bis derartige Programme implementiert sind und dann auch noch Wirkung zeigen.

Aber dennoch: Sowohl die EZB als auch die japanische Notenbank haben klar gemacht, dass sie auf dem Gaspedal bleiben werden (in welcher Form auch immer) und die Fed signalisiert, dass sie das Zinsniveau nur langsam und umsichtig anheben dürfte. Damit bleibt das geldpolitische Umfeld zunächst positiv für die Märkte. Die Diskussion über ein mögliches Absenken der monatlichen Anleihenkäufe der EZB (Tapering) könnte aber im Jahresverlauf 2017 für eine höhere Volatilität am Aktienmarkt sorgen.

Das politische Risiko sinkt! Euroraum weiterhin übergewichten
Die politische Lage in Europa mit diversen Wahlen, der politischen Unsicherheit in Italien und dem Dauerthema Brexit sind ein medialer Dauerbrenner, wenn über mögliche Belastungsfaktoren für die Märkte gesprochen wird. Wir hatten hier ohnehin vor zu viel Pessimismus gewarnt und aktuell zeigt sich, dass dieser Belastungsfaktor zunehmend wieder ausgepreist wird.

Die Diskussionen über den Belastungsfaktor »Politik« sind deutlich zurückgegangen. Hier hat unter anderem der Wahlausgang in den Niederlanden und Frankreich geholfen und das Ergebnis der Wahlen im Saarland, Schleswig-Holstein und NRW hat gezeigt, dass der Wahlausgang in Deutschland im September vielleicht doch kein Triumph für den Herausforderer Martin Schulz werden wird.

Klassische Kurstreiber ebenfalls unterstützend
Die nachlassenden politischen Sorgen sind aber nur der jüngste Treiber für eine Outperformance des europäischen Aktienmarkts. Denn die klassischen fundamentalen Treiber unterstützen den Markt zusätzlich. So können die Unternehmen die besser als noch zu Jahresbeginn erwartete konjunkturelle Lage auch in eine steigende Gewinndynamik ummünzen – dies auch im Gegensatz zu den USA, wo die Dynamik deutlich nachlässt (siehe Grafik 2).

Grafik 2: Gewinndynamik EURO STOXX 50 und S&P 500
Grafik 2: Gewinndynamik EURO STOXX 50 und S&P 500
Stand: 12. Mai 2017; Quelle: Factset

Dies ist ein wichtiger Faktor, da die Kursgewinne der Vergangenheit eher durch eine Bewertungsausweitung (steigendes KGV) getrieben waren und hier doch langsam das Ende der Fahnenstange erreicht sein sollte.

Auch lässt die Begeisterung für die Trumponomics nach und auch beim Euro/US-Dollar-Kurs sehen wir mittlerweile kaum noch Potenzial für den US-Dollar. Somit richtet sich unser Augenmerk diesbezüglich verstärkt auf die Analyse der relativen fundamentalen Betrachtung. Und hier hat der Euroraum klar die Nase vorn. Die Grafiken 3 und 4 zeigen, dass – auch wenn ein absoluter Vergleich der Bewertungshöhe wegen der unterschiedlichen Sektorgewichtungen nicht sinnvoll ist – sich die Bewertungslücke zwischen den USA und Europa deutlich ausgeweitet hat. Sowohl beim Kurs-Gewinn-Verhältnis (Price to Earnings, Grafik 3), als auch beim Kurs-Buchwert-Verhältnis (Price to Book) verzeichnet Europa mittlerweile wieder einen soliden Bewertungsabschlag, der sich auf längere Sicht vorteilhaft auf die relative Kursentwicklung auswirken sollte.

Grafik 3: Europa vs. USA – Kurs-Gewinn-Verhältnis EURO STOXX 50 vs. S&P 500
Grafik 3: Europa vs. USA – Kurs-Gewinn-Verhältnis EURO STOXX 50 vs. S&P 500
Stand: 12. Mai 2017; Quelle: I/B/E/S
Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.
Grafik 4: Europa vs. USA – Kurs-Buchwert-Verhältnis EURO STOXX 50 vs. S&P 500
Grafik 4: Europa vs. USA – Kurs-Buchwert-Verhältnis EURO STOXX 50 vs. S&P 500
Stand: 8. Mai 2017; Quelle: Factset
Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Steigende Zinsen = Kursgewinne bei Finanzwerten
Die steigenden Inflationsraten bzw. steigenden Zinsen haben dafür gesorgt, dass der europäische Bankensektor eine kleine Wiederauferstehung feiern konnte. Steigende Zinsen helfen der in der Vergangenheit doch arg gedrückten Zinsmarge und damit auch dem Niedergang der Gewinne. Auch wenn es noch ein weiter Weg bis zur Ertragsstärke vergangener Zeiten ist: Der Markt spielt diese Verbesserung bereits jetzt. Neben dem grundsätzlichen Zinspfad ist aber insbesondere die Steilheit der Zinsstrukturkurve von Bedeutung. Grafik 5 zeigt hier die recht hohe Korrelation zwischen der Performance des Bankensektors gegenüber dem Markt und dem Zinsspread (10J–2J).

Grafik 5: Performance Zinsspread (10J–2J) vs. Bankensektor
Grafik 5: Performance Zinsspread (10J–2J) vs. Bankensektor
Stand: 15. Mai 2017; Quelle: Datastream
Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.
Grafik 6: EURO STOXX 50 vs. S&P 500 vs. US-Leitzinsen
Grafik 6: EURO STOXX 50 vs. S&P 500 vs. US-Leitzinsen
Stand: 15. Mai 2017; Quelle: Datastream
Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Fazit: Europa First!
Für allzu großen Pessimismus gibt es derzeit keinen Anlass. Das Umfeld insgesamt spricht für Aktien. Wir halten an unserem positiven Bild für das Gesamtjahr fest und sehen nach der Konsolidierungsphase noch leichtes Kurspotenzial, sodass die Anlageklasse Aktien weiterhin im Vergleich zu Anleihen und Co. interessant bleibt. Gleichwohl lassen verschiedene Faktoren erwarten, dass sich die Konsolidierungsphase der vergangenen Wochen noch fortsetzen wird. Im aktuellen Umfeld nachlassender politischer Sorgen und einer positiven Konjunktur- und Unternehmensgewinn-Entwicklung dürfte das Interesse insbesondere ausländischer Investoren an Titeln aus dem Euroraum anhalten und die Performance unterstützen. Somit spricht vor diesem Hintergrund viel für eine Outperformance von Europa gegenüber den USA.

Anlageidee: Partizipieren Sie an der Entwicklung des EURO STOXX 50

Nutzen Sie die Einschätzungen unserer Experten und partizipieren Sie an der Entwicklung des europäischen Aktienindex.

Ein Überblick über das gesamte Produktspektrum an Zertifikaten steht Ihnen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.de zur Verfügung.

Unlimited Index-Zertifikat

WKN

Basiswert

Laufzeit

Bezugsverhältnis

Geld-/Briefkurs

702 978

EURO STOXX 50

Unbegrenzt

100:1

35,98/35,98 EUR

Discount-Zertifikate

WKN

Basiswert

Cap

Discount

Max. Rendite p.a.

Bewertungstag

Geld-/Briefkurs

CE6 X8E

EURO STOXX 50

3.500 Pkt.

7,37 %

6,46 %

16.02.2018

33,35/33,36 EUR

CE6 X8J

EURO STOXX 50

3.600 Pkt.

5,79 %

8,06 %

16.02.2018

33,92/33,93 EUR

CE6 X8N

EURO STOXX 50

3.700 Pkt.

4,49 %

9,95 %

16.02.2018

34,40/34,41 EUR

CE6 X8S

EURO STOXX 50

3.800 Pkt.

3,39 %

12,24 %

16.02.2018

34,77/34,78 EUR

Classic Bonus-Zertifikate

WKN

Basiswert

Bonuslevel

Barriere

Bonusrendite p.a.

Bewertungstag

Geld-/Briefkurs

CE7 ZPS

EURO STOXX 50

4.125 Pkt.

2.900 Pkt.

7,36 %

14.03.2018

38,86/38,88 EUR

CE7 ZPW

EURO STOXX 50

4.300 Pkt.

3.000 Pkt.

10,51 %

14.03.2018

39,54/39,56 EUR

CE7 ZQ0

EURO STOXX 50

4.550 Pkt.

3.100 Pkt.

15,02 %

14.03.2018

40,44/40,47 EUR

CE7 ZQ4

EURO STOXX 50

5.050 Pkt.

3.200 Pkt.

23,39 %

14.03.2018

42,27/42,31 EUR

Capped Bonus-Zertifikate

WKN

Basiswert

Bonuslevel/Cap

Barriere

Max. Rendite p.a.

Bewertungstag

Geld-/Briefkurs

CE5 XJH

EURO STOXX 50

3.975 Pkt.

2.900 Pkt.

7,52 %

14.03.2018

37,41/37,42 EUR

CE5 XJM

EURO STOXX 50

4.150 Pkt.

3.000 Pkt.

9,92 %

14.03.2018

38,33/38,35 EUR

CE5 XJR

EURO STOXX 50

4.425 Pkt.

3.100 Pkt.

14,09 %

14.03.2018

39,61/39,63 EUR

CE6 0BN

EURO STOXX 50

5.310 Pkt.

3.200 Pkt.

25,76 %

14.03.2018

43,73/43,77 EUR

Faktor-Zertifikate

WKN

Basiswert

Strategie

Faktor

Laufzeit

Geld-/Briefkurs

CE9 J00

EURO STOXX 50 Future

Long

2

Unbegrenzt

10,09/10,11 EUR

CE9 J02

EURO STOXX 50 Future

Long

4

Unbegrenzt

10,17/10,20 EUR

CE9 J04

EURO STOXX 50 Future

Long

6

Unbegrenzt

10,24/10,28 EUR

CE9 J05

EURO STOXX 50 Future

Long

8

Unbegrenzt

10,32/10,38 EUR

Stand: 23. Mai 2017; Quelle: Commerzbank

Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.de zur Verfügung.