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Amazon – Auch unterm Strich bleibt zunehmend etwas übrig

Amazon ist trotz der anhaltend hohen Investitionsneigung auf einen kontinuierlichen Gewinnpfad eingeschwenkt. Die Aktienbewertung (KGV) ist zwar noch immer sehr hoch, wird inzwischen aber stärker durch die Gewinnentwicklung unterlegt. Die zunehmende Komplexität des Unternehmens sowie das Wettbewerbs- und Steuerrecht bleiben Herausforderungen. Solange das Unternehmen aber das aktuelle Wachstumstempo und den Gewinnpfad beibehält, dürfte dies der Aktie weiter Rückenwind geben.

Die Marktanteilsmaschinerie
Dem Internethändler gelingt es kontinuierlich, schneller zu wachsen als der E-Commerce-Markt und dadurch die Marktführerschaft in seinen Hauptmärkten weiter auszubauen. Das Rezept für das rasante Wachstum besteht neben einer aggressiven Preisstrategie unter Einbeziehung »externer« Händler auch aus der ständigen Erweiterung der Angebotspalette um zum Beispiel Lebensmittel, Cloud-Computing (Amazon Web Services) und Mode, nachdem das Unternehmen als Buchhändler gestartet ist und den Markt für Ebooks entscheidend mitentwickelt hat (»Kindle«).

Das breite Angebot von Amazon macht es den Wettbewerbern im Präsenzhandel inzwischen schwer, ihr eigenes Online-Geschäft zu entwickeln.

Nachdem Amazon in China aufgrund starker Konkurrenz (Alibaba) quasi erst einmal gescheitert ist, konzentriert sich das Unternehmen nun stärker auf Indien. Westlichen Konzernen weht der Wind dort politisch auch scharf ins Gesicht, das Geschäft entwickelt sich aber bisher sehr positiv.

Die Prime-Mitgliedschaft soll für eine Jahresgebühr die Kundenbindung mit schnellerer Lieferung und weiteren Leistungen (Video, Musik, Bibliothek, Cloud-Speicher.…) erhöhen.

Die harten Verhandlungspraktiken im Einkauf, die Amazon zum Beispiel gegenüber Verlagen und Medienkonzernen anwendet, haben die EU zu Untersuchungen hinsichtlich der missbräuchlichen Ausnutzung der Marktmacht bei E-Books veranlasst, die inzwischen aber zu einem Kompromiss führten.

Doch es ist durchaus möglich, dass Untersuchungen früher oder später auch in anderen Produktkategorien aufgenommen werden könnten. Auch die Steuervermeidungsstrategie mit Tochtergesellschaften in Steuerparadiesen oder Unklarheiten im Zusammenhang mit Verbrauchssteuern (Mehrwertsteuer) sind in den Fokus von Regierungen geraten. Der Druck hat dazu geführt, dass Amazon sein Deutschlandgeschäft seit Mai 2015 auch in Deutschland verbucht (und versteuert).

Die Brexit-Entscheidung und eine mögliche neue protektionistische US-Wirtschaftspolitik bedrohen den freien internationalen Handel und könnten auch Amazons internationale Expansion bremsen. Allerdings verzichten die USA im Rahmen der Steuerreform offensichtlich zunächst einmal auf die vieldiskutierte Importsteuer.

Grafik 1: Wertentwicklung Amazon
Grafik 1: Wertentwicklung Amazon
Stand: 18. Mai 2017; Quelle: Reuters
Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung

Marktanteile oder Gewinne? 
Trotz eines anhaltend hohen Umsatzwachstums und einer bemerkenswerten Größe und Reife erzielte das Unternehmen in der Vergangenheit kaum Gewinne. Hauptgrund dafür waren und sind hohe Investitionen in ständig neue Dienste, Produkte und auch in die eigene Logistik. Zahlreiche Geräte (Kindle, Fire TV und die Fire Tablets, Echo) dienen letztendlich als Portale dazu, reale und digitale Produkte zu verkaufen und die Menschen an die Plattform zu binden.

Aus diesem Grund investiert Amazon auch in eigene Medieninhalte (TV-Serien, Kinofilme, Sportevents, Videospiele). Mit einer eigenen Werbeplattform drängt Amazon auch stärker auf Googles Heimatdomäne. Die Rivalität der beiden Internetgiganten dürfte also zunehmen.

Die »billige« Ausrüstung der Kunden mit Geräten und auch die dauerhaften Investitionen in neue Geschäftsfelder sind zunächst einmal margenbelastend. Aktuell stößt das Unternehmen in einigen Ballungsräumen preisaggressiv in den Online-Handel mit frischen Lebensmitteln vor und experimentiert auch mit neuen kassenlosen automatisierten Geschäften. Eine Ausweitung würde erhebliche Investitionen nach sich ziehen.

Das Management hat Besserung bei der Kostendisziplin gelobt und die Transparenz des Unternehmens erhöht. Dazu gehört auch der gesonderte Ausweis des Cloud-Geschäfts (Datencenter-Dienstleistungen). Der Bereich ist das am schnellsten wachsende und vielbeachtetste Geschäft von Amazon und kann trotz eines hohen Preiswettbewerbs eine hohe Dynamik beibehalten.

Auftaktquartal überrascht positiv
Amazon hat den Umsatz (+22,6 Prozent) und besonders den Gewinn je Aktie (1,48 US-Dollar, +38 Prozent, erwartet 1,08 US-Dollar) im Auftaktquartal stärker gesteigert als vom Markt erwartet. Im »traditionellen« Online-Handel lag das Umsatzwachstum sowohl in Nordamerika (+23 Prozent) als auch International (+15,6 Prozent, währungsbereinigt aber +21 Prozent) über den Annahmen. Das Cloud-Geschäft (Amazon Web Services) verlangsamte sich (+43 Prozent). Der Unternehmenszweig hatte angesichts des Wettbewerbsumfelds deutliche Preissenkungen vorgenommen, ist aber immer noch die Ertragsperle des Unternehmens. Daneben investiert Amazon weiter stark in Logistikzentren und neue physische/mediale und digitale Produkte.

Für das zweite Quartal liegt das Management bei der Umsatzerwartung auf Markthöhe, beim operativen Nettogewinn darunter. Zuletzt wurden aber die Kommunikation verbessert und eher konservative Prognosen abgegeben.

Nach einer langen Zeit negativer Gewinnrevisionen und entsprechender Enttäuschungen hat Amazon in den vergangenen Quartalen zunehmend gezeigt, dass das Unternehmen nun auf einen kontinuierlichen Gewinnpfad eingeschwenkt ist. Die mittlerweile erreichte Größe und Finanzkraft ermöglicht es, trotz der anhaltend hohen Investitionsneigung in allen möglichen Bereichen die Gewinnerwartungen zu erfüllen oder zu übertreffen. Die Aktienbewertung (KGV) ist zwar noch immer sehr hoch, hat sich durch die Gewinnentwicklung aber trotz des Kursanstiegs im historischen Vergleich ermäßigt.

Wir haben auch weiterhin wettbewerbs- und steuerrechtliche Vorbehalte und sehen die zunehmende Komplexität des Unternehmens mit den unterschiedlichsten Tätigkeitsfeldern als mögliche zukünftige Managementherausforderung. Solange das Unternehmen aber das aktuelle Wachstumstempo und den Gewinnpfad beibehält, dürfte sich auch der Aktienkurs weiter positiv entwickeln.

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Classic Turbo-Zertifikate

WKN

Basiswert

Typ

Basispreis/Knock-Out-Barriere

Hebel

Bewertungstag

Geld-/Briefkurs

CV0 5YX

Amazon

Bull

680,00 USD

3,2

31.07.2017

26,65/26,68 EUR

CV0 5Z5

Amazon

Bull

840,00 USD

7,0

31.07.2017

12,42/12,45 EUR

CV0 5Z7

Amazon

Bull

880,00 USD

9,8

31.07.2017

8,81/8,84 EUR

CV0 64H

Amazon

Bear

1.220,00 USD

3,9

31.07.2017

22,12/22,15 EUR

CV0 64A

Amazon

Bear

1.080,00 USD

8,6

31.07.2017

10,01/10,04 EUR

CV0 649

Amazon

Bear

1.060,00 USD

10,6

31.07.2017

8,09/8,11 EUR

Discount-Zertifikate

WKN

Basiswert

Cap

Discount

Bewertungstag

Max. Rendite p.a.

Quanto

Geld-/Briefkurs

CE8 MN1

Amazon

850,00 USD

17,00 %

15.03.2018

6,74 %

Nein

716,09/716,35 EUR

CE8 NWC

Amazon

850,00 USD

15,66 %

15.03.2018

4,76 %

Ja

817,17/817,47 EUR

CE8 MN3

Amazon

950,00 USD

10,54 %

15.03.2018

11,42 %

Nein

772,52/772,85 EUR

CE8 NWE

Amazon

950,00 USD

9,09 %

15.03.2018

9,24 %

Ja

881,86/882,24 EUR

CE9 D2V

Amazon

1.050,00 USD

5,80 %

15.03.2018

17,96 %

Nein

813,43/813,77 EUR

CE9 D1H

Amazon

1.050,00 USD

4,23 %

15.03.2018

15,62 %

Ja

928,96/929,35 EUR

Stand: 23. Mai 2017; Quelle: Commerzbank

Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.de zur Verfügung.